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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verdauungsbeschwerde – Verden

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Verdauung'

selbst sie festere Form annehmen, in der sie dann als Exkremente (s. d.) den Körper verlassen.

Der Dünndarm hat aber noch eine weitere wichtige Bedeutung für die V. als die, die Stätte für die Auflösung der Nahrungsmittel abzugeben. Namentlich in seinem obern Abschnitt ist seine Schleimhaut in viele Falten ausgestülpt, die alle mit fast mikroskopisch kleinen zapfenformigcn Anhängen (Zotten) besetzt sind: man schätzt die Zahl dieser Zotten auf etwa 4 Millionen. Dadurch gewinnt der enge Dünndarm eine viel größere Oberfläche, als er sonst haben würde (gegen 2,5 qm, also fast das Doppelte der äußern Leibesoberfläche), und diese Oberfläche ist allseitig mit verdauter Substanz umspült. Die blutreichen Zotten nehmen nun die verdaute (löslich gewordene) Substanz in sich auf, wobei sie durch eine besondere mechan. Vorrichtung unterstützt werden, daß sie die Flüssigkeit, ähnlich wie eine Spritze, in sich saugen. Jede einzelne Zotte enthält den Anfang eines Chylusgefäßes, und diese Wurzeln setzen sich weiterhin in der Darmschleimhaut zu Stämmchen, diese endlich zu Stämmen zusammen, die durch die Bauch- und Brusthöhle, von vielen Lymphdrüsen unterbrochen, ihren Verlauf nehmen, um zunächst ihren Inhalt in der Nähe des Herzens in das Blut zu ergießen. (S. Chylus.) Die Blutgefäße der Darmschleimhaut aber sammeln sich in der Pfortader, die ihr Blut der Leber zuführt, wo also zunächst eine weitere Verarbeitung der verdauten Nahrung statthat. Nicht zu jeder Zeit sind übrigens die Verdauungsorgane imstande, zu verdauen. Der Bauchspeichel wird es erst, nachdem der Magen schon eine lange Zeit in Thätigkeit war; der Magen sondert erst Verdauungsflüssigkeit ab, wenn Speise in ihn gelangt; die Leber endlich liefert erst Galle, wenn ihr bereits verdaute Substanz zugeführt wurde. Es ist weiterhin leicht begreiflich, daß die Verdauungsorgane im kranken Zustande ihre Thätigkeit einschränken müssen. Der Magen übt z. B. seine volle Thätigkeit nicht bei Magenkatarrh, und bei Darmkatarrh ist sowohl die V. als die Aufsaugung gestört. Auch vermögen die Verdauungsorgane nicht jedwede Substanz aufzulösen, die Verdaulichkeit der Nahrungsmittel, ihre Eigenschaft, mehr oder minder rasch und leicht die Umwandlungen im Verdauungsapparat durchzumachen und die verwertbaren Nährstoffe an den Körper abzugeben, ist verschieden. Leicht verdaulich sind gut zerkleinerte, fett- und cellulosearme Nahrungsmittel; schwerverdaulich sind fettreiche, feste Speisen, die die Nährstoffe in sehr großer Konzentration enthalten, wie z. B. Käse, oder welche, teils grob mechanisch (schweres Brot), teils durch Gärungen (ranzige Butter) die Verdauungsapparate übermäßig reizen. Weich gekochte Nahrungsmittel verdauen sich leichter als harte, gequollenes Stärkemehl leichter als rohes. (S. Ernährung, Nahrungsmittel, Stoffwechsel.) – Vgl. Ewald, Klinik der Verdauungskrankheiten (3. Aufl., 2 Bde., Berl. 1890–93); Graham, Physiologie der V. und Ernährung (deutsch bearbeitet von Hahn, 5. Aufl., Cöthen 1893); Rosenheim, Pathologie und Therapie der Krankheiten des Verdauungsapparates (2 Tle., Wien 1891–93; Tl. 1, 2. Aufl. 1896); Fleiner, Lehrbuch der Krankheiten der Verdauungsorgane (Stuttg. 1890); Gamgee, Die physiol. Chemie der V. mit Einschluß der pathol. Chemie (deutsch, Wien 1897).

Verdauungsbeschwerde, s. Indigestion.

Verdauungsfieber, leichte Fiebererscheinungen, die bei Rekonvalescenten und geschwächten ↔ Personen nach reichlichen Mahlzeiten während der Verdauung auftreten.

Verdauungsorgane, s. Verdauung.

Verdauungsschwäche, s. Dyspepsie.

Verde antico (ital., d. b. altes Grün), Bezeichnung grüner, im Altertum zu Ornamenten benutzter Gesteine. Dazu gehört vor allem der schöne Porfido verde antico («grüner antiker Porphyr», von Plinius in seiner «Historie naturalis», XXXVI, 11, Marmor lacedaemonium viride genannt), ein aus den Steinbrüchen zwischen den jetzigen Orten Lebetsova und Marathonisi im südl. Peloponnes gewonnener Diabasporphyrit mit einer olivengrünen Grundmasse, in der grünlichweiße Feldspate (Labradorite) und dunkelgrüne kleine Augite liegen. Andererseits bezeichnet man mit diesen Namen Serpentine mit Schnüren, Adern und Knauern von weißem Kalkstein und weißen Kalk mit Serpentinadern. (S. Marmor.)

Verdeck, s. Deck.

Verde di Corsĭca. (ital., d. h. corsisches Grün), ein schönfarbiges, zu Ornamenten verwandtes Gestein, das eine Varietät des Gabbros (s. d.) darstellt, zusammengesetzt aus grauweißem oder bläulichweißem Saussurit und grasgrünem Smaragdit. Das Gestein findet sich anstehend oder in Blöcken in Corsica um Alauzano und Orezza, in den Bergen von San Pietro di Rostino, um Rutali, an den Ufern des Fiumalto und andern Orten.

Verden.

1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Stade, hat 408,78 qkm und (1895) 26062 (13542 männl., 12520 weibl.) E., 1 Stadt und 54 Landgemeinden. –

2) Kreisstadt im Kreis V., an der schiffbaren Aller, 5 km von deren Mündung in die Weser, an der Linie Hannover-Bremen der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Landgerichts (Oberlandesgericht Celle) mit 21 Amtsgerichten (Achim, Ahlden, Bassum, Blumenthal, Bruchhausen, Dorum, Geestemünde, Hagen, Hoya, Lehe, Lesum, Lilienthal, Nienburg, Osterholz, Rotenburg in Hannover, Stolzenau, Sulingen, Syke, Uchte, V., Walsrode), eines Amtsgerichts, Hauptsteueramtes und einer Handelskammer, hat (1895) 9594 E., darunter 537 Katholiken und 97 Israeliten, in Garnison Stab und 2. bis 4. Abteilung des 2. hannov. Feldartillerieregiments Nr. 26, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Reste der ehemaligen Befestigung, schöne got. Domkirche, Andreas- und Johanniskirche, kath. Kirche (1894), Synagoge, königl. Domgymnasium, Lehrerseminar, Präparandenanstalt, höhere Mädchen-, Handelsschule, Krankenhaus, Wasserleitung, Kanalisation, Gasanstalt, Schlachthof, Sparkasse, Vorschußverein; landwirtschaftliche Maschinen-, Seifen-, Cigarren- und Tabakfabriken, Brauereien, Brennereien, Gerbereien, Dampfmühlen und Viehmärkte. –


Textfigur:

V. war früher ein Bistum, das Karl d. Gr. stiftete. Die Reformation wurde von Bischof Eberhard von Holle (1566–86) durchgeführt. Der Westfälische Friede säkularisierte das Bistum und überließ es als deutsches Reichslehn der Krone Schweden unter dem Titel eines Herzogtums. Von Schweden kam es 1719 an Hannover. Seit 1807 in franz. Gewalt, ward es 1810 zum Königreich Westfalen geschlagen, dann mit Frankreich vereinigt; 1814 kam es wieder an Hannover, 1866 an Preußen. –

Vgl. Pfannkuche,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 227.