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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Weichwerden - Weide
fische liefern, die als Sepia bekannte braune Malerfarbe. Aus dem Barte (Byssus) der Steckmuschel (Pinna) verfertigt man um Tarent Geldbörsen, Handschuhe u. dgl., die durch die braune, gold- oder grünglänzende Naturfarbe und Weichheit gefallen, aber hoch im Preise stehen. Die Gehäuse der Porzellanschnecken, Kammmuscheln, Schiffsboote u. a. werden zu Kunstarbeiten, Gemmen, Gefäßen, Löffeln, Dosen u. s. w. verwendet. In einigen Teilen Indiens und Afrikas dient die Kauri (s. d.) als Scheidemünze. Auf die Bildung der Erdrinde haben die Schalmollusken einen großen Einfluß geübt. Ihre Gehäuse sind die häufigsten aller Versteinerungen und legen infolgedessen Zeugnis ab von der Umbildung der Schichten (Leitmuscheln). - Vgl. von Martens, Die Weich- und Schaltiere (Lpz. und Prag 1883); Clessin, Deutsche Exkursions-Molluskenfauna (2. Aufl., Nürnb. 1884); Martini und Chemnitz, Konchylien Kabinett (neue Ausg., ebd. 1838 fg.); Roßmäßler, Ikonographie der Land- und Süßwassermollusken (Bd. 1-3, Dresd. und Lpz. 1835-59; fortgesetzt von Kobelt, Wiesb. 1877 fg.); Bronn, Klassen und Ordnungen des Tierreichs, Bd. 3: Mollusca (Lpz. 1892); Coupin, Les mollusques (Par. 1896).
Weichwerden, Weinkrankheit, s. Langwerden.
Weichwespen, Familie der Schlupfwespen (s. d.).
Weida, Stadt im Verwaltungsbezirk Neustadt a. d. Orla des Großherzogtums Sachsen-Weimar, an der Mündung der Anma in die W., an der Linie Leipzig-Gera-Probstzella der Preuß. und der Nebenlinie Werdau-Mehltheuer der Sächs. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Gera), hat (1895) 5911 E.,darunter etwa 60 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Ruinen zweier im Dreißigjährigen Kriege zerstörten Kirchen, evang. Kirche, Baugewerkschule; Tuchfabriken, Dampffärbereien, Woll-, Baumwoll- und Teppichwebereien, Drahtwaren-, Filzschuh-, Tuchschuhfabriken, Gerbereien, Kunst- und Handelsgärtnereien. Auf einem Berge das wohlerhaltene Schloß Osterburg (10. Jahrh.), jetzt Sitz der Behörden. W., im 10. Jahrh. zuerst erwähnt, war der Sitz der Vögte von W. - Vgl. Alberti, Die ältesten Herren von W. (Gera 1880); Walther, Das alte W. (Weida 1889).
Weida, Whydah, Stadt in Dahome, s. Ajuda.
Weida, Linie des Hauses Neuß (s. d.).
Weide, auch Trift, Viehweide, Hutung, Hutweide, dauernde Grasländereien, deren Nutzung durch den Auftrieb von Vieh erreicht wird. Man unterscheidet, je nach der Lage und Benutzung, Höhenweiden (Alpen, Matten, Sommerungen, Staffeln), Niederungsweiden (Marschen, Auweiden und Salzwiesen an den Ufern der Ströme und des Meers), Bruchweiden (im Niederwald, auf Moorboden), Waldweiden, Brachweiden (auf den Brachfeldern), Stoppelweiden (nach dem abgeernteten Getreide), Heideweiden (auf den Heideflächen) und Steppenweiden. Fettweiden heißen besondere reich bestandene, zur Mästung geeignete Weideflächen; je nach dem Besatz unterscheidet man: Pferde-, Rinder-, Schaf-, Schweine-, Gänseweiden. Endlich kann man einteilen in dauernde und zeitweilige W., oder in natürliche und künstliche. Die künstlichen W. werden besonders angesät, gewöhnlich mit einem Gemenge von Weißklee und geeigneten Gräsern. Koppelweiden heißen solche, deren Benutzung zweien oder mehrern Berechtigten zusteht. Gemeindeweiden sind im Besitz der Gemeinden, und es hat jeder Bürger das Auftriebsrecht. Weiderecht s. Hutungsrecht. - Vgl. Delius, Die Kultur der Wiesen und Grasweiden (Halle 1874); Stebler, Die Grassamenmischungen (2. Aufl., Bern 1883).
Weide (Salix), Pflanzengattung aus der Familie der Salicaeeen (s. d.) mit zahlreichen Arten, namentlich in der gemäßigten und kalten Zone der nördl. Halbkugel. Die Knospen sind achselständig, von zwei zusammengewachsenen, einen einzigen bohlen, äußerlich zweirippigen Körper bildenden Schuppen umhüllt, die Blätter kurzgestielt, ganzrandig oder gezähnt, bei den meisten Arten lanzettförmig oder länglich, selten eiförmig oder rundlich, am Grunde des Stiels mit zwei meist abfallenden Nebenblättern versehen. Beiderlei Blüten stehen in Kätzchen, die sich bei manchen Arten vor, bei andern mit dem Laubausbruch entwickeln. Beiderlei Kätzchen haben ganzrandige Schuppen, unter denen bei den männlichen meist zwei, selten drei, fünf oder viele langgestielte Staubgefäße, bei den weiblichen ein einziger, oft gestielter Stempel mit zwei, bisweilen in zwei Schenkel gespaltenen Narben neben einer honigabsondernden Drüse stehen. Die männlichen Kätzchen fallen gleich nach der Blütezeit ab, die weiblichen nach der Bildung der Früchte und der Samenreife. Die Frucht ist eine einfächerige, mit zwei Klappen aufspringende Kapsel, die viele kleine, mit einem Schöpf seidenglänzender Haare besetzte Samen enthält. Die Weidenarten bilden sehr leicht und sehr zahlreiche Bastarde. Von dieser spontanen Bastarderzeugung, die die Bestimmung der zahlreichen Arten außerordentlich erschwert, hat man sich durch Versuche (künstliche Kreuzung) überzeugt. Infolge dieser besonders durch Wimmer und Wichura angestellten Versuche haben sich sehr viele bisher für eigene Arten oder auch für Varietäten gehaltene W. als Bastarde herausgestellt. Nach Andersson kommen auf der ganzen Erde 160 Arten vor und 68 Bastarde, nach Wimmer in Europa 31 Arten und 57 Bastarde. Die W. zerfallen in mehrere naturgemäße Gruppen, z. B. Gletscherweiden, kleine niedrigliegende Sträucher mit endständigen Kätzchen; Purpurweiden, aufreckte Sträucher und Bäume mit purpurroten Staubbeuteln und verwachsenen Staubfäden; Sahlweiden, Sträucher und Bäume mit gestieltem, filzigem Fruchtknoten; Baumweiden, Bäume, deren Kätzchenschuppen sich vor dem Abfallen der Kätzchen von der Spindel lösen u. s. w.
Alle W. werden von vielen Insekten bewohnt, die in den Weidenanlagen mitunter empfindlichen Schaden anrichten, z. B. verschiedene Bockkäfer (Aromia moschata L., Lamia textor L.) und Blattkäfer (Phyllodecta Vitellinae L., vulgatissima L. und Viennensis Schrk.), einige Gallmücken (Cecidomyia salicina Schrk. und saliciperda Duf.) u. a. m. Auch mancherlei Schmarotzerpilze treten schädlich auf. Die jungen W. sind sehr empfindlich gegen Verdämmung durch Unkräuter und Verbiß.
In ökonomischer Hinsicht sind die W. von großem und mannigfachem Nutzen. Zwar geben die Stämme nur wenig wertvolles Nutz- und Brennholz, doch gebraucht man die Kohle der Sahlweide (Salix caprea L.) zum Zeichnen und zur Bereitung des Schießpulvers, die Rinde von dieser und der weißen W. (Salix alba L.; s. Tafel Laubhölzer: Waldbäume VI, Fig. 2 als Baum sowie: 1 männliches, 2 weibliches Blütenkätzchen, 3 Blatt, 4 Fruchtstand, 5 männliche, 6 weibliche Blüte, 7 Frucht, 8 Same) zum Gerben des dän.