Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

585

Weide (spanische) - Weidmannsche Buchhandlung

Handschuhleders sowie zum Färben. Ein in der Weidenrinde enthaltenes Alkaloid (Salicin) findet mediz. Verwendung. Die bei den meisten W., mit Ausnahme der Bruchweide (Salix fragilis L.), sehr zähen und biegsamen Zweige dienen zu vielerlei Flechtwerk. Hauptsächlich finden hierzu Verwendung die ein- oder zweijährigen, üppig erwachsenen Stockausschläge (Ruten) der Korbweide (Salix viminalis L.), Purpurweide (Salix purpurea L.), Mandelweide (Salix amygdalina L.), der kaspischen oder schwarzen W. (Salix acutifolia Willd.). Weidenniederwald ist ein sehr lohnender forstlicher Betrieb. Baumweiden werden vielfach auch als Kopfholz behandelt. Die W. liefern überdies den Böttchern vortreffliche Reifen, Material zum Faschinenbau, zum Binden von Hecken u. s. w. Sie vervielfältigen sich leicht durch Stecklinge und bilden in kurzer Zeit dichte Gehege, weshalb man sie zur Befestigung der Ufer und Dämme verwendet; besonders geeignet hierzu Salix viminalis L., purpurea L., triandra L. (amygdalina L.). Zur Befestigung der Dünen an der Ostsee ist vielfach angebaut Salix acutifolia Willd. Häufige Verwendung finden die W. auch als Ziergehölze in Gärten u. s. w., so z. B. namentlich die aus dem Orient stammende Trauerweide (Salix babylonica L.) auf Kirchhöfen. – Vgl. Wimmer, Salices europaeae (Bresl. 1866); Andersson, Monographia salicum (Stockh. 1867); Krahe, Lehrbuch der rationellen Korbweidenkultur (5. Aufl., Aachen 1897).

Weide, spanische, Pflanzenart, s. Ligustrum.

Weidefütterung, s. Futter.

Weidegerechtigkeit, Weiderecht, s. Hutungsrecht.

Weideklee, s. Klee und Tafel: Futterpflanzen Ⅰ, Fig. 2.

Weiden in Bayern, Stadt im Bezirksamt Neustadt a. d. Waldnaab des bayr. Reg.-Bez. Oberpfalz, in 414 m Höhe, an den Linien München-Regensburg-Hof, W.-Bayreuth-Neuenmarkt (78,9 km) und der Nebenlinie W.-Neukirchen (51,5 km) der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Landgerichts (Oberlandesgericht Nürnberg) mit 11 Amtsgerichten (Auerbach, Erbendorf, Eschenbach, Kemnath, Neustadt a. d. Waldnaab, Oberviechtach, Tirschenreuth, Vilseck, Vohenstrauß, Waldsassen, W.), eines Amtsgerichts, Oberbahnamtes, Straßen- und Flußbauamtes und Bezirkskommandos, hat (1895) 6963 E., darunter 1925 Evangelische und 113 Israeliten, zwei Postexpeditionen mit Telegraph, Bezirksgremium, kath. und evang. Kirche, Schloß, Realschule, Präparandenanstalt, landwirtschaftliche Winterschule, Agentur der Bayrischen Notenbank; Maschinen- und Porzellanfabrikation, Torfstiche, Landwirtschaft, Viehzucht und in der Nähe die Glashütten Ullersricht und Moosburg.

Weidenau an der Sieg, preuß. Dorf, s. Bd. 17.

Weidenberg, Marktflecken im Bezirksamt Bayreuth des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, an der Steinach und der Nebenlinie Bayreuth-Warmensteinach der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Bayreuth) in einem ehemaligen Schloß, hat (1895) 1465 E., darunter 88 Katholiken, Postexpedition, Telegraph und evang. Kirche.

Weidenbohrer (Cossus ligniperda L.), ein bis 94 mm klafternder europ. Nachtfalter aus der Sippe der Spinner, von graubrauner Farbe, mit weißgesprenkelten und schwarzgestrichelten Vorderflügeln. Die mattrote, oft schädlich auftretende, auf der Oberseite braunrote Raupe lebt zwei Jahre im Holz von Laubbäumen, namentlich der Weiden, und macht sich durch starken Geruch bemerkbar. ^[Spaltenwechsel]

Weidenlaubsänger, s. Laubsänger.

Weidenraupe, die Raupe des Weidenbohrers (s. d.).

Weidenröschen, Pflanzengattung, s. Epilobium.

Weidenschwamm, Pilzart, s. Polyporus.

Weidenspier, Pflanzenart, s. Spiraea.

Weidenzeisig, Weidenlaubsänger, s. Laubsänger.

Weiderecht, s. Hutungsrecht.

Weiderich, Pflanzengattung, s. Lythrum.

Weidewechselwirtschaft, s. Koppelwirtschaft.

Weidig, Friedr. Ludw., politisch Verfolgter, geb. 15. Febr. 1791 zu Oberkleen in der ehemaligen Herrschaft Kleeburg (Kreis Wetzlar), wurde Rektor an der Lateinschule zu Butzbach und verwickelte sich in die polit. Bestrebungen der dreißiger Jahre. Nach der gegen seinen Willen erfolgten Versetzung an die Pfarrei Obergleen in Oberhessen wurde er 1835 der Abfassung und heimlichen Verbreitung revolutionärer Druckschriften sowie der Mitwissenschaft und Mitwirkung am Frankfurter Attentat angeklagt und verhaftet. Am 23. Febr. 1837 erfuhr man, daß sich W. mit Scherben die Adern durchschnitten habe und gestorben sei. Die Untersuchung ergab, daß die wahrscheinliche Veranlassung von W.s Tode eine an ihm verübte körperliche Mißhandlung war. W. ist Verfasser einer Anzahl inniger «Gedichte», herausgegeben von einigen Freunden (Mannh. 1847), und mehrerer kleiner Schriften. – Vgl. Der Tod des Pfarrers W. (Zür. 1843); Nöllner, Aktenmäßige Darlegung des Verfahrens gegen W. (Darmst. 1844); Schulz und Welcker, Geheime Inquisition u. s. w. Schlußverhandlung mit vielen neuen Aktenstücken über den Prozeß W. (Karlsr. 1845).

Weidlingau, Dorf bei Wien, s. Hadersdorf.

Weidmann, soviel wie Jäger.

Weidmannsche Buchhandlung in Berlin, eine der ältesten deutschen Verlagsbuchhandlungen, hervorgegangen in Leipzig wahrscheinlich aus einer Buchhandlung von Ritter daselbst, die um 1682 Georg Moritz Weidmann (geb. 13. März 1658 in Speyer, gest. 13. Aug. 1693) unter eigenem Namen übernahm. Nachfolger war Joh. Ludw. Gleditsch (geb. 24. März 1663, gest. 20. Jan. 1741), dann des erstern Sohn Georg Moritz Weidmann (geb. 23. Jan. 1686, gest. 3. Mai 1743 als kursächs. Rat und Geh. Kämmerer) und hierauf dessen Witwe und Tochter. Das Geschäft hatte zeitweilig Zweigniederlassungen in Warschau und Stockholm. Ein neuer Aufschwung trat ein, als Philipp Erasmus Reich (s. d.) 1747 Geschäftsführer und 1762 Teilhaber wurde (Firma nun bis 1787: Weidmanns Erben & Reich). Der «Meßkatalog» (s. d.) wurde 1759 erworben; Werke von Wieland, Gellert, Lessing, Lavater, Heyne, Joh. Müller u. a. wurden verlegt. 1822 wurde das Geschäft von Georg Andreas Reimer (s. Reimer, Georg) übernommen, der es 1832 seinem Sohn Karl Reimer (geb. 26. Okt. 1801 in Berlin, gest. 29. Juli 1858 daselbst) und seinem Schwiegersohn Salomon Hirzel (s. d.) übergab. Nach dem Austritt des letztern 1852 verlegte ersterer das Geschäft im Okt. 1854 nach Berlin. 1865 wurde Besitzer Karls Sohn Hans Reimer (geb. 27. Juni 1839 in Leipzig, gest. 21. Sept. 1887), und nach dessen Tode seine Witwe Emma, geborene Meyer, sowie die minderjährigen Söhne Karl und Hans, die in der Leitung des Geschäfts nach testamentarischer