Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

265
Vergolden - Verhältnis
einer der Führer der Girondisten (s. d.). Als nach
dem Stnrz Delessarts seine Partei, die den Krieg
mit den deutschen Mächten heraufbeschworen batte,
im März 1792 Sitz im Kabinett erhielt, unterstützte er
sie in der Nationalversammlung und leitete, als sich
der Hof der revolutionären Minister 13. Juni ent-
ledigte, die neuen Angriffe gegen diesen; auch war
er in deu Aufstaud vom 20. Inui verwickelt. Die
Revolution vom 10. Aug. führte schon über ihn uud
die Seinigen weit hinweg. Es war ein Versuch, die
Bewegung zu hemmen, wenn er statt der Absetzung,
auf die Robespierre hinsteuerte, die provisorische
Suspension des Königs durchsetzte. Bei den Mord-
thaten im September war auch sein Leben bedroht.
In deu Konvent gewählt, suchte V. in meisterhaften
Reden den König vor dem Schafott zu sichern, ver-
urteilte ilm daun aber, um sich selbst zu retten, mit
den anderu zum Tode. Er war Präsident der Ver-
sammlung bei der entscheidenden Abstimmung, deren
Resultat er selbst zu verkündigen hatte. Nach der
Einrichtung des Königs (21. Jan. 1793) begann V.
mit seinen Parteigenossen den Kampf gegen Robcs-
pierre und dessen Anhang, der mit dem Sturz der
Gironde endete. Als 2. Juni 1793 das Dekret zur
Verhaftung der Girondisten durchgegangen war,
wurde V., nachdem er sich einige Tage verborgen
gehalten batte, festgenommen, zum Tode verurteilt
und 31. Okt. mit 20 Schicksalsgefährten enthauptet.
Varthe nahm viele seiner Reden in dem Samniel-
werke "1^8 0i-lit6ni'3 fi-^ncaisv (4 Bde., Par. 1820)
auf. - Vgl. die Biographie V.s von Touchard-
Lafossc (Par. 1848); Vatel, I^l-Iiei-ciwZ Iiistoi-i^u^
5ur los <Fironäiii8 (2 Bde., ebd. 1873).
Vergolden, einen Gegenstand von Metall, Holz,
Porzellan, Glas u. s. w. mit einem Überzüge von
Gold vm'eben. Nichtmctallische Gegenstände ge-
statten nur die Befestigung einer dünnen Überklei-
dung von zart geschlagenen (echten oder unechten)
Goldblättchen vermöge eines klebenden Bindemitteln,
wie Eiweiß, Leim und Kreide, Bleiweiß und Firnis
u.s.w. Die Holz- und Steinvergoldung gründet sich
auf dieses Princip, das indes auch bei einigen grö-
bern MetallobjettenAnwendung findet. Die F euer-
Vergoldung, die als eine dauerhafte Vergoldung
bei Gegenständen von Bronze, Messing und Silber
angewendet wird, besteht im wesentlichen darin, daß
inan Goldamalgam (s. d.) auf den gereinigten Me-
tallgegenstand aufstreicht und durch Erhitzen das
Quecksilber verdampft, wonach das Gold festhaftend
zurückbleibt. Sie wird aber durch die Anwendung
des Quecksilbers kostspielig und für die Arbeiter ge-
sundheitsgefäbrlick, eignet sich auch nickt zur Dar-
stellung eines sebr dünnen Goldüberzugs, wie er der
Wohlfeilheit balber oft gewünscht wird. Man hat
diesen übelständen durch die kalte Vergoldung
und die verschiedenen Arten der nassen Vergol-
d un a, abzuhelfen gesuckt. Auf kaltem N e g e ver-
goldet man, indem Goldzunder (s. d.) vermittelst
eines in Salzwasser getauchten Korkes auf die vor-
ber gereinigte und polierte Oberflüche des Metalls
aufgerieben wird. Statt des Goldzunders kann
auch eine durch Schlämmkreide verdickte Lösung von
Goldchlorid in Cyankalinm benutzt werden. Der
Vergoldung auf nassem Wege bedient man
sick, um vergoldete Zeichnungen auf Stahl und
Eisen (Säbelklingen, Messer u. s. w.) hervorzubrin-
gen. Man überziebt die gereinigten und polierten
Gegenstände mit Schellacksirnis, entfernt den Über-
zug von den zu vergoldenden Stellen, beizt sie mit
verdünnter Schwefelsäure an und taucht sie, nack-
dem sie vorher mittels Kupfervitriol verkupfert
wareu, in eine Lösung von Goldchlorid in kohlen-
saurem oder pyrophosphorsaurem Natrium. Das
Tauch verfahren, das Anwendung findet, wenn
kleinere Gegenstände, z. B. Stahlfedern oder Näh-
nadelöhre, einen dünnen Goldüberzug erhalten sol-
len, beruht auf der Fällung des Goldes aus einer
passenden Lösung durch ein anderes, leichter oxydier-
bares Metall. Bei der galvanischen Vergol
düng benutzt man als Zersetzungszellen Gefäße
von Glas, Porzellan oder emailliertem Gußeisen.
In diese kommt eine geeignete Goldlösung, z.B.
1000 Teile Wasser, 10 Teile Goldchlorid und 50 Teile
Cyankalium. Der zu vergoldende Gegenstand wird
an der Kathode befestigt, ein Goldblech an der Anode.
Durch Zusatz einer Knpferlösung zum Goldbade oder
Anwendung einer Kupferanode erzielt man eine
rötliche Vergoldung. Soll der galvanische Gold-
Überzug Mattierung zeigen, so wird er, nachdem
sich ein Goldniederschlag gebildet hat, mit einer
Kratzbürste gerauht; der weitere Niederschlag wiro
dann matt. (S. auch Glanzgold.)
Vergoldeprefse, eine Presse, welcke in der Buch-
binderei zum Golddruck bildlicher Darstellungen,
Verzierungen, Schriften n. s. w., von gravierten
Messingplatten oder geätzten und nachgravierten
Zinkplatten dient; dieselbe wird auch zum Blind-
drnck (Blinddruckpresse) und Prägedruck sowie zum
Schwarz- oder Farbendruck benutzt. Die V. sind
sowohl für den Handbetrieb mittels Hebeldruck al^
für den Dampfbetrieb eingerichtet und mit einer
Heizvorrichtung zum Erwärmen des Drucktiegels
behufs Erzielung eines metallisch glänzenden Gold-
druckes versehen. Die vom Drncke nicht getroffenen
Teile des aufgelegten Blattgoldes werden in einer
Goldabkehrmaschine (f. Buchbinderei) zur weitern
Verwertung gesammelt.
Vergolderschulen, Fachschulen zur Allsbildung
in Handvergoldung mit Rückendruck, Titel- und
Dekorationsdruck, Lederauflage, Ledermosaik, Leder-
farbigen und Marmorierschnitten, Schwarz-, Blind-,
Gold- und Reliefdruck, Farben-, Bronzen- und
Imitationsdruck. Eine derartige Schule bestebt in
Glauchau in Sachsen mit einer Jahresfrequenz von
etwa 50 Schülern.
Vergolderwachs, foviel wie Glühwachs (s. d.!.
Vergrößerungsglas, jedes vergrößernde op-
tiscke Instrument, besonders die Lupe is. d.), da^
Mikroskop (s. d.), dav Fernrohr (s. d.).
Vergrünen, s. Metamorphose und Misibildun'
gen (in der Botanik).
Vergütungsbetrag, in Österreich Bezeichnung
für Konventionalstrafe (s. d.).
Verhaftung, die durch die dazu befugten oc
lwrdlicken Organe erfolgende Festnahme und Ge-
fangenhaltung einer Person. (S.Nntersuchungshaft.)
Verhältnis, in der Philosophie, s. Relation und
Relativ. - In der Mathematik versteht man unter
V. die quantitative Beziehung gleichartiger Größen i
die Antwort auf die Frage, wieviel mal so groß dic
erste ist als die zweite, wieviel mal die zweite in der
ersten entbalten ist. Z. V. das V. der Mark zum
! Pfennig ist 100. Das V. von zwei Größen wird
durch die Messung derselben, von zwei Zablen durch
Division gefnnden. Dieses V. nennt inan aucb
geometrisch, im Gegensatz zu dem arithmeti-
schen V., das die Differenz zwischen zwei Größen
angiebt. Die Vergleichung von V. nnt Rücksicht