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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Weiß; Weissagung

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Weiß - Weissagung

Weiß, die Farbe des Sonnenlichts, das aus einer unendlich großen Anzahl verschiedener Farben zusammengesetzt ist (s. Farbenlehre), oder überhaupt ein Licht, das in gleichem Verhältnis wie jenes zusammengesetzt ist, wie das Kalklicht, das Magnesiumlicht, das elektrische Bogenlicht. Ferner ist W. die Farbe eines Körpers, wenn seine nicht polierte Oberfläche alle im Sonnenlicht vorhandenen farbigen Strahlen zurückstrahlt und wenn er auch das in eine gewisse Tiefe eindringende Sonnen- oder Tageslicht in ungeänderten Verhältnissen der farbigen Bestandteile wiedergiebt.

Weiß, Bernhard, prot. Theolog, geb. 20. Juni 1827 zu Königsberg, studierte daselbst, in Halle und Berlin, habilitierte sich 1852 in Königsberg, wurde daselbst 1857 außerord. Professor, 1863 ord. Professor der Theologie in Kiel, 1877 in Berlin. 1874‒77 war er Mitglied des Konsistoriums in Kiel, 1879‒80 desjenigen in Berlin, wurde 1880 Oberkonsistorialrat und vortragender Rat im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten, 1893 Wirkl. Oberkonsistorialrat. W.’ Hauptwerke sind: «Lehrbuch der biblischen Theologie des Neuen Testaments» (Berl. 1868; 6. Aufl. 1895), «Leben Jesu» (2 Bde., ebd. 1882; 3. Aufl. 1888) und «Einleitung in das Neue Testament» (ebd. 1886; 3. Aufl. 1897); ferner schrieb er: «Der petrinische Lehrbegriff» (ebd. 1855), «Der Philipperbrief» (ebd. 1859), «Der johanneische Lehrbegriff» (ebd. 1862), «Das Markusevangelium und seine synoptischen Parallelen» (ebd. 1872), «Das Matthäusevangelium und seine Lukasparallelen» (Halle 1876), «Die Johannesapokalypse» (Lpz. 1891), «Das Neue Testament. Textkritische Untersuchungen und Textherstellung», Tl. 1‒2 (Lpz. 1894‒96), «Die paulinischen Briefe im berichtigten Text» (ebd. 1896). Außerdem lieferte W. für Meyers «Kritisch-exegetischen Kommentar über das Neue Testament» (Göttingen) die Neubearbeitung der Evangelien Matthäus (8. Aufl. 1890), Markus und Lukas (8. Aufl. 1892, mit seinem Sohn Johannes), Johannes (8. Aufl. 1893), des Römerbriefs (8. Aufl. 1891), und die selbständige Bearbeitung der Pastoralbriefe: Pauli Briefe an Timotheus und Titus (6. Aufl. 1893), des Hebräerbriefs (6. Aufl. 1897) und der Johannesbriefe (6. Aufl. 1888).

Sein Sohn Johannes W., prot. Theolog, geb. 13. Dez. 1863 zu Kiel, habilitierte sich 1888 in Göttingen, wurde daselbst 1890 außerord. Professor, 1895 ord. Professor in Marburg. Er schrieb: «Der Barnabasbrief, kritisch untersucht» (Berl. 1888), «Die Predigt Jesu vom Reiche Gottes» (Gött. 1892), «Die Nachfolge Christi und die Predigt der Gegenwart» (ebd. 1895), «Beiträge zur paulinischen Rhetorik» (ebd. 1897).

Weiß, Christian Samuel, Mineralog und Krystallograph, geb. 26. Febr. 1780 zu Leipzig, studierte in Leipzig, Berlin und Freiberg. 1803 habilitierte er sich in Leipzig und ward, nachdem er seit 1805 Deutschland, die Schweiz und Frankreich bereist hatte, 1808 ord. Professor der Physik und 1810 als Professor der Mineralogie an die Universität Berlin berufen. Er starb 1. Okt. 1856 auf einer Reise zu Eger in Böhmen. W. hat den mathem. Teil der Mineralogie nach einer sehr naturgemäßen Methode zu einem hohen Grade der Vollkommenheit ausgebildet. Auch war er der erste, der in seiner Abhandlung «Über die natürlichen Abteilungen der Krystallisationssysteme» (1813) eine solche Abteilung als die Grundlage alles krystallographischen Wissens und des Krystallaufbaues aufstellte, wofür seine Krystallsysteme noch heutigentags gelten. – Vgl. Martius, Denkrede auf Christian Samuel W. (Münch. 1857).

Weiß, Hermann Friedrich Adolf, prot. Theolog, geb. 29. Sept. 1833 zu Rottenburg (Württemberg), studierte im Tübinger Stift, wurde 1858 Repetent daselbst, 1863 Diakonus in Vaihingen, 1869 in Nürtingen und 1875 ord. Professor der praktischen Theologie, Ethik und Pädagogik und Vorstand der evang. Predigeranstalt in Tübingen; er trat 1891 in den Ruhestand. W. veröffentlichte: «Sechs Vorträge über die Person Christi» (Ingolstadt 1863), «Über die hauptsächlichsten Bildungsideale der Gegenwart» (Tüb. 1876), «Die christl. Idee des Guten und ihre modernen Gegensätze» (Gotha 1877), «Schleiermachers Darstellung vom Kirchenregiment» (Berl. 1881), «Predigten über den zweiten Jahrgang der württemb. Evangelien» (Tüb. 1887, gemeinsam mit Kautzsch), «Einleitung in die christl. Ethik» (Freib. i. Br. 1889).

Weiß, Hermann Karl Jakob, Kulturhistoriker, geb. 2. April 1822 in Hamburg, bereitete sich zum Maschinenbaufach vor, widmete sich aber bald der (Figuren-) Malerei. Zunächst besuchte er das Atelier des Professors J. S. ^[Johann Samuel] Otto und wandte sich 1843 nach Düsseldorf, hier seine Studien an der Akademie unter der Leitung des Geschichtsmalers Theodor Hildebrandt fortsetzend. Daneben beschäftigte sich W. mit kunstwissenschaftlichen und kulturgeschichtlichen Studien. 1845 kehrte er nach Berlin zurück, wurde 1854 Lehrer an der Akademie der Künste, 1856 Professor, 1858 auch zur Mitverwaltung des Kupferstichkabinetts berufen. Letztere Stellung gab er 1877, erstere 1884 auf. 1879 wurde er Direktor des Zeughauses, 1883 Geh. Regierungsrat und trat 1895 in den Ruhestand. Er starb 21. April 1897 in Berlin. W. schrieb: «Geschichte des Kostüms» (Bd. 1: «Afrika», Berl. 1853), «Kostümkunde. Geschichte der Tracht, des Baues und des Geräts von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart» (3 Tle., Stuttg. 1856‒72; 2. Aufl. 1881 fg.).

Weissagung (mit «wissen», nicht mit «sagen» zusammenhängend), im allgemeinen die durch übernatürliche Eingebung bewirkte Verkündigung des göttlichen Willens, insbesondere der verborgenen Ratschlüsse Gottes über das künftige Menschenschicksal. Wahrsagung oder Wahrsagerei bedeutet ursprünglich dasselbe, doch hat man sich früh gewöhnt, dabei eine durch widergöttliche Zauberkünste erlangte Kenntnis des Zukünftigen vorauszusetzen. Die Voraussagung der Zukunft war eine schon bei Persern, Chaldäern und Ägyptern gepflegte Kunst. Bei den Israeliten bildete sich im Unterschiede von bloßer Wahrsagerei frühzeitig das Prophetentum (s. Propheten) aus, als der Dolmetscher des Willens des Bundesgottes; doch erhielt sich daneben auch die Wahrsagekunst in mancherlei Gestalten. Bei den Griechen stand W., Mantik genannt, in engstem Verbande mit der Religion und dem gesamten Staatsleben. Am unmittelbarsten sprach sich nach griech. Glauben die Gottheit aus durch die an bestimmte Stätten geknüpften Orakel (s. d.). Dann gab die Gottheit Auskunft durch den Mund gewisser Menschen, der Seher (mántis, lat. vates), denen die göttliche Gunst verliehen war und zu denen auch die Sibyllen (s. d.) gehörten. Ferner suchte man orakelhafte Antworten zu gewinnen durch Befragung der Verstorbenen, durch Nekromantie (s. d.), und vermeinte auch aus Träumen den Willen der Göt- ^[folgende Seite]