Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

608
Weißblütiger Steinklee - Weiße
bildung nach dem Grundprisma, nacb dem auch
aufgezeichnete Durchkreuzungsdrillinge vorkommen
<s. nachstehende Abbildung); hcrzsörnlige Zwillinge
werden nach einem andern Gesetz gebildet. Das
W. ist spröde und leicht zersprengbar, von der Härte
3 bis 3,5, dem spec. Gewicht 0,4 bis
6,", farblos, oft weiß, aber auch
grau, gelb, selbst schwärzlich (durch
Kohle oder durch allmähliche Um-
> Wandlung in ^chwefelblei), dia-
' mantglänzelld oder fettglänzend,
pellucid in hohen und niittlern
Graden. Fundorte: Johanngeor-
genstadt,Zellerfeld,Clansthal,Pri-
bram, Braubach, Ems, Tarnowitz
u. a. Das W. bildet auch Pseudomorphosen nach
Bleiglanz, Bleihornerz, Bleivitriol und andern Mi-
neralien und ist meist aus crsterm bervorgegangen.
Weißblütiger Steinklee, s. !>l< Iil<in8.
Weitzblütigkeit, s. Leukänlie.
Weißbrot, s. Brot und Brotbäcterei.
Weißbuch, s. Gelbbuch.
Weißbuche, s. Hornbaum und Tafel: Laub-
bolzer: Waldbäume II, Fig. I.
Weißdorn, Pflanzenarten, s. l'rlUlu^u".
Weiße, Christian Felix, Dickter und Ingeud- !
scbriftsteller, geb. 28. Jan. 172l> zu Annaberg, !
studierte seit 1745 in Leipzig Philologie, schloß sich !
dier innig an Messing an und begaun mit diesenl für !
das deutsche Theater zu arbeiten. 1750 kam er als !
Hofmeister zu einenl Grafen von Geyersberg, mit dem
er mehrere Jahre in Leipzig verweilte und 1759 nach
Paris ging. 1701 wurde er Kreissteuercinnehmer in
Leipzig und starb daselbst 10. Dez. 1804. Zum An-
denken an ihn wurde 1826 in Annaberg dnrch Samm-
lungen eine Schule für arme linder nnter dem Na-
men W eisi ens stiftn ng errichtet. W. hat durch
seine vielseitige Leichtigkeit und seine unermüdliche
Betriebsamkeit eine litterar. Rolle gespielt, zu der ihn
sein jeder Originalität entbehrendes kleines Talent
nicht berechtigte. Er begann als Lyriker mit "Scherz-
basten Liedern" (Lpz. 1758) im Gesckmack der Ana-
treontiker; seine "Amazonenlieder" lebd. 1760) schlie-
ßen sich an Gleims "Grenadierlieder" au. Mit seineu
"Trauerspielen" (3 Bde., Lpz. 1770-80), die zum Teil
mit Shakespeare wetteifern ("Richard IN.", "Romeo
und Julia"), seinen "Lustspielen" (3 Bde., Lpz. 1783,
darin das litterar.Stück "Die Poeten nach derMode"),
namentlich aber mit seinen "Komischen Opern"
<3 Bde., ebd. 1708-71), die I. A. Hiller komponierte,
beherrschte er jabrelang die Leipziger Bühne. Von
diesen Operetten hat "Der Teufel ist los" einen für
Gottsched verbängnisvollen litterar. Kampf ent-
fesselt', andere sind: "Lottchen am Hofe", "Die Liebe
auf dem Lande", "Die Jagd". Als Heransgeber der
"Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien
Künste" (Lpz. 1705-1.^00) bat er Deeennien hin-
durch Einfluß geübt. Am liebenswürdigsten und
selbständigsten waren seine Schriften für die Jugend,
welchen Litteratnrzweig er eigentlick begründet bat.
Seine "Lieder für Klnder" (Flensb. 1770-77), sein
"A-b-c-Buch" wurden mit verdientem Beifall auf-
genommen. Von 1775 an gab er den "Kinderfreund"
<24 Bde., 1770-82), eine belehrende Wochensckrift
für Kinder, beraus, dein sich der "Briefwechsel der
Familie des Kinderfreundes" (12 Bde., 1783-92)
anschloß. - Vgl. I. Minor, Christian Felix W.
und seine Beziehungen zur deutschen Litteratur des
18. Jahrh. (Innsbr. 1881).
Weiße, Christian Herm., Philosoph, Enkel
des vorigen, geb. 10. Aug. 1801 zu Leipzig, wid-
mete sich daselbst dem Studium der Rechte, mit
dem sich jedoch frühzeitig die Neigung zu philos.
Studien verband. Er habilitierte sich 1823 in Leip-
zig , entsagte 1837 der akademischen Thätigkeit und
lebte auf seinem Landgut zu ^tötteritz bei Leipzig,
nahn: aber später seine Thätigkeit wieder auf und
wurde 1845 ord. Professor der Philosophie. Er
starb 19. Sept. 1866. Seine ersten Sckriften wa-
ren: "Über das Studium des Homer und seine Be-
deutung für unser Zeitalter" (Lpz. 1826) und "über
den Begriff, die Behandlung und die Quellen der
Mythologie" (ebd. 1828), in der sich schon die
ersten spuren einer philos. Differenz von Hegel
zeigten. Das erste ausdrückliche Zeugnis dieser Ent-
fernung von Hegel war die Schrift "Über den gegen-
wärtigen Standpunkt der philos. Wissenschaft" (Lpz.
1829). Gleichzeitig ließ er die Übersetzungen von
Aristoteles' "Physik" (Lpz. 1829) und "Von der
Seele" (ebd. 1829) sowie die Abhandlung "1)6
1>Wt0N18 6t ^118t0t6li8 in C0N8titU6näi8 8NN1M18
1)llii080pliia6 pi'incipiis äift'0i6ntia" (ebd. 1828)
erscheinen. Sein erstes Hauptwerk ist das "System
der Ästhetik als Wissenschaft von der Idee der
Schönheit" (2 Bde., Lpz. 1830). Demnächst erschie-
nen: "Die Idee der Gottheit" (Dresd. 1833), "Die
philos. Geheimlehre über die Unsterblichkeit des
menschlichen Individuums" (ebd. 1834), ein Thema,
das er außerdem in zwei nnter dem Namen Niko-
d emus herausgegebenen Schriftchen: "Theodicee, in
deutschen Reimen" (ebd. 1834) und "Büchlein von
der Auferstehung" (ebd. 1836), behandelte, und die
"Grundzüge der Metaphysik" (Hamb. 1835). In
loserm Zusammenhange mit W.s allgemeiner philos.
Tendenz stehen die "Kritik und Erläuterung des
Goetheschen Faust" (Lpz. 1837) und "Die evang.
Geschichte kritisch und philosopbisck bearbeitet"
(2 Bde., ebd. 1838), worin er als einer der ersten,
die später so allgemein gewordene sog. "Markus-
hypothese" dnrchführte. Mit seiner Rede "In welchem
Sinne sich die deutscke Philosophie wieder an Kant
zu orientieren hat" (Lpz. 1847) trat seine Abwen-
dung voir der dialektischen Methode und sein Be-
streben, dem panthe'istischen Idealismns Hegels das
System eines ethischen Theismus entgegenzusetzen,
in freiem und kritischem Anschluß an das christl.
Dogma immer entschiedener hervor, zuerst in der
anonymen Schrift "Über die Zukunft der evang.
Kirche. Reden an die Gebildeten dentscher Nation"
(ebd. 1849), dann in seinem bedeutendsten Werke,
der "Philos. Dogmatik oder Philosophie des Christen-
tums" (3 Bde., ebd. 1855-02), wozu seine "Christo-
logie Luthers" (ebd. 1852; 2. Aufl. 1855)) und "Die
Evangelienfrage in ihrem gegenwärtigen Stadium"
(ebd. 1850) Ergänzungen bilden. Außerordentlich
umfassend war seine journalistische Thätigkeit; ein
Verzeichnis hiervon findet sich in Fichtes "Zeitschrift
für Philosophie" (1809, Bd. 55). Aus seinem Nach-
lasse gaben Eulze "Beiträge zur Kritik der Paulini-
schen Briefe" (Lpz. 1807) und Seydel "Kleine Schrif-
ten zur Ästhetik und ästhetischen Kritik" (ebd. 1867)
sowie "W.s Psychologie und Unsterblichkeitslehre"
(ebd. 1869) und "Christian Hermann W.s System
der 'Ästhetik nach dem Kollegienhefte letzter Hand"
(ebd. 1872) heraus. - Vgl. Seydel, Lebensskizze und
Charakteristik W.s (Lpz. 1866), in erweiterter Gestalt,
aufgenommen in Seydels "Religion und Wissen-
schaft" (Bresl. 1887).