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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Veredelungsverkehr - Verein deutscher Studenten
andern Pfropfmethoden. Man schneidet den Wild-
ling gerade ab, löst die Rinde durch einen Lang5-
schnitt (Fig. 14), schiebt das wie bei der Kopulation
zugeschnittene Edelreis zwischen Rinde und Splint
ein (Fig. 15) und verbindet dann. Der Verband ist
bei jedem Pfropfen, wenn kein mit Baumwachs be-
strichenes Papier zum Verbinden benutzt wird, mit
Vaumwachs sorgfältig zu verschmieren. Das älteste
Verfahren ist d. das Pfropfen in den Spalt,
wobei der Wildling wagerecht und glatt geschnitten
sowie mehr oder weniger tief auf der Schnittfläche
gespalten wird (Vollspalt, Fig. 16). Das Edelreis
wird nach unten keilförmig (Fig. 17) zugeschnitten
und auf der einen Seite des Wildlings eingeschoben
(Fig. 18). Ist letzterer stark, so setzt man auf jeder
Seite ein Edelreis ein (Fig. 19). Bei Grundstämmen
von größerm Durchmesser spaltet man kreuzweise
und setzt demgemäß vier Edelreiser auf. Das H alb -
spaltpfropfen besteht darin, daß man den Wild-
ling nur zur Hälfte spaltet oder vielmehr einschnei-
dct und das keilförmig zugeschnittene Edelreis nach
innen "anschürst". Eine Modifikation des Pfropfens
in den Spalt ist c. das Pfropfen in den Kerb
oder Triangnlieren. Hier wird der Spalt durch
den mittels eines scharfen Messers ausgeführten
Ausschnitt eines dreieckigen Stückes Holz (Fig. M
ersetzt und das Edelreis diesen: Einschnitt entsprechend
zugerichtet (Fig. 21). Die unter d genannten Pfropf-
methoden sind bauptsächlich beim Umpfropfen alter
unfruchtbarer Qbftbäume gebräuchlich, ck. Das
Pfropfen iu die Seite, Einspitzen oderauch
Einschilfen genannt, wird vorzugsweise bei Topf-
gewächsen und im Sommer bei Nadelhölzern ange-
waudt, um ^vebl
stellen am Holzgerüst von ueucm zu besetzen. An
einer glatten Stelle des Stammes oder Astes wird
zu diesem Zwecke ein schräger kurzer Schnitt uach
unten gefüdrt und von einem böbern Punkt ein an-
derer dergestalt, daß er in einem sebr spitzen Winkel
mit jenem znsammentrifft (Fig. 22). Dav Edelreis
schneidet man einem Auge gegenüber schräg, unten
keilförmig zu (Fig. 23) und fügt es in den Einschnitt
ein. Im Spätsommer ist c. da s Pfro p f e nindie
Würz el, ähnlich dem Spaltpfropfen, üblich zur Ver-
mehrung großblumiger (^einüti?, I^oina iirdoroli
/)o,i. u. a. Die V. wird in der Hand ausgefübrt
und demnächst so tief iu Töpfe gepflanzt, daß die
möglichst kurzen Edelreiser mit Erde bedeckt werden.
4) Das Ablaktieren, Absängen, Ansäu-
g e n, auch Pfro p send n r ch A n n ä h c r u n g s^rott'"
<^li niM'ocno), gebräuchlich in allen den Fällen, in
denen die übrigen Veredelungsmethoden erfolglos
sind, bei vielen Gehölzpflanzen, in der Obstbaum-
zucht, um wagerechte Schnurbüumchen u. s. w. nut-
einander zu verbinden sowie auch Feblstellen an
Formobstbäumen (Pfirsich) zu besetzen. An solchen
Stellen wird die Rinde durch einen scharfen Schnitt
entfernt, der zu überführende und entsprechend zu-
geschnittene Zweig so angelegt, daß je die Ränder
der Rinde des einen Teils auf diejenigen des andern
Teils genau aufpassen, dann verbunden und ver-
schmiert (Fig. 24).
Veredelungsverkehr, die zeitweilige zollfreie
Einfuhr von tarifmäßig zollpflichtigen Rohstoffen
oder Halbfabrikaten unter der Bedingung, daß die
aus diesen Materialien hergestellten "veredelten"
Erzeugnisse in einer gewissen Frist wieder ausge-
sübrt werden. Es dient dieses Verfahren also, ähn-
lich wie die Drawbacks (s. d.) oder direkten Zollrück-
erstattungen, dazu, die Erschwerung des Absatzes
nach außen, die für gewisse Industriezweige durcb
die Zollbelastung des Rohmaterials entsteht, wieder
auszugleichen. Es kann auch auf diesem Wege sogar
eine eigentliche Aussuhrprämie (s. d.) gewährt wer-
den, wenn nämlich die Quantität des fertigen Pro-
dukts, durch deren Ausfuhr die zeitweilige Einfuhr
einer gewissen Quantität des Materials ausge-
glichen wird, zu niedrig angesetzt ist. Auch die um-
gckedrte Form des V. kommt vor, daß nämlich Halb-
fabrikate zu weiterer Verarbeitung (z. B. rohe
Baumwollstoffe zum Färben) in das Ausland ge-
schickt und zollfrei wieder zurückgebracht werden
tonnen. In der Österr.Zollordnung von 1774 wurde
schon ein solcher V. mit zollfreier Einfuhr gestattet,
1853 erweitert auf zollfreie Aus- und Wiederein-
fuhr, die in Preußen schon 1818 zulässig war. Im
Deutschen Zollverein wurde der V. durch das Zoll-
gesetz von 1838 grundsätzlich gestattet, jedoch die
.)ulässigkeit des Verfabrens von der Möglichkeit
abhängig gemacht, die Identität des eingeführten
und ausgefübrten Materials festzuhalten. Große
Bedeutung erhielt dieser Verkehr in seinen beiden
Formen namentlich in betreff der Gewebe zwischen
Deutschland und Österreich (wo er das Appretur-
oder Vormerkverfahren genannt wurde). Das
österr. Gefetz vom 24. Dez. 1881 machte jedoch seine
Fortsetzung unmöglich, während der ebenfalls leb-
baftc Verkehr dieser Art zwischen Deutschlaud und der
Schweiz auf Grund des Handelsvertrags von 1881
zulässig blieb. Infolge der Einführuug der neuen
Getreidezölle ist den Müllern in Deutschland hin-
sichtlich der Verarbeitung von ausländischem Ge-
treide für die Wiederausfuhr 1882 eine größere Frei-
beit der Bewegung gewährt worden, als den frühern
Kontrollprincipien entspricht. Dieselbe Begünsti-
gung haben auch die Olmüller erhalten (Vereins-
zollgesetz §. 115). Mit der Aufhebung des Identi-
tätsnachweises (s. d.) für Getreide durch Reichsgesetz
vom 14. April 1894 ist auch den Inhabern von Müh-
len und Mälzereien der Eingangszoll für eine der
Ausfuhr eutfprcchende Menge des verarbeiteten aus-
ländischen Getreides nachgelassen worden. Der Aus-
fubr der Fabrikate steht ihre Niedcrlcgung in eine
Zollniederlage nnter amtlichem Verschluß gleich.
Auch werden ihnen auf Antrag statt des Erlasses des
Eingangszolls bei derAusfnbr ihrer Fabrikate Ein-
fuhr scheine über eine entsprechende zollfreie Ge-
treidemenge erteilt. In Frankreich (^ini^ion tmn-
poraire) hat man die Identität des Materials seit der
Einführung des V. (1836) in den meisten Zweigen
überhaupt fast niemals festgehalten, wodurch der
eigentümliche Handel mit Vollmachten zur zeitweili-
gen Einfuhr entstanden ist. Ausfuhr zur Veredelung
ist aber dort nicht zulässig. (S. ^l'tiuit-H-caution."
Verehelichuugsziffer, s. Ehcstatistik.
Verein deutscher Gifenbahnverwaltun-
geu, s. Eisenbahnverein.
Verein deutscher Studenten (V. v. 8t), gc-
meinsamerName von etwa 14stndentischen Vereinen,
die 1881 den Kyffhäuserverband der V. d. S.
! gründeten, der alljährlich in den ersten Tagen des
! August seine Versammlungen auf dem Kyffhäufer
abhält. Die Entstehung der Vereine ist der patrio-
tischen Bewegung nach 1871, ganz besonders aber
der 1880 hervortretenden antisemit. Strömung zu
verdanken. Sie treten auf Grund der kaiserl. Vot-
schaft von 1881 für die Pflege nationalen Geistes
auf den deutfchen Hochfchulen ein und haben das