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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Villány - Villars

Villány (spr. willahnij), Klein-Gemeinde im ungar. Komitat Baranva, an den Linien V.-Mohács (25 km) der Mohács-Fünfkirchener Eisenbahn, Uj-Dombovár-V. (103 km) und Großwardein-Esseg-V. (170 km, der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 2193 meist deutsche E.; bedeutenden Weinbau (Villanyer Rotwein) mit großartigen Kellereien des Erzherzogs Friedrich, Cognacfabrik und Spiritusbrennerei.

Villa Real. 1) Portug. Distrikt im W. der Provinz Traz oz Montes, zwischen der span. Provinz Orense im N. und den Distrikten Bragança im O., Vizeu im S., Oporto und Braga im W., enthält im S. am Douro das berühmte Weinland (Paiz do Vinho) Alto Douro (s. d.) und hat auf 4447 qkm (1890) 239 225 E., also 54 auf 1 qkm. - 2) Hauptstadt des Distrikts V. R., rechts am Corgo (rechtem Nebenfluß des Douro), liegt malerisch, ist gut gebaut und hat (1890) 6298 E.; große Weinniederlagen und Wein-, Oliven- und Orangenbau. Hier fand die Insurrektion der Miguelisten unter Graf Amarante (Chaves) 23. Febr. 1823 und Cazals Sieg über die Insurgenten 28. Okt. 1846 statt. - 3) V. R. de Santo Antonio, Hafenstadt im O. des portug. Distrikte Faro (Algarve), rechts von der Mündung des Guadiana in den Golf von Cadiz, gegenüber der span. Stadt Ayamonte, ist regelmäßig auf Dünensand gebaut, von Forts geschützt, aber arm und ohne großen Verkehr und hat (1890) 5499 E. Die portug. Flußdampfer von hier nach Mertola legen in Ayamonte nicht an.

Villa Real do Sabara, brasil. Stadt, s. Sabara.

Villari, Pasquale, ital. Schriftsteller, geb. 1827 zu Neapel, besuchte die Schule von Francesco de Sanctis, worauf er sich in seiner Vaterstadt dem Studium der Rechte zuwandte. Bei der Revolution von 1847 saß er kurze Zeit im Gefängnis und siedelte dann nach Florenz über, wo er Privatunterricht erteilte. 1859 wurde er Professor der neuern Geschichte an der Universität zu Pisa, 1862 Direktor des Pädagogischen und philol. Seminars daselbst und bald darauf nach Florenz versetzt, wo er seitdem als Professor der Geschichte am Istituto degli studj superiori wirkt. Er ist Präsident der fachwissenschaftlichen Abteilung dieses Instituts und Senator des Königreichs. Seine Hauptwerke sind: "Storia di Girol. Savonarola e de' suoi tempi“ (2 Bde., Flor. 1859-61; neue, sehr veränderte Aufl. 1887-88; deutsch von Berduscheck, 2 Bde., Lpz. 1868) und "Niccolò Macchiavelli e i suoi tempi" (3 Bde., Flor. 1877-82-, neue Aufl., 3 Bde., Mail. 1895; deutsch von Mangold und Heusler, Lpz. und Rudolst. 1877-83). Außerdem veröffentlichte er: "Antiche leggende e tradizioni che illustrano la Divina Commedia" (Flor. 1865), "Saggi critici, storici e letterari" (ebd. 1868), "L'insegnamento della storia" (Mail. 1869), "I primi due secoli della storia di Firenze" (2 Bde., Flor. 1893-94), "Scritti vari“ (Bologna 1894). V. hat sich um das ital. Unterrichtswesen große Verdienste erworben und sich mit Eifer dem Studium der socialen Frage gewidmet, unter anderm in den Schriften "La senola e la questione sociale in Italia" (Flor. 1872) und "Le lettere meridionali con altri scritti sulla questione sociale in Italia (ebd. 1878).

Villarica, brasil. Stadt, s. Ouro-Preto.

Villarica (spr. willja-), Stadt in der chilen. Provinz Valdivia, am Südufer des Toltenflusses und am Westufer des großen Sees von V. Ihren Namen bekam sie von reichen Goldwäschen in der Nähe. Der schöne, mit blendendem Schnee bedeckte Vulkan von V., südlich vom See, ist 2840 m hoch.

Villa Rica del Espiritu-Santo (spr. willja-), Stadt im Innern des südamerik. Freistaates Paraguay, durch Bahn mit Asuncion verbunden, in einer Gegend, wo der meiste und beste Tabak gewonnen wird, zählt etwa 11 000 E. und hat eine große Kathedrale, schöne Häuser und bedeutende Ausfuhr von Apfelsinen, Mate und Tabak.

Villarosa, Stadt im Kreis Piazza Armerina der ital. Provinz Caltanissetta auf Sicilien, links vom Imera (Salso), an der Eisenbahn Caltanissetta-Catania, hat (188l) 89l5, als Gemeinde 9652 E.; reiche Schwefelminen.

Villarreal (spr. willja-), Stadt in der span. Provinz und im Bezirk Castellon de la Plana in Valencia, rechts vom Rio Mijares, in sehr fruchtbarer Huerta, an der Eisenbahn Castellon de la Plana-Valencia, hat (1887) 13 750 E.; Wein-, Mandel- und ausgedehnten Orangenbau.

Villars (spr. willahr), Claude Louis Hector, Herzog von, Pair und Marschall von Frankreich, geb. 8. Mai 1653 zu Moulins, diente als Kavallerieoffizier unter Turenne, Condé und Luxembourg und befehligte, nachdem er 1690 den Grad eines Marechal de Camp erhalten hatte, 1692 im Gefecht bei Pforzheim und 1693 in Flandern in Abwesenheit des Marschalls Boufflers. In den Friedensjahren 1698-1701 war er auf dem schwierigen Gesandtschaftsposten in Wien. Beim Ausbruch des spanischen Erbfolgekrieges kämpfte V. 1701 mit großer Auszeichnung in Italien, mußte aber im Sommer 1702 mit einer selbständigen Armee zur Unterstützung des Kurfürsten von Bayern an den Rhein geben. Er lieferte 14. Okt. 1702 den kaiserlichen und Reichstruppen das Treffen bei Friedlingen, in dem er sich den Marschallstab verdiente. 1703 drang er durch den Schwarzwald bis nach Tuttlingen vor, wo er 12. Mai die Verbindung mit dem Kurfürsten herstellte, mit dem vereint er 20. Sept. die Kaiserlichen bei Höchstädt in die Flucht schlug. Ludwig XIV. übertrug ihm nun die Unterwerfung der Kamisarden in den Cevennen (s. d.). V. erreichte seinen Zweck weniger durch Waffengewalt als durch den Abschluß eines Friedens 1704. Im J. 1706 befehligte V. abermals in Deutschland, eroberte Hanau und trieb den Prinzen Ludwig von Baden über den Rhein. Im Feldzuge von 1707 überwältigte er 23. Mai die Linien bei Bühl und Stollhofen, drang bis Gmünd vor, mußte sich dann aber nach Rastatt zurückziehen. 1708 drang er in Piemont ein, 1709 übernahm er den Oberbefehl über das 120 000 Mann starke Heer in den Niederlanden, wo er 11. Sept. 1709 in der Schlacht bei Malplaquet von dem Prinzen Eugen und Marlborough geschlagen wurde. Bei der Schwäche seiner Streitkräfte mußte er sich fortan auf die Verteidigung beschränken, nötigte aber 1712 Eugen, die Belagerung von Landrecy aufzuheben und den Franzosen Douai, Quesnoi und Buchain preiszugeben. 1713 bemächtigte sich V. der Städte Worms, Kaiserslautern, Speyer und Kirn und zwang 20. Aug. Landau und 16. Nov. Freiburg zur Übergabe. Hierauf erhielt er den Auftrag, mit dem Prinzen Eugen den Frieden zu unterhandeln, der endlich 7. März 1714 zu Rastatt (s. d.) zu stande kam. Durch das Testament Ludwigs XIV. in den Regentschaftsrat für Ludwig XV. berufen, wußte V. gegen den Regenten, den Herzog von Orléans, sein Ansehen zu behaupten und wurde 1715 zum Präsidenten des