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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Warthe - Warwick
bahnen, hat (1895) 1234 E., darunter 89 Evan-
gelische, Post, Telegraph, kath. Kirche (1082) und '
eine Marienkapelle auf dem Warthaberg (578 m), ,
die jährlich von über40000 Wallfahrern befucht wird.
Warthe oder Warte (poln. ^Vai-w), der größtc
Nebenfluß der Oder, entspringt bei Kromolow in
etwa 400 in Seehöhe anf dem südpoln. Kalkstein-
Plateau, 60 Kin im 3lW. voll Krakau, fließt mit Win-
dungen nach Czenstochau, dann lnit einem Bogen über
Mstow bis nahe an Noworadomsk, bierauf west-
wärts, tritt unterhalb Zalecze in das Tiefland, fliesit
in breiter ^umpfniederung, nicht selten mehrarmig, !
nach ^jerads und Warta, dann, nach Aufnahme
des Ner bei Kola, durch eine mit Brück und Moor
erfüllte Senkung über Konin und Peisern, nimmt
links die Prosna auf und tritt, 80 in breit, in die
preuß. Provinz Posen ein. Diese durchstießt sie in
nordwestl.Nichtung über Schrimm, Posen, Birnbaum
und Schwerin, nimmt rechts bei Obornik die Welna,
links unterhalb Schwerin die Obra von Meseritz her
auf, tritt dann in die Neumark der Proviuz Bran-
denburg über, wendet sich hier nach Aufuahme der
Netze bei Zantoch westwärts über Landsberg durch
die Warthebrüche und mündet, 180 in breit, dnrch
einen künstlichen Kanal, der 178<; allgelegt wnrde,
unterhalb (5üstnn anf 11 in Seehöbc in die Oder.
Die alte Wartbemündung wurde 1817 geschlosseil.
IhrFlußgebiet hat ein Areal von etwa48 000 <il(in,
wovon 30760 auf Preußen kommen; von ihrem
756 km lang eil Laufe gehören 347 kin zum prenß.
Gebiet. Schiffbar ist sie 434 kni weit bis Konin,
flößbar auf weitere 148 km bis Djaloschin. Dnrch
die Netze (s. d.), den Bromberg er Kanal (s. d.) und die
Brahe (s. d.) ist die W. mit der Weichsel verbuuden.
Die W. ist die der preuß. Pro- z
vinz Posen. 1895 passierten die W. oberhalb Cüstrin !
5063 Schisse mit 393383 t lUld 148895 t Floßholz. ^
Nach Vereinigmlg mit der Netze zweigen sich mehrere !
kleine Arme ab, welche netzartig das 75 Km lange !
und 10-15 Km breite Warthebr ll ch durchfließcll,
eine Niederung zwischell Landsberg und Cüstrin,
teils fruchtbare Felder, teils sumpfige Wiesen mit
vielen Entwässerungsgräben, 1767-82 urbar ge-
macht. Die Einpolderung des untern Teils des
Bruchs, bei Sonnellburg, erfolgte erst 1837-42.
Warton (spr. wahrt'u), Thomas, engl. Litterar- >
Historiker und Dichter, wurde 1728 zu Basingstoke
geboren. Er studierte in Orford, wo sein Vater
Professor der Dichtkunst war, und gab bereits 1747
"?i6a8Ui'6" ok inßwncnoi')'" heraus. 1757 erhielt
er die Professur seines Vaters und einige Pfründen.
1774 erschien der 1. Band (2. Aufl/i775) seiner
"Histoi'^ ot'^nAiigli iwLti')'", eines zwar unvollen-
deten, aber für jene Zeit bewunderungswürdigen
und noch nicht übertrosfenen Werkes; 1781 erschien
Band 3, 1790 Teil eines 4., 1806 ein Register. Eine
3. Allf/agc de's ganzen, von Price, wnrde 1824 (Lon-
don, 4 Bde.) gedruckt, die 3. (ebd., 3 Bde.) von Tay-
lor 1840, die 4. (ebd., 4 Bde.) von Hazlitt 1871.
1785 erhielt W. die Würde eines I>c>6t Ilnii-c^w und
wurde Professor der Geschichte. Er starb 21. Mai
1790. Maut veröffentlichte "'I^i" "oktical ^voi-ks s>t'
tlis late 'Iii. ^V." (2 Bde., Lond. 1802). sReich.
Warua, die Bewohner von Urua, s. Kassongos
Warundi, Bewohller von Nrundi (s. d.).
Warwick sM. wörrick). 1) Engl. Grafschaft im
Gebiet des obern Upper-Avon, hat ein Areal von
2291,5 <ikin, wovon fast 90 Proz. auf Weide, Feld
und Wiesen kommen, und zählt (1891) 805070 E.,
d. i. 351 anf 1 <ikin. Das Land bestebt aus weiten
Ebenen und niedrigen Hügeln. Der nördl. Teil,
Woodland genannt, enthält neben weiten Strecken
von.veiden und Moorgründen auch Holzungen. Der
mittlere und besonders der südl. kleinere Teil, Feldon
genannt, sind sehr fruchtbar und reich an Grasweide.
Unter den zahlreichen Flüssen ist der Avon der ein-
zig schiffbare, zwei Kanäle geben nach Birmingham.
Weizen, Gerste, Hafer und Bohnen, Gemüse und
Obst werden in großer Ansdebnnng gebaut, aber
die Viehzucht, namentlich die Schaf- und Rinder-
zucht, ist bedeutender als der Feldbau. W. ist vor-
zugsweise Fabritdistritt, wozu die reichen Eisen-
minen, Kohlengruben im nordostl. Teil der Graf-
schaft, sowie die Nachbarschaft der Bergwerke von
Etafford nicht wellig beitragen. Namentlich sind die
Städte Birmingbam (s. d.) und Eoventry (s. d.) her-
vorzuheben. - 2) Hauptstadt, Municipal- und mit
Leamington (s. d.) Parlamentsborough, an und auf
einem felsigen Hügel am rechten Ufer des Avon und
an der Vereinigung des Warwick-Birmingham- und
desWarwick-Oxford-Kanals gelegen, Knotenpunkt der
Great-Western- und der London and North-Western-
Bahn, hat (189 l) 11905 E., Lateinschule, viele schöne
Bauwerke, darunter die beiden Endtbore der Haupt-
straße, die got. St. Marytirche, 1694 erneuert, mit
schönem (5hor, Beauchampkapelle und Denkmälern,
das altertümliche Leicesterhospital (1571 gegründet),
die frühere Priorei, ferner das Museum, Markthalle,
Rathaus, Kaufhaus, die Assisenhalle und das auf
12in hobeln Felsenplatcau sich erhebende Warwick-
Castle, das Schloß der Grafen von W., mit Ge-
mälde-und Waffensammlung, der berühmten, bei
Tivoli gefundenen Warwickvase, schönem Park und
dem 45 in hohen Cäsarturm. Mall treibt haupt-
sächlich Seilerei, Mehl- und Hutsabrikation. W.
hieß bei den Angelsachsen Waeringwyl oder Wa-
ringwic. In der Nähe Kenilworth (s. d.) und Etrat-
ford-upon-Avon (s. d.).
Warwick (spr. wörrick), engl. Grafentitel, den
verschiedelle Häuser führten und der mit dem Besitz
von Warwick-(5astle verknüpft war. Dieses Schloß
war angeblich schon in angelsächs. Zeit der Wohnsitz
des in den Heldensagen berühmten Grafen Guy von
W. Die ersten Träger des Namens nach der norm ann.
Eroberung waren die mit dem Herzogsbause verschwä-
gerten Beaumonts, nach ihrem Aussterben erhielt
den Titel der mit ihrer Erbin vermäblte William
vollBeauch amp. Dessen Sohn Guido, Graf
von W. (gest. 1315), gehörte zur Baronenpartei
gegen Eduard II., war einer der Ordainers und rich-
tete des Königs Günstling Gaveston bin. Thomas
Beauchamp, Graf von W. (gest. 1369), zeich-
nete sich in der Schlacht bei Crecn aus, sein Sohn
Thomas (gest. 1401) trat zur Opposition gegen
Richards II. autokratische Bestrebungen, 1397 wurde
er verhaftet, aber nach Richards Sturz befreit. Dessen
Sohn Richard focht unter Heinrich IV. in Wales
! und gegen die Percies, war unter Heinrich V. engl.
Gesandter auf dem Konzil zu Konstanz, kämpfte mit
^ in Frankreich, wurde nach des Königs Tod Erzieher
! von Heinrich VI., 1437 Statthalter von Frankreich
l und der Normandic und starb 1439 zu Rouen. Sein
einziger Sohn Henry hinterließ bei seinem Tode
1445 nur eine Tochter, die 1449 jung starb.
Der Titel ging über auf den Gemahl der Erbin
der Beauchamps, Richard Neville, den Sohn des
Grafen von Salisbury (s. d.). Richard Neville,
Graf W., der "Königsmacher", geb. 22. Nov. 1425,