Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

266
Verhältniswort - Verhör
auf Inkommensurabilität ist schon in Euklids "Ele- I
menten" abgehandelt. Eine Gleichung zwischen V. ,'
beißt Proportion (s. d.). j
Verhältniswort, sovie! wie Präposition (s. d.). !
Verhandlung, im allgemeinen jede ^Ausein-
andersetzung der Sachlage von mchrern reiten in ,
der Absicht einer Einigung über verschiedene An- ,
sichten und Interessen. Es giebt, wenn von wissen- >
schaftlichen V. der Akademien und anderer gelehrter
Versammlungen ahgeseben wird, besonders dreier-
lei Arten von V.: politische, internationale oder
diplomatische und rechtliche. Politische V., bei
denen es sich um Feststellung und Abänderung
irgend welcher Verbältnisse der innern Politik ban-
delt, gehen meist in den Formen der parlamentari-
schen Debatte vorsick: Landtags-, Reichstagsver-
bandlungen. Für die diplomati sch e u V., welche
sich auf Verhältnisse der Staaten zueinander bezieben,
ist die herkömmliche Form teils die der schriftlichen
Noten oder Protokolle, teils die der mündlicben
Mitteilung durch Bevollmächtigte nach genau be-
messenen Instruktionen, wofern nicht die Souveräne
persönlich miteinander unterbandeln, in welebem
Falle aber dock aueb das Resultat der V. in der
Regel wieder in die bindende Form eines schrift-
lichen Aktenstücke gekleidet wird. Dieses .herkom-
men erleidet auch da keine wesentliebe Abänderung,
wo nicht blos; die Vertreter von zwei, sondern von
mehrern Staaten gemeinschaftlich, z. B. in der Form
von Konferenzen oder Kongressen (s. d.), miteinander
verhandeln. Die rechtliche V. findet teils statt
unter Parteien bei Absebliesiung eines Rechtsge-
schäfts (Kauf, Packt, Miete, Eompagniegeschäft
u. s. w.), oft uuter .^uziebung vou Rechtsbeiständen
und unter Anwendung jurist. Formalitäten, teils vor
einem Nichter in Terminen, die mit den Parteien,
mit Zeugen und Sachverständigen an Gerichtsstelle,
oder bei Besichtigungen auch außerhalb der Ge-
richtsstelle, abgebalten werden. Die zusammengebo-
rigen, ein Ganzes ausmachenden richterlichen V.
bilden ein Verfahren ls. d.). Auch gerichtliche V.
können schriftlich oder mündlich geführt werden.
Im beutigen Eivil- und Strafprozeß liegt dcr
Sckwerpuukt in der mündlichen V. (in Strafsachen
Hauptverbandlung genannt), wenn dieselbe auch im
Civilprozeß durch Schriftsätze, iin Strafprozeß durch
ein schriftlichem Vorverfahren vorbereitet wird. Ver-
handlung s m a r i nl e (oder Disp ositions -
inarime) ini Gegensatz zurOffizialmarime (s. Osfi-
zialprineip) nennt man den Prozeßgrundsatz, ver-
möge dessen der Prozesistosf der Verfügung der Par-
teien unterliegt, so daß der Richter nur auf Grund
der ihm von den Parteien vorgelegten Thatsachen
und Beweise und innerhalb der voll ihnen gestellten
Anträge entscheiden darf. DieVcrhandlungsmarimc
beherrscht den heutigen deutschen (nicht dagegen den
österr.i Eivilprozeß fast vollständig, in: Strafprozeß
in Gestalt des Antlageverfahrens wenigstens die
Hauptverbandlung in ibren Gruudzügen. (S. An-
klage, Civilprozeß, Sirasprozeß.)
Verhandlungögebühr, s. Gerichtskosten.
Verhängte Auslage, s. Auslage (Fechtkunst).
Verhärtung oder S klerose (Iiiäui'lUio), in der
Medizin jede Festigteitszunahmc eines Gewebes des
menschlichen >iörpero; sie kann mit und ohne Form-
und Größenveränderung des erkrankten Organs er-
folgen. Im allgemeinen ist die Ursache einer V.
entweder Verminderung der flüssigen und weichen,
oder Vermehrung und Einlagerung fester Bestand-
teile. Es erscheinen deshalb Gewebe verhärtet bei
Blutarmut, bei Überernährung, bei Einlagerung
von festem Neugebilde, wie von geronnenem Blut,
oder Entzünduugsprodukten, von >^rebs- und Tu-
berkelmasse, von sehnigem, schwieligen! und knöcher-
nem Gewebe, bei Ablagerung von >ialt in die Weicb-
s. Hvperostose.
Verhau, im Bergbau soviel wie Abbau (s. d.)..
Einen Gang oder ein ^löz verhauen heißt soviel
wie vollständig abbauen.
V. heißt auch ein militär. Annäberungsbindernis.
Man unterscheidet Baumverhaue und Astver-
haue. Zu erstern werden Baumstämme nebenein-
ander oder kreuzweise mit den Wipfeln feindwärts in
zwei bis sechs Reiben so gelegt, daß die >tronen der
hintern Reihen die Stämme der vordern überdecken
< g esck leppter V.) oder die Bäume werden an Ort
und Stelle umgeschlagen (natürlicher V.). Die
Stämme werden untereinander durch Pfable, bet-
ten, Stricke befestigt und mit Draht wirr verflochten.
Ein Astverhau bestebt aus armstarken Bäumen nnd
Wen, die nach Entfernung der dünnen Zweige und
Zuspitzung der stärkern so in die Erde eingegraben
werden, daß sie sich überdecken. Ein solcher wird
entweder liegend (s. Fig. 1) in drei bis vier Reiben
bintereinandcr oder stehend an steilen Böschungen,
z. B. in Hohlwegen <Fig. 2), angelegt.
Verholen, seemännischer Ausdruck, s. Holen.
Verhör, im allgemeinen soviel wie Vernehmen,
Befragen, das Vorlegen der Fragen durch den Rich-
ter, um über etwas Auskunft zu erhalten. Das V.
im eigentlichen Sinne setzt schon voraus, daß man
den Befragten in Verdacht habe, etwas Unerlaubtes
begaugen zu haben. Das V. ist nach älterm gemein-
deutschem Prozeßrecht entweder ein vorläufiges oder
summarisches, oder ein peinliches, kriminellem, das
eigentliche Anklagevcrhör. Dao vorläufige V. ge-
hört zur vorbereitenden Untersuchung over zur Ge-
neralinquisition; das Antlageverhör ist der Haupt-
bestandteil des gegen einen bestimmten Verdächtigen
gerichteten Verfahrens, der über vorher verfaßte
Artikel abzuhaltenden Specialinquisition ls. d.). In
dcr gemeinrechtlichen Prärie bildet da^ V. ersterer
Art die Regel, und es kommt nur bei sckweren Ver-
brechen zu dem V. dcr letztern Art. Da5 Anklage-
verfahren der neuern Gesetzgebung kennt nur vor-
läufige V. in der Voruntersuchung und eine Ver-
nehmung des Angeschuldigten in der mündlichen
Hauptvcrhandlung. Derselbe ist über seine persön-
lichen Verhältnisse und nach Verlesung des Eröff-
nungsbeschlusses (in Österreich der Anklageschrift)