Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

411
Vordüne - Vorkaufsrecht
Vordüne, s. Dünen.
Voreid, s. Eid.
Vorerbe, im Gemeinen und röm. Recht Fidu- ^
ziar genannt, derjenige, welchem eine Erbschaft bis
zur Erfüllung einer gewissen Bedingnng oder bis
zu einem gewissen Zeitpunkte als Erben geHort
"Dentsches Bürgert. Gesetzb. ß. 2106). S. Erbschafts- !
Vermächtnis, ^verfahren.
Vorerhebungen, im österr. Strafprozeh, s. Vor-
Vorfach, Teil der Angel, s. Angelsischerei.
Vorfahren, häufige Bezeichnung der Eltern
und Voreltern einer Person, römischrechtlich Ascen-
de nten genannt. Allerdings ist diese Bezeichnung
nicht eine gleichmäßig feststehende; so spricht das
Preuß. Allg. Landr. II, 1, §. 3; II, 2, A 489 fg.
nur von Eltern und Verwandten in aufsteigender
Linie, das Österr. Bürgert. Gesetzd. §§. 65,735 fg. re-
det neben der Bezeichnung Verwandte der aufsteigen-
den Linie von Eltern, Großeltern, Urgroheltern,
zweite und dritte Urgroßeltern, das ^ächs. Vürgerl.
Gesetzb. §8- 2036 fg. von Eltern und Voreltern, das
Badische Landrecht von Ahnen (vgl. Satz 151,283,
402 fg., 731, 746 fg.); die letztere Bezeichnung
ist in großen Teilen Deutschlands nur für den Adel
gebräuchlich und hat alsdann eine andere Bedeu-
tung. Das Deutsche Bürgert. Gcsetzb. §§. 1922
-1929 hat das Wort gleichfalls vermieden und
spricht von Eltern und Voreltern, entbehrt aber da-
mit einer die Eltern und die weitern Voreltern zu-
sammenfassenden Bezeichnung. Wegen des Erb-
rechts der V. s. Gesetzliche Erbfolge, wegen ihres
Pflichtteils s. Pflichtteil, wegen ihres Unterhalts-
rechts und ihrer Unterhaltspflicht s. d.
Vorfall (I^olapZUL), in der Pathologie das Her-
vortreten der Eingeweide durch eine natürliche oder
künstliche Öffnung, ohne daß sie von der äußern Haut
bedeckt werden. Der letztere Umstand unterscheidet
den V. vom Bruch (s. d.). So spricht man von
einem Gehirnvorfall bei Schädclwunden, von einem
Darmvorfall bei Bauchwnnden. Die an: häufigsten
zur Beobachtung kommenden V. sind die des Mast-
darms (s. Mastdarmvorfall) und die der Scheide
und Gebärmutter (s. Gebärmutterkrankheiten).
Vorflut, der durch die Bodenverhältnisse ge-
gebene AblaufdesWassers,und zwarsowohl des wild
als auch des in künstlichen oder natürlichen Betten
abfließenden Wassers. Nach gemeinem (röm.) und
franz. (rheiu.) Recht ist jeder Besitzer verpflichtet,
dao von oben her wild abfließende Wasser auf sein
Grundstück aufzuuebmen, nach preuß. und hannov.
Recht nur, wenn nach Ermessen des Kreisausschusses
der Besitzer des oberhalb liegenden Grundstücks das
Wasser nicht durch Einrichtungen auf seinen: Grund
abzuführen vermag. Ebenso kann nach preuh. Recht
lim ganzen Umfange der Monarchie vor 1866) jeder
Grundeigentümer, sofern daraus ein überwiegender
Vorteil für die Bodenkultur entsteht, verlangen, daß
ihm gegen Entschädigung (vom Kreisausschuß) ge-
stattet werde, zur Entwässerung Wasserleitungen
durch fremden Boden zu ziehen. Die Erhaltung der
V. in Gräben, Kanälen, Backen, Flüssen ist durch
eine sehr eingehende Gesetzgebung geregelt. (S.
Wasscrrecht.) Das ganze Recht der V. überläßt das
Deutsche Bürgert. Gesetzbuch (Einführungsgesetz
Art. 65) dem Landesrecht.
Vorfrucht, jede einer Kulturpflanze vorber-
gcbende Nutzpflanze. (S. Nachfrucht.)
Vorgarn, s. Spinnerei.
Vorgeben, falsches, s. Falsches Vorgeben.
Vorgebirge, s. Kap.
Vorgebirgsbahn, s. Po 17.
Vorgelege, s. Transmission. - V. heißt auch
ein kleiner Raum Fder Gang, von welchem aus die
Beschickung und das Turchkrücken eines Zimmer-
osens von anhen geschehen kann.
Vorgeschichte, s. Urgeschichte.
Vorgefchirr, Takelung und Seget des Bug-
spriets und seiner Verlängerungen (i. Klüverbaum).
! Vorgeschobene Werke, vor der Stadtumwal-
^ lung im Vorgelände errichtete Festungswerke; sie
stehen, im Gegensatz zu dein Außenwerk (s. d.) der
! ältern Festungen, mit der Hauptumwallung in keiner
! unmittelbaren Verbindung und haben meist ihre
eigene selbständige Verteidigung. Von besonderer
! Wichtigkeit sind sie, wenn sie die ganze Festung wie
! ein Gürtel umgeben (s. Fortsfestungen). Zu den
- V. W. gehören: F orts mit Anschlnßbatterien (s. De-
, tachierte Forts), Z w i s ch e n b a t t e r i e n und Z w i -
! sche nw e rk e. ^Romanischen Stils (s. d.).
Vorgotischer Stil, andere Bezeichnung des
Vorhalt, in der Musik der festgehaltene Ton
einer Stimme, während die übrigen Stimmen in
einen andern Accord schreiten, zu dem der vorgehal-
tene Ton erst nachträglich übergeht.
Vorhand, der vordere Teil des Pferdekörpers,
Kopf, .yals, Brust, Widerrist, Schultern und die
vordern Gliedmaßen. V. beim Kartenspiel, s.
Avantmain. (S. auch Vorkaufsrecht.)
Vorhang, eiserucr, s. Eiserner Vorbang.
Vorhängeschloß, s. Schloß.
Vorhaut, s. Beschneidung und Geschlechts-
Vorhelm, s. valsberge. j organe.
Vorherbestimmung, s. Prädestination.
Vorhersage, s. Prognose.
Vorhof sanatom.), s. Gehör und Herz; V. in der
Botanik, s. Spaltöffnungen.
Vorhofsfenster, Vorhofstreppe, s. Gehör.
Vorhut, s. Avantgarde.
Vorkammer lanatom.), s. Herz.
Vorkaufsrecht (^U8 pi-otimisoc^), da5 Vorrecht,
welches jemand anf die Erwerbung (Vorkauf) einer
Sache eingeräumt ist. Man unterscheidet obliga-
torisches und dinglichesV. Ersteres verpflich-
tet eine Person, falls sie einen Gegenstand verkanfen
will, einem andern alö Käufer den Vorzug (die
Vorhand) zu geben; das Recht des andern ent-
steht mit dem Abschlüsse des Verkaufs an den Dritten,
und der andere tritt durch seine an den Verpflichteten
abgegebene Erklärung als Käufer ein lOsterr. Bür-
gerl/Gesetzb. M.1072 fg.; Deutfches Bürgert. Ge-
i'etzb. §ß. 504 fg.). Bei den: Zwangsvollstreckungs-
z verkauf versagt das V., höchstens gilt das Gleich-
gcbot des Berechtigten als Mehrgebot. Nach Deut-
! schem Vürgerl. Gesetzbuch ist das V. überhaupt
! ausgeschloffen, wenn der Verkauf im Wege der
^ Zwangsvollstreckung oder durch den >ionkursver-
> Walter erfolgt (§. 512). Das dingliche V. (Deutsches
Bürgerl. Gesetzb. §§. 1094 fg.) kommt nur bei Grund-
stücken vor und ist gegen den dritten Erwerber und
Eigentümer wirksam, während das obligatorische V.
seiner Natur nach nur Rechte gegeu den ursprüng-
lich Verpflichteten giebt. Eine Grenze zwischen dem
^ dinglichen V. und dem deutschrechtlichen Retrakt
(s. d.) ist schwer zu ziehen. Der Ausdruck Retrakt
ist gebräuchlicher für das gesetzliche, der Ausdruck
V. für das rechtsgeschäftlich begrüudete V.
Vielfach ist die Schädlichkeit des V. hervorgehoben,
i weil dasselbe dem einen sehr lästig ist und wertmin-