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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wiederkauf - Wiedertäufer

Aufnahme der grobgekauten Nahrungsmittel. Findet das Tier später Muße zum sorgfältigen Durchkauen derselben, so werden sie in größern Brocken in die Gaumenhöhle zurückbefördert und gleiten zuletzt, in dünnen Brei verwandelt, indem sich die nach dem Pansen führende Öffnung der Speiseröhre (a) schließt, in die untern Abteilungen, den zelligen Netzmagen (Haube, c), den faltigen Blättermagen (Psalter, Buch, Löser, b) und den Labmagen (e) hinab in den mit dem Zwölffingerdarm (f) beginnenden Dünndarm, wo die eigentliche Verdauung erfolgt. Der Darmkanal mißt das 12-24fache der Körperlänge bei den W. Den Kiefern fehlen (mit Ausnahme der Kamele, s. d.) die obern Vorderzähne, die durch einen knorpligen Wulst ersetzt werden; die untern Vorderzähne sind meist acht an Zahl; die Eckzähne fehlen häufig. Die Backzähne haben auf der Oberfläche mehrere vorstehende Schmelzfalten und können, um besser zum Zerreiben zu dienen, kreisförmig aufeinander herum geschoben werden. Die Füße der W. sind zum Laufe sehr passend eingerichtet. Die beiden mittlern Zehen sind in aneinander schließende Hufe eingehüllt (gespaltene Klauen), weshalb die W. auch Zweihufer genannt werden, während die verkümmerten äußern (Afterklauen) den Boden nicht berühren. Viele W. sind mit Hörnern oder Geweihen bewehrt.

^[Abb.]

Man teilt die W. in folgende Familien:

I. Tylopoda, Kamele (s. d.), mit dem Dromedar oder einhöckerigen Kamel (Camelus dromedarius Erxl., s. Tafel: Kamele I, Fig. 2), dem Trampeltier oder zweihöckerigen Kamel (Camelus bactrianus Erxl., Fig. 3), der Vicuña (Auchenia vicunna Fischer, s. Taf. II, Fig. 1), dem Lama (Auchenia lama Brandt, Fig. 2), Alpaka (Auchenia pacos Desm., Fig. 3) und Guanaco (Auchenia huanaco Smith, Fig. 4).

II. Tragulidae, Zwergmoschustiere (s. d.).

III. Moschidae, Moschustiere (s. d.), mit dem Moschus moschiferus L. (s. Tafel: Hirsche, Fig. 1).

IV. Camelopardalidae, Giraffen (s. d.), mit Camelopardalis giraffa Gmelin (s. Tafel: Giraffe).

V. Cervidae, Hirsche (s. d.), mit dem Milu (Cervus Davidianus Geoff., s. Tafel: Hirsche, Fig. 2), dem Renntier (Cervus tarandus L., Fig. 3), dem Damhirsch (Cervus dama L., Fig. 4), dem Reh (Cervus capreolus L., Fig. 5), dem Edelhirsch (Cervus elaphus L., Fig. 6) und dem Elentier (s. d., (Cervus Alces L., s. Tafel: Elentier).

VI. Cavicornia, Hohlhörner, mit den Unterfamilien: 1) Antilopinae, Antilopen (s. d. und Tafel: Antilopen I-III), mit der Streifenantilope (Tragelaphus scriptus Pall., s. Taf. I, Fig. 1), dem Nilgau (Portax pictus Pall., Fig. 2), der Gabelantilope (Antilocapra furcifer Smith, Fig. 3), dem Klippspringer (Oreotragus saltatrix Gray, Fig. 4), dem Gnu (Catoblepas Gnu Zimm., Fig. 5), dem Sassi (Strepsiceros cervicapra Pall., s. Taf. II, Fig. 1), der Säbelantilope (Oryx leucoryx Pall., Fig.2), der Gemse (Capella rupicapra Erxl., Fig. 3), der Gazelle (Gazella dorcas Pall., Fig. 4), der Saiga (Colus tartaricus Pall., Fig. 5), dem Hartebeest (Bubalis caama Cuv., s. Taf. III, Fig. 1), dem Blaubock (Hippotragus leucophaeus Pall., Fig. 2), dem Wasserbock (Kobus ellipsiprymnus Ogilb., Fig. 3), dem Kalabock (Kobus leucotis Lichtenst. et Pet., Fig. 4), dem Hegoleh (Cephalolophus Madoqua Rüpp., Fig. 5) und dem Dilubock (Cephalolophus grimmius Pall., Fig. 6). - 2) Ovinae, Ziegen (s. Ziege und Tafel: Ziegen I u. II) und Schafe (s. Schaf und Tafel: Schafe I u. II). Zu den Ziegen gehört die von Cypern durch den Kaukasus, Persien bis in die Mongolei vorkommende Bezoarziege (Capra aegagrus Gmel., s. Tafel: Ziegen I, Fig. 1), der Alpensteinbock (Capra ibex L., Fig. 2), der Thar (Capra bubalina Hodgs., s. Taf. II, Fig. 1) von Nepal und die Afghanistan, Kaschmir, Kleintibet u. s. w. bewohnende Schraubenziege (Capra Falconeri Hügel, Fig. 2). Zu den Schafen wird von manchen der Bisamochse (s. d., Ovibus moschatus, s. Tafel: Schafe I, Fig. 2) gerechnet, er scheint aber fast eine eigene Unterfamilie zu bilden. Echte Schafe sind der Kaschgar (Ovis Poli Blyth, Fig. 1), das Mähnenschaf (Ovis tragelaphus Desmar., s. Taf. II, Fig. 1), der Mouflon (Ovis musimon Schreber, Fig. 2) und das amerik. Bergschaf (Ovis montana Geoffr., Fig. 3). - 3) Rinder (s. d., Bovinae und Tafel: Rinder 1 u. II), mit dem Yack (Poëphagus grunniens H. Gm., s. Taf. I, Fig. 1), dem Kap- oder Kaffernbüffel (Bubalus Caffer Sparrm., s. Fig. 2 und Büffel), der Anoa (Anoa depressicornis H. Gm., s. Taf. II, Fig. 1, und Gemsbüffel) und dem amerik. Bison (Bos s. Bison americanus Gm., Fig. 2).

Wiederkauf, s. Rückkauf.

Wiederkehr, bei Gesimsen, s. Kröpfung.

Wiederkreuz, s. Kreuz nebst Textfigur 10.

Wiederkunft Christi, s. Chiliasmus.

Wiedersheim, Robert, Anatom, geb. 21. April 1848 zu Nürtingen in Württemberg, studierte in Tübingen und in Würzburg Anatomie, wurde 1873 Prosektor und ging in derselben Eigenschaft 1876 nach Freiburg i. Br. Hier wurde er noch in demselben Jahre außerord. und 1883 oro. Professor der Anatomie und Direktor der anatom. und vergleichenden anatom. Anstalt. Außer zahlreichen Abhandlungen über Anatomie und Entwicklungsgeschichte, besonders der Amphibien und Reptilien, sind sein "Lehrbuch der vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere" (2 Bde., Jena 1882: 2. Aufl. 1886) und sein "Grundriß der vergleichenden Anatomie der Wirbeltiere" (ebd. 1884; 3. Aufl. 1893), der ins Russische, Französische, Italienische und Englische übersetzt wurde, hervorzuheben.

Wiedersprung, s. Absprung.

Wiedertäufer, Anabaptisten oder Täufer, Name verschiedenartiger Sekten der Reformationszeit, obwohl der Name, weil ein bloß äußeres Merkmal angebend, nicht zutreffend ist. Die Mehrzahl der W. opponierte gegen zu starke Betonung des äußern biblischen Wortes und Überschätzung des kirchlichen Amtes. Andere verlangten gänzliche Absonderung von der Welt oder wollten die Zustände der urchristl. Gemeinden nach ihrer Auffassung wieder einführen; andere erwarteten die Wiederkunft Christi nebst Aufrichtung des neuen Jerusalems; noch andere