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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verbundgeschosse - Verdachung
V. abgeleiteten deklinierbaren Formen, wie Parti-
zipien und Infinitive (s. d.), doch rechnet man sie der
Bequemlichkeit wegen in der Negcl dazn und unter-
scheidet die eigentlichen Konjugationsformen als
vorduin tinitum. Ans die Bcdentung des Stmnmes
selbst geht auch die Unterscheidung der V. in ti-an-
"itivn, und intrluiZitiv", (n"uti-ll<). Jene erfordern
ein Objekt (s. d.), z. V. "die Pflanze treibt Blüten";
diese geben ohne solches einen abgeschlossenen Sinn,
z.B. "die Pflanze blüht". Die Bildung der V.
geschieht entweder unmittelbar aus der Wurzel
(vsrda. pi-imitivii) oder ans einem bereits aus der
Wurzel gebildeten, sei es Verbal-, sei es Nominal-
stamm (v6i-da, äoi'ivuw, z. B. "lachen", "lächeln",
"heilig", "heiligen"); die von Nominalstämmen ab-
geleiteten V. pflegt man dLnoiniiilitivn, die von
Verbalftämmcn herkommenden äovei-wuiva. zu
nennen. Die abgeleiteten V. drücken mannigfaltige
Bedeutungsfärbungen des ursprünglichen Begriffs
aus, z. V. das Verursachen einer Handlung (vc^-Im
c!M8lUivH, auch l^etitivli genannt, z. B. "fällen"
^ fallen machen), die Wiederholung (vorli^lruciuLu-
tütiva oder itei'Htivli), Verstärkung (voi-Im intensive),
Anfang oder Werden einer.Handlung (vorlm in-
ckoHtiv".), Verlangen nach der Handlnng (voi-dli
668ill6i'3.tiv3.), Verkleinerung (void^ doiiliniitivll,).
Die Grammatik, namentlich die ältere, hat noch
weitere Kunstausdrücke für Eigentümlichkeiten der
Form und Bedeutung von V., z. V. voi-dnin äefeo
tivum (s. Defektivum), verduin in^p6i'80ii^1^, das
kein bestimmtes Subjekt hat, z. B. "es regnet",
vordum Huxiüarc! (s. Hilfszeitwörter), vei'duin 8ul)>
8tantivum, Bezeichnung des V. "fein" als des all-
gemeinsten verbalen Ausdrucks.
Verbundgeschosse, die Geschosse der neuern
Infantericgewehre, fo genannt, weil das Haupt-
material derselben, das Blei, mit einem Mantel aus
härterm Metall, Kupfer, Stahl u. s. w., fest verbun-
den ist. (S. auch Geschos;.)
Verbundglas, s. Glas. ^schine.
Verbundkompressoren, s. Kompressionsma-
Verbundlokomotive, soviel wie Compound-
lokomotive, s. Lokomotive.
Verbundmaschine, soviel wie Compound-
maschine (s.d. und Dampfmaschine).
Verbürgen, s. Bürgschaft.
Vercelli (spr. wertschö-), Hauptstadt des Kreises
V. (157 321 E.) der ital. Provinz Novara in Pie-
mont, rechts an der Sesia in sumpfiger Ebene, an
der Eisenbahn Mailand-Turin und den Linien nach
Casale und Valenza (42 1<m) sowie über Mortara
nach^Pavia (07 I^m) und zahlreichen Trambahneil,
ist Sitz des Kommandos der Infanteriebrigade
"Lombardia" und eines Bischofs und hat (1881)
20165, als Gemeinde 28N)l) E., in Garnison das
74. Infanterie- (ohne ein Bataillon) und 2. Kavalle-
rieregiment "Piemonte", ein Schloß, 14 Kir-
chen, darunter die Kathedrale, deren Bi-
bliothek kostbare Handschriften enthält, die
großartige 1219 gegründete Kirche San An-
drea mit Kuppel und zwei Türmen, Fresken
und Gemälde von Gaudenzio Ferrari in San
Cristosoro, Sta. Caterina, San Paolo uud
im Institut der schönen Künste, ein Museum
röm. Inschristen und Skulpturen, ferner zwei Hospi-
täler (wovon das eine ein Museum und botan. Gar-
ten enthält), Lyceum, Gymnasium, bischöfl. Se-
minar, technische Schule, Waisenhaus, Theater;
Reis-, Hanf-, Flachs- und Seidenban, Seioen-
fpinnerci und Handel. Cavonr (1864), Victor Ema-
nuel II. und Garibaldi sind Denkmäler errichtet. -
V. (Vei-collHL) war im Altertum Hauptstadt der
I^idici in Gallien, später befestigtes Municipium
der Nömer. Im Eüdostcn liegen die Raudischen
Felder ((^inpi I^uäii), auf denen 101 v. Chr.
Marins die Ciinbern fchlug.
Verdacht, die auf Beweisgründen oder An-
zeichen (Indizien) beruhende Wahrscheinlichkeit,
daß jemand ein Verbrechen begangen habe, die der
Gewißheit oder dem direkten Beweise der That ent-
gegengesetzt wird. Der V. ist ein entfernter, wenn
ihn nur einzelne Gründe erzeugen, die zu der That
in bloß mittelbare Beziehung gebracht werden kön-
nen, z. V. die besonders günstige Gelegenheit zur
Begehung des Verbrechens. Naher V. liegt vor,
wenn der Gruud desselben unmittelbar auf die
That hinweist, z. B. wcnn sich jemand im Besitze
einer gestohlenen Sache befindet. Dringender wird
der V., je mebr Gründe desfelben übereinstimmend
zusammentreffen. Die Verdachts gründe sind
teils vorausgeheude, wie Handlungen und Äuße-
rungen vor der That, z. B. Drohungen und Vor-
bereitungen, Feindschaft, ein Verhältnis, welches
Beweggründe zur That enthält, frühere Verbrechen
gleicher Art; teils begleitende, z. V. Anwesenheit am
Orte derselben, empfangene Wunden, blutige Klei-
der und Gewehre, Zurücklassen eigener und Besitz
solcher Sachen, welche von dem herrühren, an
welchen: das Verbrechen: verübt worden ist; teils
endlich nachfolgende, wie Handlungen, welche auf
ein Bewußtsein eines begangenen Verbrechens hin-
weisen, z. B. Reden davon ^Flucht, Bemühen die
Spuren des Verbrechens zu vertilgen, Verteidigung
gegen einen noch nicht ausgesprochenen V. u. s. w.
Wenn das Vorhandensein eines nahcn V. nach
dem Urteile unabhängiger Sprucbkollcgicn aus den
Akten hervorging und der Angeschuldigte dennoch
im Leugnen beharrte, so sollte nach dcr Peinlichen
Gerichtsordnung Karls V. von 1532 zur Marter
(s. Tortur) verschrittcn werden, um in einem Ge-
ständnisse den vollen, direkten Beweis dcr Schuld
zu erlangen. Als man in dcr zwcitcn Hälfte des
18. Jahrh, mit Abschaffung dcr Foltcr vorging, ohne
gleichzeitig die Vcwcisthcoric zu beseitigen, lieh
man bei vorliegendem Indizienbeweise eine mildere
"außerordentliche" Strafe, also eine Strafe auf V.,
zu. Das heutige Nccht verlangt hinreichenden V.
schon zur Eröffnung des Hauptvcrfahrens, läßt
andcrcrfcits dem erkcnncndcn Gcrickt dic freie Wür-
digung des Beweises ohne Untcrschicd, ob cs sich
um einen direkten oder einen Indizienbeweis han-
dclt. (S. Indizien.) - Vgl. Glaser, Beiträge zur
Lehre vom Beweis im Strafprozeß (Lyz. 1883).
Verdachung, die aus architektonischen Glie-
dcrnngen gebildete Vekrönung oder das oberste Ge-
Fig. 1.
Fig. 2.
sims einer Thür- oder Fensterumrabmung. Man
unterscheidet gerade V. (Fig. 1), Spitzgiebel-
verdachnng (Fig. 2), Bogengiebel-, gebro-
ch en e G i e b elv erd ach un g u. a. m., je nachdem sie
aus einem geraden Sims, einem Fronton u. s. w. be-