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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wildkalb - Wilfrid
Wildhorngletscher mit dem Glaeier des Audanncs
am Südabfall. Dem W. gegenüber steigt zwischen
dem Rawyl und der Gemmi das vergletscherte
Massiv des Wildstrubels l3266in) auf^
Wilbkalb, s. Edelhirsch.
Wildkatze, s. Katze und Tafel: Katzen I, Fig. 1.
Wildkirchli, s. Ebenalp.
Wildleute, s. Vaumtultu^.
Wildling, Unterlage oder Grund stamm,
eine Pflanze, die dazu bestimmt ist, eine andere
verwandte, aber edlere Art oder Spielart durch Ver-
edelung (s. d.) aufzunehmen, d. h. veredelt zu werden.
Ob zwei verschiedenartige Pflanzen den nötigen Grad
der Verwandtschaft haben, um mit Erfolg allfein-
ander veredelt zu werden, lehrt nur die Erfahrung.
Der Einstuft des W. auf den Edling erstreckt sich
meist nur auf den Wuchs des letztern; mit der Ver-
Mergung tritt oft eine erhöhte Fruchtbarkeit ein,
auch liefern die auf fchwachwüchsiger Uuterlage ver-
edelten Obstbäumc größere Früchte. Auch kann da<'
Edelreis auf den W. einwirken' so tommt es vor,
daß Triebe der Unterlage von ountblätterigen Holz-
gewachsen auch bunt werden. Veredelte Bämuc
tonnen wieder als Unterlage dienen.
Wildpark, s. Wildgart'en.
Wildpflege, Wildbege, umfaßt die Sorge für
ausreichende Äsnug oder Fütterung des Wildes, für
Sicherstellung des Wildstandes, für Vorbeugung
von Krankheiten, für Adbaltung von Raubzeug
und Wilddiebeu, für Verhinderung des Auswech-
felns, für Einhaltung der Schonzeiten und für Re-
gelung des Abschusses.
Wildpret, s. Wildbret.
Wildschaden, Schadeu, der durch Wild am
Walde (durck Verbeißen, Scbäleu, Fegen, schlagen,
Samcnverzehren) und am Felde ldurch Verzehren
von Knollen, reifem oder anwachsendem Getreide
u. s. w.), oder auch an Wiesen, Gärten, Obstbäumen
herbeigeführt wird. Gemeiurechtlich ist die Verbind-
lichkeit des Iagdberechtigten zur Erstattung des W.
seit dem 16. Jahrh, wenigstens im Falle der.hegung
eines übermäßigen Wildstandes anerkannt. Gegen-
wärtig wird in den Gebieten, welche ein Iagdrecht
auf fremdem Boden kennen, die Ersatzpflicht an-
erkannt (sä'chs. Gesetz vom 25. Nov. 1858, §. 24;
bess. Verordnung vom 6. Aug. 1810). In Mecklen-
burg und Schaumburg-Lippe gilt das Gemeine Recht.
In denjenigen Ländern, welche kein Iagdrecht auf
fremdemBodenkennen,istdieErsatzpflichtabgeschafft,
so in Weimar, Oldenburg, Alteuburg, Eoburg-
Gotha, Nudolstadt, Lübeck, Hamburg; beibehalten
in Preußen (Gesetz vom 11. Juli 1891), Vayeru (Ge-
setz vom 15). Juni 1850), Württemberg, Baden (bei
Ausbrechen eingeparkten Wildes), Braunschweig,
Mciningen, Anhalt. In Lippe-Detmold, beiden
Reuß, Bremen gelten die frühern gemeinrechtlichen
Grundsätze. Nach dem Deutschen Bürgert. Gesetzb.
§. 835 ist der Iagdberechtigte verpflichtet, den Scha-
den zu ersetzen, wenn durch Schwarz-, Rot-, Elch-,
Dam- oder Rehwild oder Fasanen ein Grundstück be-
schädigt wird, an welchem dem Eigentümer das
Iagdrecht nicht zusteht; entsprechend, wenn dem
Eigentümer das Iagdrccht durch das Gesetz entzogen
ist oder wenn er es nicbt ausüben darf.
Wildschwein, f. Schweine nebst Tafel, Fig. 3.
Wildseuche, f. Rinderseucbe.
Wildspitz, der böchstc- Gipfel der Venter Gruppe
in den Otzthaler Alpen (s. Ostalpen, in der Tiroler
Bezirkshauptmannscbaft Imst, 3783 in bock, mit
prachtvoller Aussicht. Von der 3769 in hohen Süd-
spitze führt ein schmaler Grat zu der Nordspitze. Die
Besteigung erfolgt in der Regel von der Breslauer
Hütte l2900 iu) über das Mitterkarjoch und den
obersten Eishang des Taschachferners ohne beson-
dere Schwierigkeit in 3 Stunden. W. heißt auck
ein 3342 in hoher Gipfel der Stubaier Alpen am
Bildstöckljoch.
Wildstein, Bad bei Trarbach (s. d.j.
Wildstein, Markt in der österr. Bezirkshaupt-
mannschaft Eger in Böhmen, ^itz eines Bezirks-
gerichts (176,86 cikui, 19 87 1 E.), hat (1890) 2068,
als Gemeinde 2156 deutsche E., zwei Schlösser;
Thon- und Ebamottewarensabrik, bedeutende Web-
warenfabrikation, Brauerei und Dampfsägewerk.
Wildstrubel, Berg, s. Wildhorn.
Wildtauben, s. Tauben.
Wildtulpe, s. 'rnlipa.
Wild- und Rheingrafen, s. Rheingraf.
Wildungen. 1) Niederwildungen, Ttadt
im Kreis der Eder des Fürstentums Waldeck und
Pyrmont, an der Wilde, in 228 in Höhe, an der
Nebenlinie Wabern-W. (17,2 km) der Preuß.
Staatsbabnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landge-
richt Eassel), hat (1895) 2997 E., darunter 67 Ka-
tholiken und 106 Israeliten, Postamt zweiter Klasse
mit Zweigstelle, Telegrapb, evang. Kirche mit einem
dem Grafen Iosias von Waldeck von der Republik
Venedig errichteten Denkmal, Waisenhaus und be-
rühmte Mineralquellen, von denen die Georg-Vic-
tor-Quelle, die Helenenquellc und die Königsquelle
die wicktigsten sind. Es sind erdige Eisensäuerlinge
mit hohem Gehalt an freier Kohlensäure, kohlen-
saurem Kalk, Magnesia, Kochsalz und Eisen. Das
Wasser wird gebraucht gegen Krankheiten der Harn-
organe und bei Blutarmut und Magenleiden und
wird versandt (1896: 910000 Flaschen). Das Bad
war bereits im 15. Jahrh, besucht, geriet aber später
in Vergessenheit; erst seit 1856 hat sich der Bestick"
wieder gehoben (1897: 5758 Kurgäste). - Vgl. Der
Führer'im Bad W. (15. Aufl., Wildungen 1893);
Scverin, Führer in die Umgebung von Bad W.
(3. Aufl., ebd. 1894); Stöcker - Marc, Bad W.
(13. Aufl., ebd. 1897). - 2) Alt - Wildungen,
Stadt ebendaselbst, 1 km im N. von Niederwildun-
gen, hat (189.)) 546 E., evang. Kirche und ein fürstl.
Bergschloß Friedrichsstein, bereits 1247 genannt.
Wildwiese, nach Art des Wildackers (s. d.) be-
handelte Wiese, die gute Gräser und Klee enthält.
Wildzaun, ein Holz- oder Drahtzaun zum Ein
friedigen des Wildgartens oder zum Abhalten des
Wildes von Kulturen, Wildäckern u. s. w. - Vgl.
Schumacher, Das Wildgattcr (Neudamm 1897).
Wilen, s. Vilen.
Wilfrid, Bischof von York, geb. 634 in
Northumberland als Sproß einer edeln Familie,
kam mit 14 Jahren in ein schort. Kloster auf der
Insel Lindisfarne, zog 654 nach Rom und wurde
uach seiner Rückkehr eng befreuudet mit Oswin,
dem König von Northumberland, der ihn 665 zum
Bifchof von Uork erwählte. Als solcher war W.
bestrebt, die altengl. Kirche den röm. Gebräuchen
und dein päpstl. Einflüsse dienstbar zu machen. Auf
der entscheidenden Synode zu Streaueshalch (664)
gab W. zu Gunsten von Rom den Ausschlag. 678
abgesetzt, wollte er sich deshalb in Rom persönlich be-
schweren, wurde aber zu den Friesen verschlagen und
bekehrte viele derselben. Dann setzte er seine Reise
nach Rom fort, wurde vom Papste gerechtfertigt,