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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Weißblütiger Steinklee; Weißblütigkeit; Weißbrot; Weißbuch; Weißbuche; Weißdorn; Weiße

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Weißblütiger Steinklee - Weiße

bildung nach dem Grundprisma, nach dem auch ausgezeichnete Durchkreuzungsdrillinge vorkommen (s. nachstehende Abbildung); herzförmige Zwillinge werden nach einem andern Gesetz gebildet. Das W. ist spröde und leicht zersprengbar, von der Härte 3 bis 3,5, dem spec. Gewicht 6,4 bis 6,6, farblos, oft weiß, aber auch grau, gelb, selbst schwärzlich (durch Kohle oder durch allmähliche Umwandlung in Schwefelblei), diamantglänzend oder fettglänzend, pellucid in hohen und mittlern Graden. Fundorte: Johanngeorgenstadt, Zellerfeld, Clausthal, Přibram, Braubach, Ems, Tarnowitz u. a. Das W. bildet auch Pseudomorphosen nach Bleiglanz, Bleihornerz, Bleivitriol und andern Mineralien und ist meist aus ersterm hervorgegangen.

^[Abb.]

Weißblütiger Steinklee, s. Melilotus.

Weißblütigkeit, s. Leukämie.

Weißbrot, s. Brot und Brotbäckerei.

Weißbuch, s. Gelbbuch.

Weißbuche, s. Hornbaum und Tafel: Laubhölzer: Waldbäume Ⅱ, Fig. Ⅰ.

Weißdorn, Pflanzenarten, s. Crataegus.

Weiße, Christian Felix, Dichter und Jugendschriftsteller, geb. 28. Jan. 1726 zu Annaberg, studierte seit 1745 in Leipzig Philologie, schloß sich hier innig an Lessing an und begann mit diesem für das deutsche Theater zu arbeiten. 1750 kam er als Hofmeister zu einem Grafen von Geyersberg, mit dem er mehrere Jahre in Leipzig verweilte und 1759 nach Paris ging. 1761 wurde er Kreissteuereinnehmer in Leipzig und starb daselbst 10. Dez. 1804. Zum Andenken an ihn wurde 1826 in Annaberg durch Sammlungen eine Schule für arme Kinder unter dem Namen Weißensstiftung errichtet. W. hat durch seine vielseitige Leichtigkeit und seine unermüdliche Betriebsamkeit eine litterar. Rolle gespielt, zu der ihn sein jeder Originalität entbehrendes kleines Talent nicht berechtigte. Er begann als Lyriker mit «Scherzhaften Liedern» (Lpz. 1758) im Geschmack der Anakreontiker; seine «Amazonenlieder» (ebd. 1760) schließen sich an Gleims «Grenadierlieder» an. Mit seinen «Trauerspielen» (3 Bde., Lpz. 1776‒80), die zum Teil mit Shakespeare wetteifern («Richard Ⅲ.», «Romeo und Julia»), seinen «Lustspielen» (3 Bde., Lpz. 1783, darin das litterar.Stück «Die Poeten nach derMode»), namentlich aber mit seinen «Komischen Opern» (3 Bde., ebd. 1768‒71), die J. A. Hiller ^[Johann Adam] komponierte, beherrschte er jahrelang die Leipziger Bühne. Von diesen Operetten hat «Der Teufel ist los» einen für Gottsched verhängnisvollen litterar. Kampf entfesselt; andere sind: «Lottchen am Hofe», «Die Liebe auf dem Lande», «Die Jagd». Als Herausgeber der «Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste» (Lpz. 1705‒1806) hat er Decennien hindurch Einfluß geübt. Am liebenswürdigsten und selbständigsten waren seine Schriften für die Jugend, welchen Litteraturzweig er eigentlich begründet hat. Seine «Lieder für Kinder» (Flensb. 1776‒77), sein «A-b-c-Buch» wurden mit verdientem Beifall aufgenommen. Von 1775 an gab er den «Kinderfreund» (24 Bde., 1776‒82), eine belehrende Wochenschrift für Kinder, heraus, dem sich der «Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes» (12 Bde., 1783‒92) anschloß. – Vgl. J. Minor, Christian Felix W. und seine Beziehungen zur deutschen Litteratur des 18. Jahrh. (Innsbr. 1881).

Weiße, Christian Herm., Philosoph, Enkel des vorigen, geb. 10. Aug. 1801 zu Leipzig, widmete sich daselbst dem Studium der Rechte, mit dem sich jedoch frühzeitig die Neigung zu philos. Studien verband. Er habilitierte sich 1823 in Leipzig , entsagte 1837 der akademischen Thätigkeit und lebte auf seinem Landgut zu Stötteritz bei Leipzig, nahm aber später seine Thätigkeit wieder auf und wurde 1845 ord. Professor der Philosophie. Er starb 19. Sept. 1866. Seine ersten Schriften waren: «Über das Studium des Homer und seine Bedeutung für unser Zeitalter» (Lpz. 1826) und «Über den Begriff, die Behandlung und die Quellen der Mythologie» (ebd. 1828), in der sich schon die ersten Spuren einer philos. Differenz von Hegel zeigten. Das erste ausdrückliche Zeugnis dieser Entfernung von Hegel war die Schrift «Über den gegenwärtigen Standpunkt der philos. Wissenschaft» (Lpz. 1829). Gleichzeitig ließ er die Übersetzungen von Aristoteles’ «Physik» (Lpz. 1829) und «Von der Seele» (ebd. 1829) sowie die Abhandlung «De Platonis et Aristotelis in constituendis summis philosophiae principiis differentia» (ebd. 1828) erscheinen. Sein erstes Hauptwerk ist das «System der Ästhetik als Wissenschaft von der Idee der Schönheit» (2 Bde., Lpz. 1830). Demnächst erschienen: «Die Idee der Gottheit» (Dresd. 1833), «Die philos. Geheimlehre über die Unsterblichkeit des menschlichen Individuums» (ebd. 1834), ein Thema, das er außerdem in zwei unter dem Namen Nikodemus herausgegebenen Schriftchen: «Theodicee, in deutschen Reimen» (ebd. 1834) und «Büchlein von der Auferstehung» (ebd. 1836), behandelte, und die «Grundzüge der Metaphysik» (Hamb. 1835). In loserm Zusammenhange mit W.s allgemeiner philos. Tendenz stehen die «Kritik und Erläuterung des Goetheschen Faust» (Lpz. 1837) und «Die evang. Geschichte kritisch und philosophisch bearbeitet» (2 Bde., ebd. 1838), worin er als einer der ersten, die später so allgemein gewordene sog. «Markushypothese» durchführte. Mit seiner Rede «In welchem Sinne sich die deutsche Philosophie wieder an Kant zu orientieren hat» (Lpz. 1847) trat seine Abwendung von der dialektischen Methode und sein Bestreben, dem pantheïstischen Idealismus Hegels das System eines ethischen Theïsmus entgegenzusetzen, in freiem und kritischem Anschluß an das christl. Dogma immer entschiedener hervor, zuerst in der anonymen Schrift «Über die Zukunft der evang. Kirche. Reden an die Gebildeten deutscher Nation» (ebd. 1849), dann in seinem bedeutendsten Werke, der «Philos. Dogmatik oder Philosophie des Christentums» (3 Bde., ebd. 1855‒62), wozu seine «Christologie Luthers» (ebd. 1852; 2. Aufl. 1855) und «Die Evangelienfrage in ihrem gegenwärtigen Stadium» (ebd. 1856) Ergänzungen bilden. Außerordentlich umfassend war seine journalistische Thätigkeit; ein Verzeichnis hiervon findet sich in Fichtes «Zeitschrift für Philosophie» (1869, Bd. 55). Aus seinem Nachlasse gaben Sulze «Beiträge zur Kritik der Paulinischen Briefe» (Lpz. 1867) und Seydel «Kleine Schriften zur Ästhetik und ästhetischen Kritik» (ebd. 1867) sowie «W.s Psychologie und Unsterblichkeitslehre» (ebd. 1869) und «Christian Hermann W.s System der Ästhetik nach dem Kollegienhefte letzter Hand» (ebd. 1872) heraus. – Vgl. Seydel, Lebensskizze und Charakteristik W.s (Lpz. 1866), in erweiterter Gestalt, aufgenommen in Seydels «Religion und Wissenschaft» (Bresl. 1887).