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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Welfenlegion - Wellen
Herzog von Cumberland (s. d.) die Einkünfte aus dem W. ausgezahlt werden.
Welfenlegion, eine 1867 von dem ehemaligen König Georg V. von Hannover ans einigen hundert Mann der frühern hannov. Armee errichtete Freischar, die, nachdem man sie ans den Niederlanden und der Schweiz verwiesen hatte, bei Napoleon III. Duldung fand, aber sich bald auslöste.
Welfesholz, s. Gerbstädt.
Wölfische Partei, s. Deutsch-hannoversche Rechtspartei.
Welîd, Name zweier Chalifen aus der omajjadischen Dynastie (s. Chalif).
Welíkaja, Fluß in den russ. Gouvernements Pskow und teilweise Witebsk, mündet nach 550 km in den Pskowschen See (s. Peipussee); an ihm liegt
die Stadt Pskow, von wo an die W. schiffbar ist.
Welíkij (russ.; poln. Wielki), groß; häufig in Ortsnamen vorkommend. Die weibliche Form ist Welíkaja (Wielka), die sächliche Welíkoje (Wielkie); in Zusammensetzungen Weliko- (Wielko-).
Welíkija Luki. 1) Kreis im südl. Teil des russ. Gouvernements Pskow, im Gebiet des Lowat, hat 4798,6 km, 183719 E.; Acker-, Obstbau, Böttcherei, 3 Branntweinbrennereien, 2 Brauereien. - 2) Kreisstadt im Kreis W. L., am Lowat, hat (1893) 7478 E., Post, Telegraph, 9 Kirchen, 1 Mönchs-, 1 Nonnenkloster, Realschule; Stiefelfabrikation, 6 Gerbereien, 2 Seifensiedereien, Lichterfabriken, 2 Brauereien, Mühle, gegenseitige Kreditgesellschaft.
Welikij Gorod, s. Bolgary.
Welikij-Ustjug, russ. Kreis und Kreisstadt, s. Ustjug-Welikij.
Welikoje, s. Welikij.
Welikoroßija, s. Großrußland.
Welish (Veliž. 1) Kreis im östl. Teil des russ. Gouvernements Witebsk, von der Düna durchschnitten, hat 4469,3 qkm, 74438 E., meist Weißrussen; Ackerbau, Holzindustrie, Schiffbau, 52 Fabriken, darunter 6 Branntweinbrennereien, 1 Glashütte, Mühlen, Holzstofffabrik. - 2) Kreisstadt im Kreis W., an der Düna, bat (1893) 18019 E., 9 russ. Kirchen, 1 Synagoge, 8 israel. Betschulen; Gerbereien, Töpferei, Brauerei, 1 Färberei, bedeutenden Handel mit Riga.
Welkboden, s. Malzdarren.
Wellandkanal, Kanal in Nordamerika. Er verbindet auf canad. Seite den Ontario- mit dem Eriesee, führt von Port-Coldorne nach Port-Dalbousie und ist 44 km lang. Der Kanal ist nach der Stadt Well and, einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt mit (1890) 2035 E., benannt.
Wellblech, Blechtafeln, die in der Breitenrichtung einen wellenförmig gestalteten Querschnitt besitzen, wodurch sie eine größere Steifheit und Tragfähigkeit gegenüber den ebenen Tafeln erhalten. Sowohl gerade gestreckt als nach einer Cylinderfläche gebogen (bombiert) findet das W. Vorzugsweise in der Bautechnik als raumabschließendes Konstruktionsglied Anwendung. Dächer aus bombiertem Eisenwellblech können bis zu 50 m Spannweite ohne besondere unterstützende Konstruktionsteile ausgeführt werden. In der Regel findet Eisen zur Herstellung von W. Verwendung, seltener Zink. Zum Schutz gegen Oxydation wird das eiserne W. mit einem gM dcknden Anstrich versehen oder verzinkt. Das zuerst hergestellte W. besaß nur niedrige Wellen; die neuern Herstellungsmethoden liefern W. bis zu 200 mm Wellentiefe bei 5 mm Blechstärke.
^[Abbildung]
Tiefgewelltes Blech von der nachstehend gezeichneten Wellenform, sog. Trägerwellblech, besitzt große Biegungsfestigkeit und ist deshalb besonders zur Herstellung von Decken und Fußböden geeignet, die große Lasten zu tragen haben. Die Herstellung des W. erfolgt durch Prägen oder Walzen. - Vgl. Wellblechwalzwerk von Vital Darlen (in der "Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure", 1887).
Welldaumen, Maschinenteil, s. Daumen.
Welle, im Maschinenbau eine Achse, welche Drehmomente zu übertragen hat. W. sind cylindrische Körper von kreisförmigem Querschnitt und in der Regel beträchtlicher Länge; dieselben werden durch in gewissen Abständen (bei Transmissionswellen etwa 2 m) angebrachte Lager (s. d.) unterstützt. Die W. tragen die Riemscheiben, Seilscheiben, Zahnräder, welche zur Übertragung der Bewegung auf die Arbeitsmaschinen dienen. Die Wellenachse liegt gewöhnlich horizontal; die früher gebräuchlichen Königswellen zur Überleitung der Triebkraft in höhere Stockwerke der Fabriken sind durch die Seiltriebe (s. d.) verdrängt. Bei Motoren und Pumpen werden die W. oft gekröpft is. Kröpfen).
Welle, beim Turnen, s. Drehen.
Wellen, regelmäßige Bewegungen, die dadurch entstehen, daß sich die Teilchen eines Körpers in Schwingungen (s. d.) befinden, deren Phase sich von Teilchen zu Teilchen regelmäßig ändert. W. entstehen in tropfbaren Flüssigkeiten, wie im Wasser, durch eine abwechselnde Hebung und Senkung, zum Teil auch durch eine abwechselnde horizontale Verschiebung der Flüssigkeitsteilchen; in Gasen, wie bei den Schallwellen in der Luft, durch eine abwechselnde Verdichtung und Verdünnung der Flüssigkeit, oder, wie bei den Lichtwellen im Äther, durch eine zur Fortpflanzungsrichtung senkrechte seitliche Verschiebung. In allen diesen Fällen pflanzt sich der Zustand (die Phase) der Wellenbewegung, in dem sich irgend ein Teilchen der Flüssigkeitsmasse zu einer gewissen Zeit befindet, von da auf die ferner liegenden Teilchen der Flüssigkeit allmählich fort, worauf das Fortschreiten der W. beruht. Der Abstand je zweier Teilchen, über den sich die schwingende Bewegung während einer ganzen Schwingung des ersten Teilchens verbreitet, heißt eine Wellenlänge oder Welle. Man unterscheidet Wellenberg und Wellenthal. Bei der Fortpflanzung der W., z. B. im Wasser, bewegt sich die Wassermasse nicht selbst fort, so daß etwa ein Wellenberg in das ihm vorangehende Wellenthal hineinstürzte, um es auszufüllen u. s. w., sondern die Gesamtheit der Wassermasse (oder der Luft- und Äthermasse) bleibt, abgesehen von der abwechselnden Hebung und Senkung der einzelnen Teilchen darin, an ihrer Stelle und bloß die Form der Welle ist fortschreitend. Wenn man das Ende eines auf einem Tisch liegenden Schlauches mit der Hand senkrecht zur Längenrichtung in Schwingungen (Transversalschwingungen) versetzt, so kann man das Fortschreiten der entstehenden W. (fortschreitenden W.) beobachten. In einer fortschreitenden Welle führen alle Teilchen dieselbe Schwingung aus, nur tritt dieselbe Phase desto später auf, je weiter das Teilchen vom Erregungsort entfernt