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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wildbad Brenner - Wilde Jagd
durchströmten Thal, an der Linie Pforzbeim-W.
<22,7 km, Cnzbahn) der Württemd. Staatsbabncn,
dat (1895) 3177 E., darunter etwa 160 Katholiken,
Post, Telegraph, evang., engl. und kath. Kirche, Real-
schule, Kindcrheilanstalt, Katharinenftift für unbe-
nlittelte Kranke; Fabrikation von Papier, Holzstoff,
Holzwaren und Cigarren, Holzhandel und Holz-
flößerei. W. ist bekannt durch seine Thermen (^ 33
bis 37" (^.), deren Waffer bei Rheumatismen, Gicht,
und Darmkanals namentlich zum Baden gebrauckt
wird. Die Quellen sind feit früher Zeit im Gebrauch,
und die Kuranstalten haben mehrfache Umgestaltun-
gen und Erwciteruugen erfahren, befonders durch
die Erbauung des König-Karls-Vades (1892). Die
'!abl der Kurgäste betrug 1897:11119. In der fchö-
nen Umgegend ist der WildeSee zu uennen, dessen
Wasser ohne sichtbaren Ab- und Zufluß immer das-
selbe Niveau zeigt. Der Ort wird zum erstenmal
1367 genannt. - Vgl. Renz, Litteraturgeschichte
von W. (Stuttg. 1881); dcrs., Dav W. im württemb.
Schwarzwald, wie es ist und war (Wildbad 1883);
Verf., Fübrer für W. und Umgebung lebd. 1887);
ders., Die Heilkräfte der Tbermen in W. (ebd.
1887); Hartmann, Wildbad (3. Aufl., cbd. 1893);
^^agner-Haußmann, W. im Scbwarzwald <5. Aufl.,
Würzb. 1895); Vächter-Iofenbau^, fübrer von W.
<3. Aufl., Stuttg. 1895).
Wildbad Brenner, f. Brennerbad.
Wildbäder, f. Mineralwässer. ,
Wildbad Gastein, f. (Mein.
Wildbad Innichen, f. Jinlichen.
Wildbahn, Wildfubr, in der Jägersprache
sämtliche Hockwildstände eines Reviers, Freie W.
sagt mau im (Gegensatz zum Wildgarten ls. d.).
Wildbann, s. Bannforstcll und Forst bann.
Wildberg, Stadt im Oberamt Nagolo des
württemb. Schwarzwaldtrcises, iln tiefen Tbal der
Nagold, auder Ostseite des Sckwarzwaldec-> und der
^inie Pforzheinl-Horb der Württemb. Staat-obab-
nen, bat (1895) 1308 6., darunter 3.^ Kalboliten,
Post, Telegrapb, evang. Kircke,ebcnlalige<'Bcguincu-
tloster, Schloß, Lateinschule; Papicrbülsenfadrik.
Wildberge, s. Hochwaffer.
Wildbret lWildpret), das Fleisch von eß-
barem Wild. W. fagt lnan auch für Hochwild und
befonders für weibliches Rotwild. Wildbret-
gewicht, nn Gegensatz zum Wildgewicht (f. Wild)
das Gewicht de5 aufgebrockenen Wildes.
Wilddeputat, s. Deputat.
Wilddiebstahl, im engern Sinne (Jagdver-
gehen) die Ausübung der Jagd an Orten, an
denen zu jageil der Tbater nicht berechtigt ist, wo-
gegen der Tiebftahl all Wild aus umschlossenem
Gehege oder an gezähmteil jagdbaren Tieren als
gemeiner (s. Diebstahl) behandelt wird, weil es sich
dabei um die Wegnahme aus fremdem Gcwahr-
lam handelt. Da5 Delitt des W. hängt mit dem
^agdrecht (s. d.) und dessen geschichtlicher Ausbildung
wesentlich zusammen. Nach geltendem Recht ist in
dcm Grundeigentum das Recht zur Jagd zugleich
enthalten. Die Ausübung dieses Rechts ist aber
im Interesse der öffentlichen Sicherheit und zum
Schutze des Wildstandes durch die der Laudesgefetz-
gcbuug überlassene Iagdpolizei (vgl. das Preuß.
Jagdpolizeigesetz von 1850) mehrfach eingeschränkt.
Soweit nach jagdpolizeilichen Veftimmnngeu inner-
balb eines gewissen Bezirks das Iagdrecht bestimm-
ten Personen (Grundeigentümern ooerIagdpächtern)
zusteht, ist andern Personen die Ausübung der Jagd
bei Strafe verboten. Ausübung der Jagd liegt
! schon vor, wenn das Wild aufgesucht oder verfolgt
wird. Also schon der macht sich des W. schuldig,
der unberechtigt dem Wilde nachstellt, auf dem An-
stand steht, Schlingen legt, Fallen stellt. Auch das
Ansichbringen von Fallwild ist W. und ebenso wird
als W. bestraft die Verfolgung des angeschossenen
Wildes auf fremdes Gebiet (Iagdfolge). Dagegen
kann nach dem Ausfpruchc des Reichsgerichts der-
jenige nicht wegen unbefugter Jagdausübung be-
straft werden, welcher auf einem Platz stehend, auf
dem er die Jagd auszuüben nicht berechtigt ist, dem
Wilde nachstellt, welches an einem Orte erscheint,
auf dem er zu jagen berechtigt ist. Die Strafe des
W. ift verfchieden bemessen, je nach der Art (ein-
facher W. oder qualifizierter W., letzterer wenn er
mit Schlingen, Netzen, Fallen u. s. w., oder während
der gesetzlichen Schonzeit oder in Wäldern zur Nacht-
zeit, d. h. von Sonnenuntergang bis Sonnenauf-
gang, oder gewerbsmäßig ausgeübt wird), und stuft
fich ab von Geldstrafe bis zu 300 oder bis zu 600 M.
oder Gefängnis bis zu 3 oder bis zu 6 Monaten,
bei gewerbsmäßigem W. Gefängnis nicht untcr
3 Monaten, woneben auf Verlust der bürgerlichen
(Ehrenrechte und Stellung unter Polizeiaufsicht er-
kannt werden kann. Neben der durch den W. ver-
wirkten Strafe ist auf Eiuziehung (s. Konfiskation)
des Gewehrs, des Jagdgeräts u. dgl. zu erkennen,
ohne Unterschied ob sie dem Verurteilten gehören
oder nicht. Zum W. gehört auch der Fall, weun
jemand ohne Genehmigung des Iagdberechtigten
oder obne sonstige Befugnis auf einem fremden
Jagdgebiete außerhalb des öffeutlichen zum gemei-
nen Gebrauche bestimmten Weges, wenn auch nicht
jagend, doch zur Jagd ausgerüstet betroffen wird
uud wenn jemand unbefugt Eier oder Junge von
jagdbarem Federwild oder von Singvögeln aus-
nimmt lH. 239-295, 368, Nr. 10 und 11 des
Reichsstrafgefetzbuchs, vgl. auch Reichsgesetz vom
22. März 1888, betreffend den Schutz vou Vögeln).
- Das Osterr. Strafgesetz bestraft den Diebstabl
an Wild, welcher entweder in eingefriedeten Wal-
dungen oder mit besonderer Kühnheit oder von einem
gleichsam ein ordentliches Gewerbe damit treibenden
Tbätcr verübt worden ist, nach F. 174, IIF als Ver-
brechen. Der Qsterr. Strafgefetzentwurf von 1889
lehnt fich all das deutsche Reichsrecht an. - Vgl.
Dombrowski, Das Wildern (Cötben 1894).
Wilde, in der Sprache des Parlaments Abge-
ordnete, die keiner Fraktion (s. d.) angehören; in
der Studentensprache soviel wie Finken (s. d.).
Wildebeest, s. Gnu und Tafel: Antilopen I,
5'ig. 5.
Wilde Calabarbohnen, s. Mackaybohnen.
Wilde Ehe, s. Konkubinat.
Wilde Gera, s. Gera (Fluß).
Wilde Jagd, Wütendes Heer, Wilder
Jäger, Nachtgejaid, Nachtjäger,Helljäger
u. s. w., ein angeblich nächtliches Tosen in der ^uft,
das einem mit Iagdrufen und Hunocgebell über
Wälder, Felder und Ortschaften dahinbrausenden
Gcisterheere zugeschrieben wird. Die Sagen vom
Wilden Jäger oder Hackelberg (s. d.) in Norddeutsch-
land, vom Wütenden Heer in Süddeutschlaud sind
ebenso zahlreich als weit verbreitet, ebenso mannig-
faltig im einzelnen als übereinstimmend in den
Gruudzügen und sind entsprungen aus uraltem
Dämonenglauben. Den Zusammenhang mn der