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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vene - Venedig (Provinz und Stadt)
aber 11. Juli vor Oudenaarde geschlagen, verlor, da er die Maintenon zur Feindin hatte, sein Kommando und blieb zwei Jahre in Unthätigkeit. Als jedoch 1710 die franz. Sache in Spanien in den tiefsten Verfall geriet, schickte ihn Ludwig XIV. über die Pyrenäen. Er führte Philipp V. nach Madrid zurück und schlug dann den General Starhemberg 10. Dez. 1710 bei Villa Viciosa. V. starb 15. Juni 1712 zu Viñaroz in Catalonien. - Vgl. Le du de V. en Espagne (Par. 1823).
Vene, Blutader, s. Venen.
Venedey, Jak., Politiker und Schriftsteller, geb. 24. Mai 1805 zu Köln, studierte zu Bonn und Heidelberg die Rechte und beschäftigte sich dann praktisch bei seinem Vater, einem Advokaten in Köln, bis er 1832 wegen der Schrift "Das Geschworenengericht in den preuß. Rheinprovinzen" (Köln 1830) Preußen verlassen mußte. Als Beteiligter am Hambacher Feste ward er im Herbst 1832 zu Mannheim verhaftet, entwich aber aus dem Gefängnis zu Frankenthal und gelangte nach Frankreich. In Paris gab er 1835 die Monatsschrift "Der Geächtete" heraus, wurde aber deshalb, wie 1837 noch einmal, nach Havre ausgewiesen. Nach der Februarrevolution wendete er sich wieder nach Deutschland und kämpfte im Vorparlament gegen die Sonderbestrebungen Heckers. Im Fünfziger-Ausschuß wie in der Nationalversammlung war er einer der Führer der Linken; später gehörte er auch dem Rumpfparlament in Stuttgart an. Von Berlin und Breslau ausgewiesen, lebte er nun in Bonn, seit 1853 in Zürich, wo er sich an der Universität als Docent der Geschichte habilitierte. 1855 siedelte er nach Heidelberg, 1857 nach Oberweiler bei Badenweiler über, wo er 8. Febr. 1871 starb. In öffentlichen Reden und Flugschriften bekämpfte er die "preuß. Spitze" und blieb dieser Richtung auch nach den Ereignissen des J. 1866 treu. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Reise- und Rasttage in der Normandie" (2 Bde., Lpz. 1838), "La France, l’Allemagne et la Sainte Alliance" (Par. 1842), "Die Deutschen und Franzosen nach dem Geiste ihrer Sprachen und Sprichwörter" (Heidelb. 1812), "John Hampdell" (Bellevue 1843), "England" (3 Bde., Lpz. 1845), "Irland" (2 Bde., ebd. 1844), "Das südl. Frankreich" (2 Bde., Frankf. 1846), "Vierzehn Tage Heimatsluft" (Lpz. 1847), "Schleswig-Holstein im J. 1850" (ebd. 1851), "Geschichte des deutschen Volks" (4 Bde., Berl. 1854-62), "Machiavell, Montesquieu und Rousseau" (2 Bde., ebd. 1850), "Friedrich d. Gr. und Voltaire" (Lpz. 1859), Biographien von Washington (Freib. i. Br. 1862), Franklin (ebd. 1863) und Stein (Iserlohn 1868), "Die deutschen Republikaner unter der franz. Republik" (Lpz. 1870).
Venēdig, ital. Venezia. 1) Provinz im Königreich Italien, in der Landschaft Venetien, grenzt im N. an die Provinz Udine, im O. an das Adriatische Meer, im S. und W. an die Provinz Padua, im W. an Treviso, hat 2198 (nach Strelbitskij 1898) qkm mit (1881) 356708, nach Berechnung vom 31. Dez. 1895: 385401 E., d. i. 173 E. auf 1 qkm, und zerfällt in die 7 Distrikte Chioggia, Dolo, Mestre, Mirano, Portogruaro, San Donà di Piave und V. mit zusammen 50 Gemeinden. Das Land erstreckt sich längs der Küste des Adriatischen Meers um den Golf von V. herum, vom Tagliamento im NO. bis zur Etsch im S., ist eben und meist sumpfig durch die Lagunen, die von zahlreichen Kanälen durchschnitten und voll dem offenen Meere durch Dünen (lidi), die von gewaltigen Dämmen (murazzi) aus Marmorquadern geschützt sind, getrennt werden. Die Hauptflüsse sind Tagliamento, Livenza, Piave, Eile, Zero, Marzenego, Brenta und Etsch; von Kanälen sind zu nennen Canale di Brenta, Taglio Nuovissimo, Canale di Ponte Lungo, Canale Gorzolle und Bianeo. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Asphalt, Cement, Ziegel, Dünger, Glas- und Mosaikwaren, Tabak, Leder, Kerzen, Seife, Besen, Uhren, Quincaillerie- und Bijouteriewaren, Zündhölzern, Instrumenten, Waffen, Gold-, Silber-, Eisen- und Seilerwaren, Woll- und Seidenwaren, Spitzen und Stickereien, Schiff- und Maschinenbau; ferner bestehen Fischerei, Landbau (Weizen, Hafer, Reis, Mais, Hirse), Wein-, Gemüsebau, Vieh- und Seidenzucht. - 2) Hauptstadt der Provinz und des Distrikts V., Kriegs- und Handelshafen, durch ihre Lage, Kunstwerke und Geschichte eine der merkwürdigsten Städte, liegt 4 km vom Festlande entfernt und ist mit demselben durch eine 3601 in lange Eisenbahnbrücke mit 222 Bogen verbunden, auf 122 Inseln in den Lagunen, einem seichten, 40 km langen und 15 km breiten Teile des Adriatischen Meers, größtenteils auf Pfahlrosten erbaut, an den Linien Mailand-Verona-Padua-V. (265 km), V.-Padua-Bologna (160 km), V.-Treviso-Udine (157 km) und V.-Mestre-Portogruaro-Casarsa (89 km) des Adriatischen Netzes, ist Sitz des Präfekten, eines Gerichtshofs, Appellationshofs, Militär-, Seegerichts, Hafenkapitanats, einer Finanzintendanz, eines kath. Patriarchen, armenischen Erzbischofs, Marinekommandos, einer Handels- und Gewerbekammer und hat (1881) 132826, nach Berechnung 1896: 161592, 1897: 166107 E., in Garnison etwa 3000 Mann (das 25. und je 1 Bataillon des 26.und 87. Infanterieregiments, 1. Küstenartilleriebrigade, 2 Compagnien des 4. Genieregiments). (Hierzu ein Stadtplan nebst Verzeichnis der Kanäle, Straften und öffentlichen Gebäude.)
Anlage, Brücken, Denkmäler. Von den 175 Kanälen (rii), welche die Stadt durchschneiden, ist der bedeutendste der Canale grande (3650 m lang, durchschnittlich 75 m breit), der die Stadt in mehrern Bogen durchzieht und in zwei ungleiche Teile teilt, und dessen Ufer mit Palästen eingefaßt sind; zwischen den Kanälen erstrecken sich enge, mit Steinplatten, seltener mit Backsteinen oder Asphalt belegte Gassen (calli). Unter den 350 öffentlichen Brücken zeichnet sich die 1588-91 von Antonio da Ponte erbaute prächtige Rialtobrücke (Ponte di Rialto) aus, ein Marmorbogen von 28 m Spannung, der wie die beiden 1854 und 1858 erbauten eisernen Brücken über den Canale grande führt. Es giebt zwar etwa 400 Plätze (campi), meist mit Cisternen versehen, aber nur der von Palästen mit Bogengängen umgebene Markusplatz führt den Namen Piazza, ein 175 m langer, bis 82 m breiter, mit Trachyt- und Marmorplatten belegter Platz, der mit seiner Fortsetzung, der Piazzetta, an den Canale di San Marco stößt. Der Markusplatz ist der Mittelpunkt aller öffentlichen Lustbarkeiten. Die drei bronzenen Fußgestelle der Flaggenstangen an seiner Ostseite sind von Alessandro Leopardo (1505).
Von Denkmälern sind zu erwähnen das berühmte Reiterstandbild des Bart. Colleoni, Söldnerführers