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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Wallensee; Wallenstadt; Wallenstädter See; Wallenstein

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Wallensee - Wallenstein

Nebenlinie Seckach-W. (19,3 km) der Bad. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Mosbach), hat (1895) 3159 E., darunter 37 Evangelische und 15 Israeliten, Post, Telegraph, Reste der alten Mauern, eine Wallfahrtskirche, Gewerbe-, Privatknaben-, Strohflechtschule, Wasserleitung, Schlachthaus, Sparkasse, Vorschußverein; Wachsgießerei, Lebkuchenbäckerei, Blumenfabrikation, Landwirtschaft, Sandsteinindustrie und eine Wallfahrtsmesse.

Wallensee, s. Walensee.

Wallenstadt (Walenstadt, Walenstad), Stadt im Bezirk Sargans des schweiz. Kantons St. Gallen, unweit der Mündung der Seez in den Walensee, in 431 m Höhe, am Fuß der Churfirsten und an der Linie Zürich-Chur der Verein. Schweizerbahnen, hat (1888) 2702 deutsche E., darunter 337 Evangelische, Post, Telegraph; Baumwoll- und Buntweberei, Stickerei, Feld-, Wein- und Obstbau. In dem dicht am Seeufer gelegenen Vorort und Landungsplatz Stad befindet sich die Kaserne der eidgenössischen Militärschule W.

Wallenstädter See, s. Walensee.

Wallenstein, richtiger Waldstein (s. d. ) Albrecht Eusebius Wenzel von, Herzog von Friedland und Mecklenburg, Fürst von Sagan, kaiserl. Generalissimus im Dreißigjährigen Kriege, entstammte einem wenig begüterten böhm. Geschlecht, das seinen Namen von der Stammburg Waldenstein oder Waldstein bei Turnau herleitete, und wurde 24. Sept. 1583 auf dem väterlichen Gute Hermanič geboren. Seine Eltern waren Utraquisten gewesen, aber der früh Verwaiste wurde bald nach Olmütz auf die Schule der Jesuiten gegeben, wo er zum Katholicismus übertrat, doch ohne diesen je mit großem Eifer zu vertreten. Er bezog dann die prot. Universität Altdorf, machte aber bald darauf große Reisen durch Deutschland, Holland, England und Frankreich, besonders nach Italien, wo er sich in Padua und Bologna längere Zeit aufhielt. Zurückgekehrt trat W. in das österr. Heer, focht unter Basta in Ungarn gegen die Türken, wurde 1604 Hauptmann und heiratete nach seiner Heimkehr 1606 eine ältere Witwe, Lukretia von Landeck, die ihm bei ihrem Tode 1614 ihre großen in Mähren liegenden Güter hinterließ; außerdem erbte er bedeutenden Grundbesitz von einem Oheim. 1617 unterstützte er bereits den Erzherzog, spätern Kaiser Ferdinand Ⅱ., mit selbstgeworbenem Volk gegen Venedig und zeichnete sich besonders bei dem Entsatz von Gradiska aus, wofür er die Beförderung zum Oberst und den Grafentitel erhielt. Gegen die rebellischen Böhmen (1618) stellte er dem Kaiser ein Kürassierregiment, das, wenn auch nicht unter seiner persönlichen Führung, in der Schlacht am Weißen Berge (s. d.) mitfocht; er selbst bewährte sich in schwieriger Lage durch Entschlossenheit und Geschick, konnte aber auch seinen Eigennutz und seine Habgier nicht verbergen. Als nach dem Kriege die konfiscierten oder mit minderwertigem Gelde erworbenen Güter der aufständischen Böhmen zu Spottpreisen an die Anhänger des Kaisers verschleudert wurden, kaufte W. mit diesem Schwindelgeld, an dessen Prägung er selbst beteiligt war, große Komplexe, darunter die Herrschaften Friedland und Reichenberg; zugleich betrog er in einer Erbschaftssache seine mütterlichen Verwandten um ihren Besitz. 1623 erhob ihn der Kaiser zum Fürsten von Friedland, 1624 seinen Gesamtbesitz, den W. in glänzender Weise verwaltete, zum Fürstentum. In nähere Beziehungen zum Hofe trat W. 1623 durch seine Ehe mit Isabella, der Tochter des bei Ferdinand Ⅱ. einflußreichen Grafen von Harrach.

Im J. 1622 oder Anfang 1624, jedenfalls im Herbst 1624 nahte er dem Kaiser mit dem Erbieten, ihm auf eigene Kosten eine Armee ins Feld zu stellen. Nach einigem Zögern ging der von einer im Entstehen begriffenen großen europ. Koalition bedrohte Ferdinand darauf ein, erteilte W. im Mai 1625 Vollmacht zur Anwerbung von 20000 Mann und ernannte ihn zum Anführer derselben mit dem Titel eines Generaloberst-Feldhauptmann und zum Herzog von Friedland. Lediglich für das Werbegeld hatte W. zu sorgen, alles weitere, Sold und Unterhalt, wurde aus den belegten Gegenden erpreßt. Am 25. April 1626 schlug W., der nach der Weser und Elbe gezogen war, den Söldnerführer Mansfeld an der Dessauer Elbbrücke, während ein Wallensteinsches Hilfskorps dem Ligistengeneral Tilly gegen Christian Ⅳ. von Dänemark half. W. folgte dem flüchtigen Mansfeld durch Schlesien nach Ungarn, wo derselbe sich mit Bethlen Gabor von Siebenbürgen vereinigte, und verhinderte so deren Angriff auf die kaiserl. Erblande. 1627 säuberte er Schlesien, drängte mit Tilly vereint den Dänenkönig aus Deutschland hinaus und drang bis in den Norden von Jütland vor. Auf seinen Wunsch ächtete der Kaiser, der ihm bereits das schles. Fürstentum Sagan übertragen hatte, im Jan. 1628 die Herzöge von Mecklenburg-Schwerin und Güstrow und gab ihre Lande an W. Dieser, bestrebt, an der Ostsee Fuß zu fassen und die kaiserl. Herrschaft über das Meer hin auszudehnen, begann mit der Einnahme der festen Küstenplätze, als 1628 bei der Belagerung von Stralsund durch deren heldenmütige Verteidigung Einhalt geboten wurde. W. drängte nun selbst zu baldigem Friedensschluß mit Christian von Dänemark.

Wenig einverstanden war W. mit dem Erlaß des Restitutionsedikts (s. d.) vom 6. März 1629, in dem er nur die Aufreizung der kaum Unterworfenen zu neuem Widerstand sah, und gerade jetzt hatten sich andere Gegner gegen ihn und die durch ihn erstrebte unbeschränkte kaiserl. Gewalt im Reich erhoben in den bisherigen Genossen Ferdinands, den Fürsten der kath. Liga unter Führung Maximilians Ⅰ. von Bayern. Ihr Stolz wurde durch W.s hochfahrendes Wesen verletzt, ihre Länder litten ebenso wie die gegnerischen durch Werbungen, Durchzüge und Einquartierung der damals an 100000 Mann zählenden Wallensteinschen Truppen; die kaiserl. Souveränität, die W. verfocht, war ihrem fürstl. Selbständigkeitsgefühl ein Greuel. Auf einem Kurfürstentag zu Regensburg 1630 gelang es ihnen, den schwachen Ferdinand zur Absetzung W.s zu bewegen. Ohne Widerstand gehorchte dieser und zog sich auf seine fürstl. Residenz Gitschin zurück.

Inzwischen aber war schon Gustav Adolf mit seinem schwed. Heer auf deutschem Boden erschienen, der nun binnen zwei Jahren die kath. Gegenbewegung in Norddeutschland vernichtete und auch Süddeutschland siegreich unterwarf. W., der im Wunsch nach Rache nicht ohne Genugthuung den Gang der Dinge beobachtete und um seine Länder besorgt war, hat damals selbst mit Gustav Adolf über eine Vereinigung verhandelt, brach aber ab, als Ferdinand ihm als einzigem Retter in der Not neue Anerbietungen machte, wieder an die Spitze des Heers zu treten, die W. stolz ablehnte.

Endlich kam im April 1632 der neue Abschluß zu stande, nachdem der Kaiser die fast unerfüllbaren