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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wasserdosten - Wassergas
Beeinträchtigung der Leichtigkeit und Geschmeidigkeit
hervorzubringen, und dies ist eine bisher nicht ge-
nügend gelöste Aufgabe. Zwar besitzen Auflosungen
gewisser Salze, namentlich der essigsauren Thonerde,
die überraschende Eigenschaft, Leinwand, Banmwoll-
gewcbe, Tuch u. s. w., welche damit getränkt nnd
wieder getrocknet werden, gegen das Wasserdurch-
lassen zu schützen; allein diese Wirkung verschwindet,
wenn die naß gewordenen Stosse gedrückt oder ge-
quetscht werden, und in starkem anhaltendem Regen
waschen sich die zur Zubereitung angewendeten Salze
heraus, die Wasserdichtheit geht damit verloren.
Leder wird wasserdicht gemacht dnrch Tränken mit
Leinöl oder durch Lackieren. Wasserdichte Filzhüte
baben statt des Leims, womit sonst die .hüte steif 5
gemacht wurden, eine Steife von Schellack oder an- !
derm Harz (die man, um sie aufzutragen, mit einer ^
Lösung voll Borar mischt). Am meisten Eingang
haben die mittels Kautschuk wasserdickt gemachten
Zeuge zu Überröcken und Mänteln gefnnden. (^.
Gummiwarenfabrikation.)
Wasserdosten, Pflanzenart, s. I^uMtm-inni.
Wasserdrossel, soviel wie Wasseramsel. !
Wasserdruckeisenbahn, s. Gleiteisenbahn.
Wasserdunstheizung, s. Heizung, Bd. 17. z
Wassereinstandsgeld, s. Erbstollen. '
Wafserelster, soviel wie Austernfischer. ^
Wasserfall, die Stelle, wo sich ein fließendes ^
Wasser von einem Felsenabhang herabstürzt. Die !
Erscheinnng findet statt bei Bächen im Gebirge, die
auf stufenförmige Felsenabsätze treffen, und bei
Flüssen und Strömen, wenn ihr Bett durch einen
plötzlichen steilen Abfall unterbrochen wird. In
diesem Falle, wo es der Fluß noch nicht zu einer !
stetigen oder Gleichgewichtskurve seines Gefälles ge-
bracht hat, spricht man von einem unfertigen Fluß-
lauf jugendlichen Alters, wie z. B. beim Rhein zwi-
schen Bodensee und Basel. Durch schnellere Äus-
wasckung des Gesteins am Fnß des W. wird die
Felswand überhängend und stürzt nieder. Der Nia-
gara, dessen obere Schichten harter Kalkstein sind,
wahrend die untern aus weichem Niagaraschiefer!
bestehen, ist durch diese Abbrüche 12 km zurückge- ^
wandert; überhaupt bewirkt die rückschreitende Ero- ,
sion allmählich eine Beseitigung des W., sie gleicht ^
die Gefüllkurve des Flusses mehr und mehr aus.
Typisch vollzieht sich dieser Vorgang so, daß all- ^
mählich der W. terrassenförmig modelliert wird!
(Kaskaden), wie dies am Geneseefall bei Nochester ^
(Nordamerika) schön zu beobachten ist; wiederholt
sich dies auch bei jeder einzelnen Terrasse, so bilden
sich Katarakte; schließlich ist die Ausgleichung ^
so weit fortgeschritten, daß an Stelle des W. die !
^tromschnellen (s. d.) getreten sind. - Vgl. !
Gibson, <Fi'6at >v'at6i lall", cÄtai-aetZ anä A6V8ir8
(Lond. 1887); Picard, I^'san äan8 1o pa^a^o.
ll. Oouis 6t ewt68 ä'6M! (Genf 1890). ' !
Über künstliche W. s. Kaskade und Wasserkünste. !
Wasserfarben, in der Malerei alle Farben, die ^
bloß mit einfachem oder mit Leim, Gnmmi, Honig, l
Ochsengalle u. s. w. versetztem Wasser verrieben!
werden. Hierher gehört sowohl die Aquarellmalerei !
(s. d.) mit durchsichtigen (lasterenden) Farben, wie
die Gouachemalerei (s. d.) mit Deckfarben; beide
Arten lassen sich auch vorteilhaft verbinden, indem !
man mit Deckfarbe nntermalt und mit durchsichtiger ^
lasiert. Die meisten der aus Teerbestandteilen er-
baltenen Farbstoffe sind W., doch sind zu den halt-
baren nur diejenigen Erd- und Mineralfarben und !
Farblaäe zu zählen, welche sich auch als haltbar für
die Ölmalerei erweisen. Den im Handel befindlichen
W. sind, um deren Haltbarkeit zu sichern, Konser-
vierungsmittel, z. B. Salicylsäure in Alkohol ge-
Wässerfarne, s. ^arin'. j löst, zugesetzt.
Wasferfaschine, s. Faschinen.
Wasserfeder, Pflanzengattung, s. Ilotwnill.
Wasserfenchel, s. Oonantlio.
Wafserfeuerwerk, zur Lustfeilerwerkerei (s. d.)
gehörendes Feuerwerk, dessen einzelne Körper beim
Abbrennen auf dem Wasser schwimmen. Sie erhalten
einen wasserdichten Überzug und Schwimmscheiben.
Besondere Arten sind die Wasserbrander, Irrlichter,
Enten, Tancber, Wirbel u. a.
Wasserfilter, Vorrichtung zum Filtrieren (s. d.)
unreinen L^assers. Näheres s. die Artikel Wasser-
reinigung und Wasserversorgung.
Wasserflöhe ((Mäo^i-a), Unterordnung der
Blattfüsier (s. d.), enthält die kleinsten, fast aus-
schliesslich das süße Wasser bewohnenden Formen,
die sich oft in ungehenern Mengen finden und für
den Stoffwechsel in den süßen Gewässern von der
größten Bedeutung sind. Die bekannteste Gattung
ist Oaplniiti mit fünf Paar Kiemenfüßen; die Nu-
derfühler mit zwei fast gleichlangen Armen, von
denen der eine drei-, der andere viergliedrig ist. Zu
den hänsigsten Arten gehören die 2-4 nun lange
Dnplinia pulex ^)es/eei' und die 2-2,5 inin lange
Dnplinia. 8imü 0. ^i'. ^lM//.
Wafserfrofch, s. Teichfrosch.
Wasserfurchen, s. Furche.
Wassergatte, s. Galle.
Wassergang, auf hölzernen Schiffen der über
den Deckvbalken liegende Plankengang.
Wassergas, Hydrocarbongas, ein Gas-
gemisch, welches durch Einwirkung von Wasser-
dampf auf glühenden Kohlenstoff unter Abschluß
von Luft hergestellt wird und theoretisch aus 50
Volumprozenten Wasserstoff und 50 Volumprozen-
ten Kohlenoxyd besteht. Der Wasserdampf zersetzt
sich an dem glühenden Kohlenstoff und bildet freien
Wasserstoff, während der Sauerstoff sich mit dem
Kohlenstoff zu Kohlenoxyd verbindet. Die Entwick-
lung des von Feliee Fontana 1730 erfundenen W.
ist in bohem Maße in Amerika fortgeschritten, wo es
zu Beleuchtungs- wie zu Heizzwecken und zwar fast
ausschließlich in carburiertem Zustande ii. Carbu-
rieren) verwendet wird. Etwa die Hälfte alles in den
Vereinigten Staaten erzeugten Gases ist W. Das
Wassergavverfahren in Amerika verdankt sein rasches
Wackvtnm namentlich dem Umstand, daß dort die
zum Earburieren erforderlichen Petroleumöle äußerst
billig sind. Auch in England giebt es schon viele
Gasanstalten, welche carbnriertes W. herstellen und
dasselbe mit gewöhnlichem Leuchtgas gemischt zu
den Konsumenten leiten. In Deutschland hat das
carburierte W. zur Städteversorgung wegen des
hoben Preises der Carburiermigsstoffe keinr/l Ein-
gang gefunden, ebenso wenig wie das uncarbu-
rierte, dessen Einführung seine hohe Giftigkeit und
sein geringer Heizwert entgegensteht. Das carbu-
ricrte W. läßt sich ohne weiteres, wie gewöhnliches
Leuchtgas, zur Beleuchtung verwenden sowie zur
Heizung und zum Betrieb von Motoren. Es giebt
iin offenen Flammen verbrannt) eine etwa doppelt
so hohe Leuchtkraft wie Steinkohlenlenchtgas. Das
uncarhurierte W. läßt sich zur Beleuchtung nur ver-
wenden, wenn in der nichtlenchtenden Flamme, welche
eine sehr hohe Temperatnr besitzt (etwa 2800°),