Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

1021
Zuckergast - Zuckerhandel
Brechlvert ^Dlaiscke) und Sirupzusatz zerkleinert und
verflüssigt (gemaischt) werden muß. Eine Füll-
massemaischmaschine zeigt Taf. I, Fig. 4.
Der in den Zentrifugen verbleibende Zucker von
bell braungelber Farbe stellt die gebräuchliche Han-
delsware, den No hzucker, dar; er wird auf den
Zuckerboden (das Lagerhaus) gesckafst, dort gesiebt
und gemischt, um ein gleichmäßiges Produkt zu
erzielen. Die weitere Verarbeitung des Rohzuckers
ist Aufgabe der Zuckerraffinerie (s. d.).
Der voll den Centrisugen ablaufende Sirup wird
bebufs weiterer Zuckergewinnung nochmals im Va-
tumn konzentriert. Da diese Zuckerlosung aber im
Verbältnis zu seinem Zuckergebalt viel Nichtzucker-
stoffe entbält, die die gute rasche Krystallisation hin-
dern, so tann dieser Sirup nicht auf ^orn gelockt
werden; daber wird die Konzentration nur so weit
getrieben, das; eiuc Ausscheidung von Zucker im
Vakuum nicht stattjindet (Blankkochen). Diese
beiß tonzentrierte Sirupfüllmasse wird dann ent-
weder in große viereckige eiserne Kasten von etwa
W bis W odm Inhalt abgelassen und daselbst der
atlmäblicb stattfindenden Krystallisation überlassen,
die, je nach der Reinheit des Sirups, etwa 4-6 Wo-
cken dauert, oder sie wird mittels Krystallisation in
Bewegung in kürzerer Zeit auskrystallisiert. Die
erbaltene austrystallisierte Eirupfüllmafse i Nach -
produttfüllmasse) wird ebenfalls geschleudert.
Der bräunliche, geringere Nackproduktzucker ist Han-
delsartikel; den ablaufenden Sirup kocht man noch-
mals blank, läßt ihn in großen Bassins etwa ^ Mo-
nate krystallisieren und schleudert ibn dann. Der
ablaufende Sirup giebt auf nochmalige Uonzentra-
lion keinen Zucker mehr und bildet die Melasse (s. d.).
Die eigenartige frofchlaichartige Verwandlung des
Zuckerrübcnsaftes bei der Z., welche in kürzester Zeit
große Bottiche völlig unbrauchbar machen kann,
wird durch den I.eucoiwöwc in^Font^iioido^ ^a?^
I'/e/?/lem (s. Froschlaichbakterium) bervorgerufen.
Indem der l^Lnconoktoc in der Zuckerlosung wächst,
wird der Rohrzucker zunächst in Glykose und Lävulose
umgesetzt, dann zur Bildung der sebr bedeutenden
schleimigen Gallerthüllen verbraucht, mit welchen
die Zellen des Pilzes sich umgeben. Die großen
schleimigen Ballen, welche bei diesem Wachstums-
vorgang entstehen, sind die Zoogloahaufen des I^en-
^0no3t0e. (Über die Naturgeschichte des I^ucoiw.^toc
vgl. Cienkowski und van Tieghem, Die Gallert-
bildungen des Zuckerrübcnsaftes, Charkow 1878. j
II. Rohrzuckergewinumlg. Zur Gewinnung des
eigentlichen Rohrzuckers (des Kolonialznckers, s. d.)
wird das Zuckerrohr (s. 8u^"dlnum) durch Walzen-
pressen ausgepreßt, das ausgepreßte Rohr vielfach
dann nochmals mit Wasser befeuchtet und nachge-
preßt. Der Preßrückstand, die Bagasse (s. d.j, dient
im getrockneten Zustand als Heizmaterial für die
Dampfkessel und genügt beinahe zur Erzeugung des
gesamten nötigen Dampfes. Die Zuckergewinnung
durch Diffusion des Rohres hat aus dem Grunde
keine Verbreitung gefunden, weil die ausgelaugten
. Schnitte nicht zur Kesselheizung geeignet sind. Der
von den Pressen laufende Saft wird mit wenig Kalk
(^4 Proz.) in offenen Pfannen gekocht: dabei steigt
der gebildete Schlamm und Schaum nach oben
iDeckenscheidung) und der darunter befindliche
klare Saft wird abgezogen. Letzterer wird nochmals
in einem Clarificateur aufgekocht (D ekokti ons-
verfahren), der abscheidende Schaum abgeschöpft
und der Saft dann verdampft und verkocht wie
Rübensaft. Der Rohzucker aus Rohr bat nicht den
unangenehmen Geschmack wie Nübenrobzucker und
gebt daber vielfach direkt in den Konsum. ^
Die Zuckergewinnung aus andern Robmateria-
lien (dem Saft des Zuckerahorns und der Palme)
besteht vielfach nur in einem Eindicken des unge-
reinigten Saftes über direktem Feuer. Der betref-
fende Robzucker gelangt als etwas trockne Füllmasse
in den Handel, da der Sirup nur durch Abtropfen-
lassen, daraus befreit wird. Der Handel damit ist
unbedeutend. Diese Zuckersorten finden banptsa'ch-
lick nur an den Erzeugungsstätten Verwendung.
Litteratur. Walkhoff, Der praktische Ruben-
zuckerfabrikant und Rafsinadeur (4. Aufl.> Braunschw.
1872); Stammer, Lehrbuch derZ. (ebd. 1874:2. Aufl.,
ebd. 1887 .Ergänzungsband zur 1. Aufl., ebd. 1881);
ders., Wegweiser in derZ. (ebd. 1876); R. von Kauf?
mann, Die Zuckerindustrie in ihrer wirtschaftlichen
und steuerfiskalischen Bedeutung für die Staaten
Europas (Berl.1878); Etohmann, Handbuch der Z.
<2. Aufl., ebd. 1885); Stammer, Der Dampf in der
Zuckerfabrik <Magdeb.1891); Frühling lind Schulz,
Anleitung zur Untersuchung der für die ^nckerindn-
strie in Betracht kommenden Rohmaterialien, Pro-
dutte u. s. w. l5. Aufl., Braunschw. 18!"7>; Ratbtes
Bibliothek fürZuckerinteressenten(Magdeb.18l>7 fg.)/
- Zeitschriften: (5entralblatt für die Zucker-
industrie der Welt (Magdeb. IMl fg.); Zabels
Iabr- und Adreßbuch der Zuckerfabriken Europas
< Magdeburg);
und Fortschritte auf dem Gcsamtgebiete der Z., be-
gründet von Stammer, ba,. von Bock (Brannschweig).
Zuckergast, Insekt, s. Silberfischcken.
Zuckeraurken, s. Gurke und Einmachen.
Zuckerhandel. Obgleich mebr Rohr- als Rüben-
zncker erzeugt wird, so tritt im Weltbandel seit 1870
der Robrzucker gegen den Rübenzucker zurück. In
der Ausfubr nimmt Deutfchland die erste Stelle ein,
dann folgen (5uba (feit 18!14 jedock durch die Re-
volution tiefer gerückt), Österreich-Ungarn, Frank-
reich, Niederländisch-Ostindien, die Philippinen. Die
stärkste Einfubr weisen Großbritannien und die Ver-
einigten Staaten von Amerika auf. 18W 97 fübrten
ein an Zucker aller Art Großbritannien 14696^7 t,
die Vereinigten Staaten N>80120 t, die Schweiz
50777 t. Auch Frankreich fübrte, trotz seiner Aus-
fubr von 329714 t, 1896/97: 147486 t ein, während
in Deutschland und Österreich die Einfubr sebr gering
war. Holland hat mit der starken Zufubr ans seinen
ind. Besitzungen eine steigende Ausfuhr in Raffina-
den. Rußland deckt zur Zeit den eigenen Bedarf und
erscheint auch mit stärkern Posten auf dem Weltmarkt.
In den Ausfuhrländern Europas betrug die Gucker-
ausfuhr in Millionen Mark:
Länder
1886
1890
1394
Deutschland...... Osterrcich-IlncM'll . . . Frautrc'icki....... BclMN........ Holland ...... t
144,7
80,6 46,2 26,0 ?
219,6 112,6
101,4 43,:l
115 200
259,3
143,4 100," 41,7 124!'. 80
Die Hauptmärtte für Rohrzucker sind in über-
seeischen Ländern Habana, Vahia, Samarang und
Neuyork; für Robzucker in Europa London, Magde-
burg, Hamburg, Prag, Paris, Antwerpen, Rotter-
dam, Amsterdam und Kiew. Die bedeutendsten
Tcrminmärktc (s. Termingeschäftej sind Pali.', ^cm
don, Magdeburg und Hamburg.