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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verlagssystem - Verlängerung
es an dem in Verlag gegebenen Werke ein Urheber-
recht nicht, wie an wieder gedruckten Werken der
Klassiker, aufgefundenen alten Manuskripten, Ge-
setzen und Verordnungen der Behörden u. s. w., so
hat doch der Verleger gegen den Verlaggeber aus
dem V. den Anfpruch darauf, daß dieser nicht das-
selbe Werk in derfelben Form einem andern Buch-
bändler in Verlag giebt. Gegen Reproduktionen
anderer Personen ist der Verleger in diesem Falle
zwar nickt durch das Gesetz vom 27. Mai 1896
gegen den Unlautern Wettbewerb (s. d.), wohl aber
dnrch die allgemeine Bestimmnng des Deutschen
Bürgert. Gesetzb. §. 826 geschützt, wonach jeder, der
in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise
einem andern vorsätzlich Schaden zufügt, diesem
schadenersatzpflichtig ist. Das Deutsche Bürgert.
Gesetzbuch hat die landesgesetzlichen Vorschriften
über V. unberührt gelassen (Einführungsgefetz zum
Deutschen Bürgert. Gesetzb. Art. 76), doch ist ein
besonderes Reichsgesetz über V. geplant. (S. auch
Verlagsordnung und Verlagsvcrtrag.) ^ Vgl. O.
Wächter, Das V. (Stuttg. 1857); Stobbe, Deut-
sches Privatrecht, Bd. 3 (2. Aufl., Verl. 1885),
H. 189; Voigtländcr, Das V. (2. Aufl., Lpz. 1893);
Gierke, Deutsches Privatrecht, Bd. 1 (ebd. 1895);
Hofmann, Bestellung eines Schriftwerkes durch den
Verleger (Gera 1896).
Verlagssystem, ein Arbeitvverhältnis in der
Hausindustrie (s. d.).
Verlagsvertrag, der Vertrag, in welchem der
Urheber oder Inhaber eines litterar, oder Kunst-
werkes dem Verlagsbuchhändler, Musikalicnverleger
oder Kunsthändler das Werk zum Zweck der Her-
ausgabe überläßt, der Verleger dagegen die Ver-
pflichtung übernimmt, das Werk zu vervielfältigen
und in Vertrieb zu setzen. Zur Zeit gilt in Deutsch-
land über den V. nock Landesrecht (Prenß. Landr.
I, 11, §ß. 996 - 1021; Sachs. Bürgert. Gesetzb.
M.1164-1171; Vadisckes Landr. Art. 577 ä a-ä 1l).
Das Einführungsgesetz zum Deutschen Bürgert.
Gesetzbuch vom 18. Aug. 1896, Art. 76, Haltes
auch fernerhin aufrecht, doch steht nach Erklärung
des Bundesrats und Resolution des Reichstags
vom 11. Dez. 1896 ein Reichsgesetz über den V.
auf dem allernächsten Arbeitsprogramm des Reichs.
Für Österreich enthalten die §§.1164-1171 des
Bürgert. Gesetzbuchs, für Nngarn der Gesetzartikel 37
vom 1.1875, Tit. 8, §§. 515-533, für die Schweiz
das Obligationenrecht Art. 372-391 entsprechende
Bestimmungen.
Das gewerbsmäßig betriebene Verlagsgeschäft ist
nach Art. 272 des Deutschen Handelsgesetzbuchs
von 1861 und §. 1 des Handelsgesetzbuchs von 1897
Handelsgeschäft. Auch der mündlich geschlossene V.
ist gültig (Handelsgesetzbuch von 1861, Art. 317;
Deutsches Bürgert. Gesetzb. §. 125; Handelsgesetz-
buch von 1897, §. 350). Durch den V. wird vor-
behaltlich besonderer Vereinbarung die Ausübung
des Urheberrechts, wenn solches dem Verlaggeber
zusteht, dem Verleger so lange und soweit übertra-
gen, als es dazu dient, den Verlag zu sichern.
Nach dem Schweizer Obligationenrecht Art. 371 hat
der Verlaggeber dem Verleger dafür einzustehen,
daß er zur Zeit des Vertragsabschlusses zu der Ver-
lagsgabe berechtigt war. Das gilt auch sonst; so-
weit den Verlagsgeber ein Verschulden trifft, haftet
er für Schadenersatz. Ist das nicht der Fall, so wird
sich der Verleger an das Honorar halten können.
Jedenfalls hat der Verlaggeber, wenn er das Werk
vorher ganz oder teilweise einen: Dritten in Verlag
gegeben oder wenn dasselbe mit seinem Wissen ver-
öffentlicht war, diefes vor dein Vertragsschlusse zu
erklären. Der Verleger hat Anspruch auf Lieferung
des Werkes zur verabredeten oder angemessenen
Zeit. Ist dasselbe für die Vervielfältigung fertig,
ohne daß es bis zum Urteil geliefert ist, so darf es
durch Zwangsvollstreckung dem Verlaggeber abge-
nommen werden. Führt die Verurteilung nicht zum
Ziel, fo steht dem Verleger Schadenersatzanspruch
zu. Befreit wird der Verlaggeber, wenn er unver-
schuldet außer stände ist, seine Verbindlichkeit zu er-
füllen, z. B. wegen Krankheit oder veränderter Amts-
verhältnisse. Bei seinem Tode geht seine Verpflich-
tung nicht auf die Erben über, außer etwa wenn das
Werk völlig vollendet ist oder doch so weit, daß das
Fehlende auch von einem andern nachgeliefert
werden kann. Der Verlaggcber hat Anspruch auf
Vervielfältigung in der festgestellten Anzahl von
Exemplaren. Der Verleger darf nicht mehr herstellen.
Ist die Anzahl nicht bestimmt, so haben einzelne
Gesetze eine Normalzahl (in Sachsen 1000). Bei
Druckwerken umfaßt das Recht im Zweifel nur eine
Auflage, nach deren Vergreifung der Verlaggeber
anderweit über das Werk verfügen darf.
Der Verlaggeber pflegt sich ein Honorar auszu-
bedingen; doch kommen auch andere Abmachungen
vor: Anteil am Gewinn oder umgekehrt Barzahlung
des Verlaggebers für die dem Verleger entstehenden
Kosten. Geht das Werk nach seiner Ablieferung an
den Verleger verloren, so hat dieser die bedungene
Gegenleistung zu gewähren.
Verlaine (spr.' wärrlähn), Paul, franz. Dichter,
geb. 30. März 1844 zu Metz, besuchte das Polytech-
niknm zu Paris, verkehrte im Kreise der "Parnassiens"
und wandte sich ganz der Dichtkunst zu. Seit 1871,
nach Verlust seines Amtes und von seiner Frau ver-
lassen, führte er ein unstetes Wanderleben, das an
Villons Vagabondagc erinnert, bald im Gefäng-
nis , bald im Hospital eine Heimstätte sindend. Er
starb 8. Jan. 1896 in Paris. V. ist der Hauptver-
treter der Poet. Schule der Decadence (s. Franzö-
sische Litteratur Gunter der dritten NepublW; die
Widersprüche in seinem Leben und Denken zeigen
auch seine Poet. Schöpfungen. Nach der Manier des
Parnasses sind seine ersten Dichtungen: "?06M68
8^tui'Qi6N8" (1866), "I^6t68 F9.1tmt08" (1869), "1^
I)0NN6 "1iaii80n" (1870). Seitdem schrieb er: "8ü-
556886" (1881), "1^68 P06t68 INÄU(Iit8" (1884), ".lÄ(1i8
6t ng^'N6l'6" (1885), die Prosanovellen "1^011186
l^6ei6i-cci, 16 I'owlni 6tc." (1886), "1^68 ni6iu"ii'68
ä'un V6Iil" (1887), "150NIHNC68 8KN8 pai'0i68" (1887),
"^INOUI-" (1888), "1^i'^Ii6l6M6nt" (1889), "Döäi-
cac68" (1890), "(HHU80N8 pour 6Ü6" (1891), "Lon-
Iioui'" (1891), "N68 IioManx" (1891), "van" I05
1imd68" (1894), "I^izramni68)) (1894), "(^0iif68-
810N8" (1895), "Inv6ctiv68 " (1896), "(^ilnr. I)ei-
N16168 1)068168" (1896).
Verlängertes Mark, s. Gehirn.
Verlängerung derFri st, s. Frist. '
Verlängerung der Hölzer, ein Holzverband
(s. d.) wird angewendet bei der Verbindung wagc-
recht liegendcroder senkrecht stehenderVcrbandhölzer.
Sie erfolgt im erstern Falle durch die Stöße und
Blattunge n, im lctztcrnFalle durch diePfropfun -
gen. Die Stöße werden hauptsächlich bei der Kon-
struktion der Balkenlagen angewendet und erfolgen
stets auf einer unterstützten Stelle des Balkens und
Unterzugs. Als hauptsächlichste Stosiverbindungen