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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wagram (Fürst von) - Wahhâbiten
Erzherzog Karl zum Rückzug. Der Gesamtverlust
der Österreicher betrug 34000 Mauu tot und ver-
wundet, darunter 753 Offiziere; die Franzosen ver-
loren 29000 Mann, darunter 7000 Gefangene,
12 Fahnen und 11 Geschütze. -^ Vgl. Strobl, As-
pern und W. (Wien 1897).
Wagram, Fürst von, s. Berthier, Alexandre.
Wagrien, der zwischen Ostsee, Trave und
Schwentine gelegene, durch seine Naturschönheitcn
ausgezeichnete östl. Gau des Herzogtums Holstein.
Ursprünglich gehörte dazu auch die Insel Fehmarn.
W. umfaßt nach der heutigen Einteilung die Kreise
Oldenburg, Plön, Segeberg (größtenteils) nebst klei-
nern Teilen der Kreise Kiel und Stormarn; außer-
dem das oldenb. Fürstentum Lübeck und (großen-
teils) das Gebiet der Freien Hansestadt Lübeck. Das
(erst im 16. Jahrh, entstandene) Wappen W.s zeigt
einen silbernen Stierkopf, zwischen dessen Hörnern
das Holstein. Nesselblatt im roten Felde. - In der
Urzeit hatten wahrscheinlich hier die zum Dienste
der Nerthus vereinigten german. Völkerschaften
ihren Hauptsitz. 804 räumte Karl d. Gr. W. der
slaw. (wend.) Völkerschaft der Obotriten ein. Ihre
Hauptstadt Oldenburg (wend. Stargard) war ein
wichtiger Stapelplatz des Ostseehande'ls, zeitweilig
(952 - 1163) auch Sitz eines Bischofs. Die Be-
mühungen der einheimischen Fürsten Gottschalk (er-
mordet'i066) und Heinrich (gest. 1124), in W. das
Christentum einzufübren, hatten keinen bleibenden
Erfolg. Unter Heinrichs Schutz begann der Apostel
W.s, Vicelin (gest. 1154), seine Missionsthätigkeit.
1139 eroberten die Holsteiner W., das seitdem mit
Holstein vereinigt blieb und ganz germanisiert ward.
Wagstadt, czech. ^ilovec. 1) Bezirkshaupt-
mannschaftin Österreichisch-Schlesien, hat 351,45qkm
und (1890) 36819 E. und umfaßt die Gerichis-
bezirke Königsberg und W. - 2) Stadt und Sitz
der Bezirkshauptmaunschaft sowie eines Bezirks-
gerichts (174,35 cjkm, 17283 E.), südlich von Trop-
pau, an dem zur Oder gehenden Waagfluß und der
Linie Stauding-W. (8 icni) der Kaiser-Ferdinands-
Nordbahn, hat (1890) 4214 deutsche E.; Landbau,
Fabrikation von Tuch, Umhängetüchcrn, Bändern
Waguhr, s. Uhren. "md Knöpfen.
Waawangwara, afrik. Volk, s. Mafiti.
Wahabiten, s. Wahhäbiten.
Wah ed-Dachle, ägypl. Oase, s. Dachel.
Wahehe, die Bewohner von Uhehe (s. d.).
Wäll el-Chargeh, s. Chargeh.
Wahha, die Bewohner von Uhha (s. d.).
Wahhäbiten (unrichtig: We Habiten oder
Wahabiten), die Anhänger einer in der Mitte des
18. Jahrh, aus dem centralen Hochlande Arabiens
(Nedschd) ausgegangenen religiösen Bewegung,
welche auf die religiösen und polit. Verhältnisse Ara-
biens großen Einfluß übte. Der Stifter der wahhä-
bitischen Reformation, Mohammed Ibn Abo
al-Wah hab, aus dem Stamm der Temimiten,
wurde Anfang des 18. Jahrh, in der Provinz Nedschd
geboren. Als Kaufmann machte er viele Reifen
welchs er zum Verkehr mit den großen orthodoxem
Theologen in den Hauptstädten Mohammed. Wissen
schaft (Damaskns, Bagdad, Medina u. a. m.) be
nutzte. Seine Bestrebung ging dahin, den Islair
von aller in späterer Zeit eingedrungenen Verderb
uis zu reinigen und sowohl in dogmatischer wie auch
in praktischer Beziehung die alte Sunna (s. d.) in
ibrer ursprünglichen Reinheit und Einfachheit her
zustellen. In erster Reihe bekämpfte er die abgöt
äsche Verehrnng des Propheten, den Glauben an die
Notwendigkeit der Fürbitte bei Gott, die Verehrung
der Heiligen und ihrer Gräber und Reliquien sowie
alle an diesen Kultus sich knüpfenden Vorstellungen.
Alle Mohammedaner, welche den reinen Monothe'is-
mus durch solche als Menschenverehrung gekenn-
zeichnete Momente trüben, wurden als Muschrikin
l"die dem einzigen Gott Genossen zugesellen") ge-
brandmarkt. ^)ie Lebensweise der patriarchalischen
Zeit sollte wiederhergestellt werden, der Krieg gegen
die Ungläubigen seine hervorragende Stelle in der
Bethätigung des,Islams wieder erhalten, die obligate
Almosensteuer (Zakät) wieder in alter Weise entrichtet
md aller Luxus verpönt werden. Dagegen ward in
rigorosester Weise auf die strenge Einhaltung aller
m Koran und im Hadith (s. d.) begründeten Pflich-
ten gedrungen. - Ibn Abd al-Wahhäb oder Wab-
habi, wie man ihn zu nennen pflegte, kam nach sei-
ner Rückkehr in die nedschdische Heimat durch seine
ehre, welche er auch in theol. Schriften theoretisch
begründete und entwickelte, in Konflikt mit den
herrschenden Kreisen und mußte mit seinen Getreuen
erst aus^Horaimala, bald auch aus Ejäna auswan-
dern. (^>ie wandten sich (etwa ums Jahr 1750)
nach Darija (nnrichtig Dheraja), dessen junger Fürst,
Saüd ibn Abo al-aziz, die Flüchtigen freundlich
aufnahm. Wahhäbi starb um 1787 in Darija.
Saüd fand in kurzer Zeit unter den Beduinen viele
Anhänger, deren Tapferkeit ihm bald die Herr-
schaft über das innere Arabien sicherte. Als nach
Saüds Tode (1765) dessen Sohn Abd al-aziz (1765
-1803) den Thron bestieg, unterwarf er die Pro-
vinzen Bahrain und Oman. Seine Eroberungen in
Arabien nahmen einen wachsenden Umfang ein;
selbst der Großscherif von Mekka, der 1790 gegen die
W. einen Kriegszug begann, war genötigt, Frieden
zn schließen. 1801 überfiel die Armee der W. unter
Führung Saüds, des Sohnes Abd al-aziz', Kerbela,
die heilige Stadt der Schiiten (s. d.), und zerstörte,
im Sinne der Lehren der W., die Grabesstätte des
Hnsein. Durch die Eroberung von Taif, 1803, kam
Mekka in ihre Gewalt. Im selben Jahre wurde Abd
al-aziz ermordet. Ihm folgte sein Sohn Saüd II.
(1803-14), der das Werk der Unterwerfung Ara-
biens mit der Eroberung Medinas vervollständigte.
Jetzt erteilte die Pforte dem Pascha von Ägypten,
Mehemed Ali, den Befehl, behufs Wiedernahme der
beiden heiligen Städte (Mekka und Medina) den W.
den Krieg zu erklären. Unter Anführung Tuhuns,
des zweiten Sohnes des Paschas, landete die ägypt.
Expedition Eude 1811 in Arabien, rückte in Hidschas
ein und eroberte nach harten Kämpfen mit den arab.
Stämmen 1811 Mekka und Medina wieder. Die W.
boten 1816 Frieden an, den jedoch Mehemed Ali nicht
ratifizieren wollte. Er sandte seinen Adoptivsohn
IbrahimPaschanach Arabien: derselbe drang bis nach
Nedschd vor, eroberte nach fünfmonatiger Belagerung
Darija, nahm den als Nachfolger des Abd al-aziz seit
1814 herrschenden Abdalläh gefangen und schickte ihn
nach Konstantinopel, wo er hingerichtet wurde (1818).
Ibrahim Pascha suchte zunächst die religiösen Mei-
nungsverschiedenheiten zwischen den W. und den
Sunniten beizulegen und die W. mit letztern zu ver-
söhnen. Er setzte einen ügypt. Gouverneur in Darija
ein und kehrte nach Ägypten zurück. Sofort riefen
die W. 1820 Turki, den Sohn des hingerichteten
Abdalläh, als Herrscher aus, der bald darauf von
feinem Vetter Meschärr ermordet wurde. Auch die
Herrschaft des Meschari dauerte nur kurze Zeit, da