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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Verdämmung; Verdampfapparat; Verdampfen; Verdauung

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Verdämmung – Verdauung

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Verdachung'

stehen. In der Regel befindet sich unter der V. ein Fries. Die Giebelverdachung über Fenstern und Thüren kam erst im Verlauf der Renaissance in Gebrauch. Später wurde sie namentlich in Deutschland zu einem der wichtigsten Schmuckmotive in der Facadenarchitektur sowohl wie im Innern. Der Barockstil bildete sie zur größten Wirkung durch, indem er durch Aufrollen, Abbrechen der Gesimse, Anbringen statuarischen Schmucks starke Schattenwirkungen erzielte.

Verdämmung, im Bergbau das Absperren von Wasserzuflüssen in Strecken durch hölzerne oder gemauerte Dämme. Die hölzernen Dämme sind entweder Balkendämme, bei denen der Wasserdruck gegen die Längsfaser des Holzes wirkt, oder Keilverspündungen, die aus keilförmig bearbeiteten Hölzern zusammengesetzt sind und einem großen, in entsprechend zugearbeitete Gesteinsflächen eingetriebenen Spunde vergleichbar sind. An ihre Stelle sind in neuerer Zeit gemauerte, konische Ausschnitte einer Kugelschale darstellende Dämme getreten, welche in 2m Stärke sehr großen Druck aushalten können. Mitunter bringt man in solche Mauerdämme sog. Dammthüren aus starkem Eisenblech ein, die sich in Angeln drehen und bei plötzlichen Wassereinbrüchen schnell geschlossen werden können.

Verdampfapparat, ein Apparat der Zuckerfabrikation, durch den die Verdampfung des Dünnsaftes aus Rüben- oder Rohrsaft, d. h. die Entfernung des größten Teils des im gereinigten Saft enthaltenen Wassers, die Überführung des Dünnsaftes in Dicksaft bewirkt wird. Früher waren hierzu offene, durch Feuer oder Dampf erhitzte Verdampfpfannen in Gebrauch und finden sich noch in vielen Kolonialzuckerfabriken, sind aber in der Rübenzuckerfabrikation ganz außer Gebrauch und allgemein durch die neuern, verbesserten oder geschlossenen V. ersetzt. Der Hauptzweck der letztern besteht darin, die Verdampfung mit geringen Kosten sowie ohne die schädliche Einwirkung hoher Siedehitze zu bewerkstelligen. Dieser Zweck wird zunächst dadurch erreicht, daß die Verdampfung unter vermindertem Luftdruck erfolgt, wodurch es möglich wird, statt des direkten (Kessel-) Dampfes entweder denjenigen anzuwenden, welcher bereits zur Bewegung von Maschinen gedient hat (Maschinendampf, Retourdampf, Rückdampf, Abdampf, indirekter Dampf) oder denjenigen, welcher sich aus verdampfendem Saft entwickelt (Saftdampf). Es können zwei, drei, vier und mehr Verdampfkörper miteinander verbunden sein, und so entstehen die Zweikörper-, Dreikörper-, Mehrkörper-Verdampfapparate. Die Kondensation des im letzten, dem Dicksaftkörper, entwickelten Saftdampfes geschieht durch den Kondensator und die Luftpumpe, die zugleich die Luft abzusaugen hat, die durch den Saft, die unvermeidlichen Undichtigkeiten und das eingespritzte Kühlwasser in die luftverdünnten Räume gelangt.

Die V. werden in ihren einzelnen Teilen in sehr verschiedener Weise ausgeführt, und auch die Ableitungs- und Verwendungsart der Dämpfe und des daraus durch Verdichtung entstehenden Wassers ist sehr verschieden.

Eine besondere Gestalt der V. stellen die neuern Rieselverdampfapparate dar. Ihre Einrichtung beruht auf dem schon lange aufgestellten Grundsatz, die zu verdampfende Flüssigkeit in möglichst dünner Schicht unter fortwährender Bewegung nur sehr kurze Zeit mit der Heizfläche in Berührung zu bringen. Die Vorzüge bestehen vornehmlich in ↔ rascherer, billigerer Verdampfung bei besserer Erhaltung der Saftbeschaffenheit.

Verdampfen oder Verflüchtigen, die Umwandlung eines Körpers durch Erwärmung in Dampf (s. d., Abdampfen und Verdunstung).

Verdampfungswärme, s. Dampf.

Verdauung (Digestio), in der Physiologie derjenige Prozeß, durch den die genossenen Nahrungsmittel zur Anfnahme in die Säftemasse des Körpers geschickt gemacht werden. Viele und darunter die wichtigsten Nahrungsmittel werden in fester Form genossen, in der sie nicht in die Ernährungsflüssigteiten des Körpers (Blut, Chylus) übergehen können, sondern zuvor verdaut werden müssen. Die V. beruht im wesentlichen auf der Verflüssigung und chem. Umwandlung der Nahrungsmittel, die mit ihrer mechan. Verkleinerung in der Mundhöhle beginnt und durch die verschiedenartigen Verdauungsflüssigkeiten: den Mundspeichel, den Magensaft, Darmspeichel, Darmsaft und die Galle bewirkt wird. Die bei der V. beteiligten Organe werden als Verdauungsorgane, ihre Gesamtheit als Verdauungsapparat bezeichnet. Der Mundspeichel, der sich den Speisen bereits beim Kauen beimischt, durchfeuchtet den Bissen und bewirkt zugleich durch sein eigentümliches Ferment, das Ptyalin, die Umwandlung des Stärkemehls in Dextrin und weiterhin in Zucker. Im Magen (s. d.) setzt sich die Wirkung des Speichels auf das Stärkemehl noch fort. Der Magensaft ist eine stark saure Flüssigkeit, die eine eigentümliche fermentartige Substanz (Pepsin, s. d.) enthält, durch deren Einwirkung, bei Gegenwart von Säure, die Eiweißkörper, Leimsubstanzen und leimgebenden Gewebe in flüssige Substanzen (Peptone) verwandelt werden. Weiterhin ist im Magensaft auch ein Labferment enthalten, welches das Casein der Milch auch in neutraler oder alkalischer Lösung niederschlägt, sowie ein Ferment, das den Milchzucker in Milchsäure überführt. Auf die Fette, die dritte Klasse der Nahrungsbestandteile, übt weder der Speichel noch der Magensaft eine Veränderung aus. Aus dem Magen gelangt dann der Speisebrei (Chymus) in den Darmkanal und kommt hier zunächst mit dem Bauchspeichel und der Galle sowie mit dem Darmsaft in Berührung, durch die alle in ihm enthaltene freie Säure abgestumpft wird. Der Bauchspeichel, das stark alkalische Sekret der Bauchspeicheldrüse (s. d.), teilt mit dem Darmsaft die Eigenschaft, Eiweißkörper in Peptone, Stärkemehl in Zucker überzuführen und die Fette in feine Verteilung zu bringen (zu emulgieren), zeichnet sich aber vor allen andern Verdauungssäften noch dadurch aus, daß er die neutralen Fette in ihre nächsten Bestandteile, in Fettsäure und Glycerin, zerlegt. Wäre dies nicht der Fall, so würde die Aufsaugung der Fette durch die wässerig-feuchte Darmschleimhaut viel schwieriger. Die Fettsäuren aber, die sich im Darm mit den vorhandenen Alkalien verbinden, bilden so in Wasser lösliche Seifen und gelangen dadurch leichter in das Blut und den Chylus. Unterstützt wird die Aufsaugung der Fette durch die Galle (s. d.), weil diese wässerig-feuchte Häute für Fette benetzbar macht. Weiterhin wirkt die Galle anregend auf die Muskulatur des Darms, schränkt die faulige Zersetzung des Darminhalts ein und bewirkt durch ihre reichliche Ergießung den hinreichenden Wassergehalt der Fäces, so daß diese leicht entleert werden können. Die nicht verdauten und nicht aufgesaugten Speisereste gelangen weiter in den Dickdarm, wo-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 226.