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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zollverschluß - Zone
zufügen, dadurch aber den Bereich der Zollausschlüsse
thunlichst zu verringern, und so hat es abgeseben
von einzelnen kleinen bis dahin ausgeschlossenen
Gebietsteilen Ausdehnung erfahren: 1. Jan. 1872
über Elsaß-Lotbringen und 1. Okt. 1888 über Ham-
burg und Bremen mit Ausnahme eines neu ge-
bildeten Freibafengebietes.
Die deutschen Zollausschlüsse besteben aus
dem Freihafen Geestemünde nebst Lebe, den von
der Schweiz enklavierten bad. (Gebietsteilen, dem
Freihafengcbiet in Brenlen und Bremerbaven, end-
lich dem Freibafengebiet von Hamburg mit Insel
Neumark und Teilen von Curbaven und der Insel
Helgoland. Die Zollausschlüsse umfassen einen
Flächenraum von 68,07 hkin mit 12 288 (5.
Im Verbältnis von Zollanschlüsscn stehen
zum Zoll- und Handelsgebiet des Teutschen Neicbs
auch gegenwärtig noch das Grosiherzogtum Lurem-
burg und die österr. Gemeinden Jungbolz und Vtittel-
berg in Vorarlberg, welche beide zollrecbtlick als zu
Bayern gehörig behandelt werden, mit zusammen
25v3,i hivin mit 212570 E.
Nach den neuesten Feststellungen beträgt der
Flächeninhalt des Zollgebietes 542 116,? l^in mit
einer Bevölkerung von 4!) 628 752 E.
Wie bereits im alten Z., so berrsckt auch im Zoll-
und Handelsgebiet des Deutschen Reichs im allge-
meinen volle Verkehrsfreibeit. Gegenstände, welebe
sieb i:n freien Verkehr eines Bundesstaates befinden,
dürfen bei der Einfuhr in einen andern Bundesstaat
in letzterm einer Abgabe nur insoweit unterworfen
werden, als daselbst gleiebartige inländische Erzeug-
nisse einer innern Steuer unterliegen. iS. Über-
gangsabgaben.) Der Ertrag der Zölle, der von der
inländischen Erzeugung von Salz, Tabak, Brannt-
wein, soweit derselbe in dem Gebiete der Brannt-
weinsteuergemeinschaft gewonnen wird, Bier, soweit
dasselbe in dein Gebiete der Brausteuergemeinsckaft
bergestellt wird, Zucker und Sirup zur Erbebung
gelaugenden Verbrauchssteuern sowie einer Anzabl
von Stempelabgaben lWechselstempel, Spielkarten-
stempel, Umsatzstempel von Wertpapieren, Schlich-
noten und Rechnungen sowie von Lotterielosen,
s. Börscnsteuer) ist gemeinschaftlich und flieftt mit
seinem Netto in die Reichskasse, mit Ausuahme der
Überweisungen nach Verhältnis der Matrikular-
beiträge (s. Matrikel) auf Grund der Francken-
steinschen Klausel is. Franckenstein). Die Regelung
der gemeinschaftlichen Abgaben unterliegt daber
auch der Reichsgesetzgebung, und zwar in der Weise,
daß, wenn bei Gesetzvorschlägen hierüber im Bun-
desrate eine Meinungsverschiedenbeit stattfindet,
die Stimme des Präsidiums den Ausschlag giebt,
wenn sie sich für Anfrechterhaltung des Beslebenden
aussprickt, währeud im übrigen einsacke Mebrheits-
beseblüsse entscheiden. Die Zollausschlüsse tragen an-
statt der Zölle und Verbrauchssteuern durch Zab-
lung eines Aversums is. Aversen) zu den basten des
Reichs bei. Für das Zoll- und ^teuerwesen besteht
bei dem Bundesrate ein besonderer Ausschuß.
Die Zolltarifpolitik des Z., bez. des Deut-
schen Reichs, ist im Laufe der Zeit mehrfachem
Wecksel unterworfen gewesen. In der mehr als
3<>jäbrigen Periode galt das im ersten Vereins-
zolltarif vom I. 1833, der noch anf der Grundlage
von Ein-, Aus- und Durchfubrzölleu aufgebaut war,
verkörperte System eiuer wesentlich finanz- und schutz-
zöllneriscken Ricktung, die im Laufe der Iabre mebr-
fach abgeschwächt wttldt'. Dann folgte mit dem Ver-
einszolltarif vom 1. Juli 1865 eine Ma der Frei-
bandelspolitik, welche durch das Zolltarifgesetz vom
15. Juli 1879 wieder beseitigt wurde. Eine gemäßig-
tere Richtung der Schutzzollpolitik trat dann erst wie-
der mit dem Abschluß der neuen Handelsverträge
von 189192 ein. Die Aussuhrzölle, die bis 1861
mit geringen Ausnahmen unverändert geblieben
waren, wurden 1. März dieses Jahres auf eine er-
beblich geringere Anzahl von Gegenständen beschränkt
und 1. Juli 1865 aufgehoben bis auf den Ausgangs-
zoll von Lumpen n. s. w. zur Papierfabrikation, wel-
cher erst 1.51 tt. 1873 fiel. Die Durchfuhrzölle wur-
den bereits I.März 1861 gänzlich beseitigt. Nur Ein-
gangszölle werden noch im Zollgebiet des Deutschen
Reichs erboben. <S. Deutschland und DeutschesReich
> Finanzwesen!, Freihandel, Freihandelspartei, Han-
delsverträge, Schutzzollsystem.) - Vgl. Nebenius,
Der Deutsche Z. (Karlsr. 1835); Ägidi,Äus der Vor-
zeit des Z. (Hamb. 1865); von Fcstenbcrg-Pakisch,
Geschickte des Z. iLpz. 1869); von Treitschke, Die
Anfänge des Deutschen Z. <in den "Preuß. Jahr-
bückern", Bd. 30), ders., Deutsche Geschichte im
19.Iabrb., Bd. 3-5 lLpz. 1889-95); Weber, Der
Deutscke Z. (2. Aufl., ebd. 1871).
Zollverschluß, der amtliche Verschluß zollpflich-
tiger Gegenstände, die die Zollgrenze überschreiten
und mit Zollbegleitschein weiterbefördert wer-
den. Er ist entweder an dem einzelnen Warenstüct
oder an dem, eine Anzahl solcher bergenden Wagen
angebracht und darf nur von Zollbeamten gelöst
werden. <S. Warenverschlusi.)
Zollverwaltung, s. Steuerverwaltung.
Zolotnik, s. Sol'otnik.
Zolyom<spr.solljom),ungar.NamedesKomitats
Sobl ls. d.> ilnd der Stadt Ältsobl ls. d.) in Ungarn.
Zombor < Tom bor), königl. Freistadt' mit
Munieipium und Hauptstadt des ungar. Komitats
Baes-Bodrog, auf einer weiten Ebene, unweit des
Franzenskanals (s. d.), an den Linien Großwardein-
Essegg-Villany und Baja-Ujvidek der Ungar. Staats-
babnen, hat (1890) 26435 meist röm.-kath. serb. E.
<l'i176 Magyaren, 2676 Deutsche), darunter 11274
Grieckisch-Orientaliscke, 581 Evangelische und 644
Fsraeliten, in Garnison 1 Bataillon des 23. Infan-
terieregiments "Lndwig Wilhelm 1., Markgraf von
Baden", röm.-katb. Kirche der Heiligen Dreifaltig-
keit, zwei griech.-orient. Kirchen, Stadthaus, Ko-
mitatsbaus, ungar. Theater, Staatsobergymnasium,
gricch. Präparandeninstitut, Bibliothek; Dampfmüh-
len sowie bedeutenden Getreide- und Viehhandel.
^ona. pviluoiäa., die Ei- oder Dotterhaut,
s. Ei und Embryo.
Zonäras, Jobs., byzant. Schriftsteller in der
ersten Hälfte des 12. Jahrh., bekleidete in seiner
Vaterstadt Konstantinopel unter Kaiser Alerios I.
Komnenos wicktige Hof- und Staatsämter. Später
zog er sich in ein Kloster zurück und schrieb hier eine
Allgemeine Geschichte in 18 Büchern, meist "OIii-o-
nicon" oder "^nnlllo8" genannt, welche die Ereignisse
von Erschaffung der Welt bis 1118 n. Chr. darstellt
und durch Auszüge aus den verlorenen Teilen des
Dio Eassius sehr wichtig ist. Eine Fortsetzung lieferte
Niketas Akominatos. Ausgaben von Pinder (2 Bde.,
Bonn 1841-44, Bd. 3 von Büttner-Wobst, ebd.
1897) und Dindorf (6 Bde., Lpz. 1868 - 75). Mit
Unrecht wird ibm auch ein griech. Lerikon zugeschrie-
ben (hg. von Tittmann, 2 Bde., Lpz.^1808).
Zone lgrch.), eigentlich Gürtel, insbesondere Erd-
gürtel (s. Zonen), dann überbaupt soviel wie Land-