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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verankerung - Verbällung
Gesetz des reinen Verstandes ist, das aber nnr in
Beziehung anf die Erscheinungen in Nanm und Zeit
von gültiger Anwendung ist; in den Erscheinungen
aber ist die Thatsache der V. unleugbar, nur in Be-
ziehung auf die V. in den Erscheinungen also ist
ein Beharrliches für uns erkennbar. Daß aber dieser
ganze Gegensatz von Beharrung und Wechsel im
Reiche der Erscheinungen verbleibt, wird klar, wenn
man die Relativität aller uns möglichen Bestim-
mungen eines Beharrlichen sich zum Bewußtsein
bringt. Eine absolut feste Bestimmung irgend eines
Ortes im Universum, mithin einer Bewegung, ist
nie zu erweisen, nicht allein weil uufere Beobach-
tung begrenzt ist, sondern weil die Grenzenlosigkeit
aller Relationen in Raum und Zeit eine absolute
Bestimmung des Objekts der Erscheinung überhaupt
ausschließt. Ebenso verhält es sich mit jeder andern
Bestimmung von Wechsel und Beharrung.
Verankerung, im .hoch- und Maschinenbau die
Bescstigungsweise durch Anker (s. d.).
Veranschlagung, s. Abschätzung und Ertrags-
anschlag.
Veratrm, (^I^u^l)", eine organische Vase,
die sich neben einer andern Vase, dem Sabadillin
im Eabadillsamen (s. ^d^äMa), findet. Es erscheint
als weißes krystallinisches Pulver oder, aus Alkohol
krystallisiert, iu rhombischen Prismen von scharfem
Geschmack und höchst giftigen Eigenschaften. In ge-
ringster Menge in die Nase gebracht, erregt es das
heftigste Niesen. Bei 119" schmilzt es zu einer wachs-
ähnlichen Masse. Konzentrierte Salpetersäure löst
es mit gelblichroter, Schwefelsäure mit karmiuroter,
Salzsäure mit violetter Farbe. Man unterscheidet
drei in ihren Eigenschaften und Verbindungen
wesentlich abweichende Modifikationen des V.: das
krystallisierte reine V. oder Cevadin, leicht-
löslich in Äther und Alkohol, unlöslich in kochendem
Wasser, das lösliche oder amorpheV., löslich in
kaltem Wasfcr, und das unlösliche amorphe V.
Vsrä.trrlln /^., Pflanzcngattnng aus der
Familie der Liliaceen (s. d.) mit l) Arten in der
nördl. gemäßigten Zone, krautartige Gewächse mit
dickem Rhizom und hobem rcichblühendem Stengel,
die Wurzelblättcr sowie die am uutern Teile des
Stengels stehenden sind breit und stark gefaltet, die in
der Blütenregion vorhandenen schuppenartig. Die
mit fechsteiliger glocken- oder radförmiger Blüten-
hülle, sechs Staubgefäßen und einein dreifächerigen
Fruchtknoten versehenen Blüten sind kurz gestielt
und haben eine rötliche oder grünlichgelbe Farbe.
In Deutschland kommt nur die weiße Nieswurz
oder Germer (V. aidnm _/^.) vor, und zwar auf
hoch gelegenen Wiesen der Alpen und des Riesen-
gebirges. Der Wurzelstock ist unter dem Namen 1Uii-
X01N3. Vei-atri oder Üiidix IloNedoi i iil^i ofsizim'll
und enthält ein starkes Gift, das dem Veratrin <s.d.)
ähnliche Iervin (s. d.). Der in Südeuropa vorkom-
mende schwarze Germer (V. ni^um ^.) mit
dunkelroten Blüten ist nicht selten Zierpflanze.
Veräußerung, das absichtliche Aufgeben eines
Gutes, das zu unserer rechtlichen Verfügung stedt
oder das wir glaubeu erlangen zu können. Es ist
eine V. des Besitzes (s. d.), wenn die Sache wegge-
worfen wird, zugleich des Eigentnms, wenn sich der
Veräußerer dasselbe zuschreibt; des Eigentums, wenn
der Eigentmncr absichtlich unthätig bleibt, damit ein
anderer, welcher die dem Eigentümer gehörige Sache
von einem Dritten in gutem Glauben gekauft hat,
das Eigentum durch Ersitzung erwirbt. Gewöhnlich
versteht man unter V. die übertraguug eines Rechts,
welches der Veräußerer hat oder zu haben glaubt,
auf einen andern, einschließlich der Belastung durch
Bestellung eines Dinglichen Rechts (s. d.), z.'B. Be-
stellung eines Pfandrechts oder einer Dienstbarkeit
an einer Sache, die uns gehört oder von der wir
glauben, daß sie^uus gehört. Die V. umfaßt aber
auch in diesem Falle nicht bloß den Akt der Über-
gabe (s. d.), der Auflassung (s. d.), der Session (s. d.)
des Forderungsrechts, mit welchen Akten das ver-
äußerte Recht auf den andern übergeht, sondern zu-
gleich das diesen Akten zu Grunde liegende obliga-
torische Rechtsgeschäft, z. B. Kauf, Tausch, Schen-
kuug, also deu Titel (s. d.) für den Erwerb des Rechts.
Eine V. liegt dann nicht vor, wenn ein Erwerb
abgelehnt, z. B. ein Vermächtnis oder eine Erbschaft
ausgeschlagen wird, in der selbstverständlichen Vor-
aussetzung, daß der Erwerb nicht bereits, wenn auch
ohne eine Handlung des Veräußerers, gemacht war.
Das Privatrecht gestattet grundsätzlich jedem, das
zu veräußern, was er glaubt veräußern zu können.
Das Privatrecht sichert dem Einzelnen den Genuß
seiner Güter, ohue daß er auf das Wohl und Wehe
der andern Rücksicht zu nehmen braucht. Die freie
Veräußerlichkeit seiuer Güter und der dadurch zu
erhoffende Vorteil knüpft den Einzelnen wieder durch
den güterrechtlichen Verkehr an die Allgemeinheit,
und da derselbe Grundsatz nach dem Recht aller
Völker gilt, wird damit für das Mobiliarvermögcn
die Möglichkeit eines internationalen Verkehrs er-
öffnet. Indessen haben politische, sociale und selbst
rechtliche Gründe der freien Veräußerlichkeit Gren-
zen gezogen. Von der Perfon des Veräußerers ist
eine gewisse wirtschaftliche Reife zu fordern; deshalb
läßt das Recht die Gefchäftsfähigkeit für V. und
Verpflichtungen mit einem spätern Alter beginnen
als die Erwerbsfähigkeit (s. Handlungsfähigkeit!.
Perfonen, welche sich durch ihre Verschwendung
unfähig zur selbständigen Verwaltung ihres Ver-
mögens gezeigt haben, kann diese Geschäftsfähigkeit
durch Eutmüudigung wieder entzogen werden. Den
Zahlungsunfähigen wird sie mit der Konkurseröff-
nung für die zur Konkursmasse gehörigen Güter ent-
zogen. Bezüglich der für die Allgemeinheit gefähr-
lichen Zachen, wie Sprengstoffe, Gifte u. s. w., ist der
freie Verkehr eingeschränkt. Manche Rechte sind über-
hanpt an die Person ihres Inhabers gebunden. End-
lich können gesetzliche Veräußeruugs verböte
lz. B. der Familienfide'l'kommisse), für den einzelnen
Fall erlassene richterliche (z. B. Arrest oder einstweilige
Verfügung) oder vertragliche oder testamentarische
Bestimmuugen V. ausschließen oder beschränken.
Die Wirkungen und ebenso die Tragweite der Ver-
äuherungsverbote sind nicht durchgängig dieselben
(Deutsches Bürgerl. Gesetzb. §8. 135-137).
Verba (lat.), Mehrzahl von Verbum (s. d.).
Verbal (lat.), müudlich, in Worten bestehend;
vom Verbum stammend, dazu gehörig.
Verbalinjurie, im Gegensatz zur Realinjurie
die Veleidiguug (s. d.) durch Worte (Zeichen, Scnrnt,
Druck u. s. w.).
VerdaNter (lat.), wörtlick.
Verbalkontrakt, s. OoQtiacwz;.
Verballhornen, s. Ballhorn.
Verbällung, beim Pferde eine schmerzhafte,
infolge Verletzungen entstehende Entzündung der
hintern Teile (Ballen) des Hufes. Behandlung:
Desinfizierende Verbände und nötigenfalls Ent-
leerung des Eiters.