Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

217
Veränderte Umstände - Veränderung
Veränderlichkeit eine große Verschiedenheit. Einige
Sterne, wie Mira im Walfisch, zeigen große, wenn
schon periodisch wiederkehrende, so doch sehr un-
regelmäßige Eckwanknngen ihres Lichts; bei an-
dern sind die Echwanknngen zwar deutlich hervor-
tretend, aber doch nur unerheblich. Ferner beträgt
bei einigen die Tauer der Periode mehrere Monate
oder sogar Jahre, bei andern nur wenige Tage.
Am merkwürdigsten sind von den Sternen dieser
Klasse diejenigen, die eine regelmäßige kurze Periode
ibres Lichtwccksels haben und bei denen die Ände-
rungen des Lichts (rasche Abnabme und wieder
rasche Zunahme) sich nur auf wenige Stunden be-
schränkt. Solcher Sterne tennt man gegenwärtig
sechs, von denen vor allen Algol (s. d.) bemerkens-
wert ist. Kleine Abweichungen in der Periode kom-
men indessen auch bei diesen Sternen vor. Bis jetzt
sind gegen 200 Sterne als sicher veränderlich be-
kannt, die Zahl der überhaupt vorhandenen Ver-
änderlichen ist aber jedenfalls eine große; ja es ist
sogar anzunehmen, daß alle Sterne zeitweilige, zwar
meist uubedeutende Änderungen ihrer Helligkeit
zeigen. Die Mehrzahl der Veränderlichen zeigt rote
Farbe und zwar um so ausgesprochener, je größer
die Periode der Veränderlichkeit ist. Vei den Ster-
nen kurzer Periode ist Weiß und Gelb vorherrschend.
Die Ursache der Lichtveränderung ist wahrscbcin-
lich nicht immer die nämliche. Bei den neuen Ster-
nen kann man auf Grund spektroskopischer Unter-
suchungen als sicher annehmen, daß in den meisten
Fällen ihr Aufleuchten von plötzlichen mächtigen
Ausdrücken glühenden Wasserstoffgases herrührt.
Nicht gerade unwahrscheinlich ist es auch, daß in
einzelnen Fällen die plötzliche Lichtentwicklung von
einem Zusammenstoß zweier Körper berrührt. -
Über die Ursache des periodischen Lichtwechsels bat
man namentlich zwei Hypothesen aufgestellt. Nach
der einen rührt derselbe her von großen auf der
Oberfläche des Sterns ungleich verteilten Flecken
lnach Zöllner sollen dies Schlacken sein, die sich bei
der allmählichen Erkaltung der Sterne bilden), die
bei einer Notation des Sterns um eine Achse eine
ungleiche Lichtausstrahlung seiner Oberfläche nach
der Erde zu bewirken. Nach dieser Fleckenbvpo-
tbese läßt sich die Lichtänderung der meisten Ver-
änderlichen gut erklären. Für die in ihrem Licht-
wechsel dein Algol ähnlichen Sterne, wo ein äußerst
intensiver Lichtwechscl, aber nur während sehr kurzer
Zeit stattfindet, genügt dieselbe aber nicht. Nach der
zweiten Hypothese werden die V. S. von dunkeln
Körpern umkreist, wie die Sonne von dcn Pla-
neten; tritt nun ein solcker Körper zwischen den
Stern und unser Auge, so muß eine Licktabnahme
eintreten. Bei einzelnen Sternen, so namentlich bei
Algol, würde diese Hypothese den Erscheinungen im
ganzen Verlauf gereckt werden, aber es liegt gerade
bei diesen in der dann notwendigen Annabme eines
sehr geringen Abstandes des Haupt- und Sieben-
sternes voneinander ein Bedenken dafür, daß ein
solches System auf die Dauer besteben kann. Karl
Hermann Vogels fpektroskopische Untersuchungen
daben in der neuesten Zeit aber gezeigt, daß speciell
bei Algol der Lichtwecksel thatsächlich durch einen
großen dunkeln, den hellen Hauptstern in kurzer Ent-
fernung umkreisenden Körper hervorgerufen wird.
Wabrfckeinlich wird dies bei allen dem Algol ähn-
lichen Veränderlichen der Fall sein. In vielen Fällen
dü^le auch eine Verbindung beider Hypothesen den
thatsächlichen Verhältnissen entsprechen; außerdem
' werden häufig noch auf den verschiedenen Sternen be-
! sondere Lichtentwicklungen infolge gewaltiger Erup-
^ tionen stattfinden, durch welche die sonstige Regcl-
^ Mäßigkeit des Licktwechsels verwischt wird. Die
i vorwiegend rote Farbe der Veränderlichen findet
^ namentlich durch Zöllners Annahme einer (^chlacken-
! bildung ihre Erkläruug, indem diese besonders bei
! den Sternen stattfinden wird, die sich im Zustande
i einer vorgeschrittenen Abkühlung befinden und von
! der Weisiglühhitze ins Rotglühen übergegangen sind.
^ Veränderte Umstände. Eine Partei schließt
^ oft einen Vertrag in der Erwartung, daß die Um
! stände fortdauern werden, welche für sie der Bc-
^ weggrnnd waren, den Vertrag zu schließen. Hat sie
i sich darin getäuscht, so ist das noch kein Grund, daß
! sie zurücktreten kann. In gewissem Umfang kontra-
, hiert jeder auf seine Gefahr. Die frühere Meinung,
i daß jeder privatrechtlich c Vertrag unter der still-
! schweigenden Bedingung iedn8 51c 8wntiwi8 abge-
schlossen sei, und daß deshalb der Rücktritt sreistehe,
z wenn sich die Umstände dahin ändern, daß, wenn der
! neueTachverbaltvorgelegenbätte,alsderVertragge-
schlossen wurde, dieser nicht abgeschlossen sein würde,
ist längst aufgegeben. Auch daß der andern Partei
das Motiv mitgeteilt ist, welches die eine Partei zum
! Vertragsschluft bestimmt hat, ist nicht entscheidend.
> Anders liegt die Sache, wenn die eine Partei das
^ Geschäft von der Fortdauer des bestimmt bezeichneten
i Umstanden abhängig gemacht hat und die andere
^ Partei darauf eingegangen, also eine Bedingung
verabredet ist. Allein ganz abweisen läßt sich der
Einflnsi V. U. nicht. Die Annahme, daß die Fort-
dauer gewisser Umstände für beide Teile die selbst-
verständliche Voraussetzung oder die stillschweigende
l Bedingung gewesen sei, tebrt bei kritischen Fällen für
! den Richter immer wieder. Sie wird da zu berück-
sichtigen sein, wo es der Natur des Vertrags wider-
sprechen würde, den Fortbestand der Verpflichtung
! anzunebmen, wenn die Grundlage, auf welcher kon-
, trahiert wurde, weggefallen ist. NachPreusi. Landr.I,
^ 5, 8- 378 kann jede Partei zurücktreten, wenn un-
! vorhergesehene V. U. die Erreichung des Endzwecks
! beider Teile unmöglich machen. Ein Teil kann als-
! dann vom andern nur insofcrn Entschädigung for-
! dern, als die Veränderung durch dessen freie Hand-
! lung bewirkt worden lH. 379). Wird durch die V. U.
! nur der Zweck des einen Teils ganz vereitelt, so
! kann derselbe zwar zurücktreten i§. ."80), muß aber,
! wenn die Veränderung in seiner Person sich er-
z eignete, den andern entschädigen (§. ,^8l). Nack
! Deutschem Bürgcrl. Gesetzbuch kann, wer aus
einem gegenseitigen Vertrag vorleisten muß, bei
! Vermögensverschlechterung des andern Teils die
! Leistung verweigern s§. 3-21). Im Völkerrecht
gewähren wesentlich V. U. bei allen obligatorischen
, Verträgen Rücktrittsrccht und zwar ohne Entschädi-
! gungspflicht <s. Völkerrechtliche Verträge).
^ Veränderung, der Wechsel der Bestimmungen
! an einem Bebarrenden, seit alter Zeit ein Problem
! in der Philosophie, besagt, daß ein Ding aufhöre
! zu sein, was es war, um zu werden, was es zuvor
! nicht war. Dieser Übergang aus dem Sein ins
! Nichtsein, aus dem Nichtsein ins Sein, tritt mit der
^ in den Grundgesetzen unsers Denkens wurzelnden
! Voraussetzung, daß aus Nichts Nichte werden, und
> in Nichts Nichts verschwinden könne, in Konflikt,
i Erst durch Kants xritil der Vernunft ist hier eine
, Aufklärung gewonnen, indem erkannt ist, daß das
! Gesetz der Beharrlichkeit (Substantialität) zwar ein