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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zungenwurzel - Zurechnung
Hundearten, so dringen sie von hier in die Rachen-
und Nasenhöhle ein, wo sie geschlechtsreif werden-
der ganze Entwicklungscyklus dauert ein Jabr. -
Vgl. N. Leuckart, Bau und Entwicklungsgeschichte
der Pcntastomen (Lpz. und Heidelb. 186<>).
Zungenwurzel, s. Zunge.
Juni, Indianerstamm, s. Pueblo-Indianer.
Zünsler (1')'i'i!iu!lw), Lichtmotten, Familie
der Kleinsckmetterlinge, ausgezeichnet durch zarte,
in der Nuhe ein hobes Dach bildende Flügel; die
Fühler sind borstenförmig, die Lippentaster (Pal-
pen) sehr ansehnlich und treten weiter dervor. Die
Raupen sind 14-16füsiig, leben in zusammenge
sponnenen Pslanzcnteilen oder im Märt, manche
von tierischen Substanzen, von Fett, in Bienenstöcken,
von Mehl n. s. w. .hierher gehört der M eblz ü n s
ler (s. d., ^.8opi^ fminllli8 ^>.) und die Bienen -
inotte ((^alieii" moloncllu /v., s. d. und Tafel:
Biene und Bienenzncht, Fig. 4).
Zunz, Leop., isracl. Gelehrter, geb. 10. Aug.
1794 in Detmold, studierte in Berlin Philo-
logie, wirkte 1820 - 22 als Prediger an der
deutschen Synagoge daselbst, 1824-32 als Mit-
redactcur an der "Spenerschen Zeitung" und gleich-
zeitig 1825-29 als Direktor der neu gegründeten
jüd. Gemeindeschule. Er ging 1835 als Prediger
nach Prag, kehrte aber bald nach Berlin zurück und
erhielt hier die Leitung des 1839 errichteten Lebrer-
seminars, eine Stellung, die mit dem Seminar selbst
im März 1850 anfbörte. Z. starb 17. März 1886 in
Berlin. Er war der Begründer der wissenschaftlichen
Bebandlung der jüd. oder sog. rabbinischen Littera
tur. Bahnbrechend wirkte bereits die kleine Sckrift
"Etwas über die rabbinische Litteratur" (Berl. 1818)
sowie auf dem Gebiet der jüd. Lebensbeschreibungen
lein "Raschi" in der "Zeitschrift für Wissenschaft des
Judentums" (1822-23). Seine Hauptwerte sind'
"Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" (Berl.
1832; 2. Aufl., von Brüll, Franks, a. M. 1892",
"Die synagogale Poesie des Mittclalters" (Berl.
1855), "Die Ritus des synagogalen Gottesdien-
stes geschichtlich entwickelt" (ebd. 1859) und die
"Litteraturgeschichte der svnagogalen Poesie" (ebd.
1865, mit Nachtrag 1867). Ferner schrieb er das
Sammelwerk "Zur Geschichte und Litteratur" (Bd. l,
Verl. 1845) und "Die Namen der Juden" (ebd. 1836".
Seine "Gesammelten Sckriften" erschienen in drei
Bänden (Berl. 1875-76). Z. war auch Redacteur
der von 1839 an erschienenen Bibelübersetzung, an
der außer ihm H. Arnheim, Mich. Sachs und Jul.
Fürst gearbeitet hatten. - Vgl. Brann und Kauf-
mann, Leopold Z. und seine Familie (Bresl. 1895).
Aupan (spr. schu-), früher bei den Slawen, be-
sonders der Balkanhalbinsel sowie in der Moldau
und Walackei der Fürst oder Statthalter eines Gaues
oder einer Landschaft (5uM); in Serbien führte bis
zum 13. Jahrh, auch der Landesjürst den Titel "Groß-
Zupan". Desselben Ursprungs ist das magvar.
I8pun, deutsch Gespan, Vorstand einer Gcspanfchaft
oder eines Komitats (s. d.) in Ungarn. Inl Ge-
braucb ist das Wort heute nur noch in Kroatien, wo
der Chef des Kreises oder Komitats (kroat. 2uMniM"
Voliki ^u^an heißt.
Zupfinstrumente, s. Musikinstrumente (Bd. 12,
sowie Bd. 17 nebst Tafel II).
Zupitza, Iul., Germanist, geb. 4. Jan. 1844 zu
Kerpen bei Oberglogau, studierte in Brcslauund Ber-
lin german. und klassische Philologie und war 1867
-65> Mitglied des köm'gl. pädagogischen Seminars
in Vreslau und Hilfslehrer am Matthiasgymnasium
daselbst. Im Winter darauf habilitierte er sich mit
der Schrift "Verbesserungen zu den Drachenkämpfen"
(Oppeln1869) für deutsche Philologie an derBres-
lauer Universität. 1872 wurde er außerord., 1875 ord.
Professor der nordgerman. Sprachen an der Uni-
versität Wien. Seit Okt. 1876 war er ord. Professor
der engl. Spracbe und Litteratur an der Universität
Berlin, wo er 6. Juli 1895 starb. Z. veröffentlichte-.
"Rubins Gedichte kritisch bearbeitet" (Oppeln 1867),
"Einführung in das Studium des Mittelhochdeut-
schen" (ebd. 1868: 5. Aufl. 1897), "Dietrichs Aben-
teuer von Albrecht von Kemenaten nebst den Bruch-
stücken von Dietrich ttnd Wenezlan" (Bd. 5 des
"DeutschenHeldenbuchs", Berl. 1870), "Altengl.
(später alt- und mittelengl.) übungsbuch"(Wien1874'.
of (luv 0t' ^Vurvvick. I^iftoent^ centurv V6i'8i0ll"
(Lond.' 1875-76), "Cvnewulfs Elene" (Berl. 1877'.
3. Aufl. 1888), "Mfrics Grammatik und Glossar"
sebd.1880),"1^0vvnlf. .Vutc>tvi)^8>vit1i ll tran^iitera-
twn ancl not^ft" (Lond.1882), "^Ii0 i-oinknce ol^nv
of ^Var>vi^Ic. I^äitcä i'rom tlw ^u<?1iini6c^ inann-
801 iz)t nnll t'roin m^ini8crii)t 107 in Oaiu8 ('olißlfo,
l tnndi-ilissL" (Tl. 1, ebd. 1883; Tl. 2, ebd. 1887).
Seit Anfang 1890 gab er mit Waetzoldt das von
L. Herrig gegründete "Archiv für das Studium
der neuern Spracken und Litteraturen" heraus.
Zuppingerrad, ein Wasserrad (s. Wasserräder,
nebst Tafel, Fig. 6).
Zurbarän^ Francisco de, span. Maler, getauft
7. Nov. 1598 zu Fuente de Cantos in Estremadura,
gest. 16li2 zu Hiadrid, war Schüler des Juan de
Noelas in Sevilla: schon 1633 heißt er königl.
Maler. Vtan bat diesen strengen Realisten den span.
Caravaggio genannt, aber seine Schatten sind von
Refleren erbcllt, seine Kraft der Charakteristik und
selbst der Modellierung ist bedeutender. 1625
-38 schuf er eine erstaunliche Zahl großer Bilder-
cvklen für Kloster und Kirchen Andalusiens: so sein
Meisterwerk: Die Apotheose des beil. Thomas (Mu-
seum zu Sevilla), den Petrusaltar der Kathedrale
daselbst, die Historien des heil. Bonaventura, die
Bilder des Cartuja bei Acres, die der zwei Mer-
cenarierklöstcr in Sevilla, die Bilder in Guada-
lupe; 1630 malte er Die Herculesarbciten (10) für
Buen Netiro (jetzt im Pradomuseum zu Madrid).
In seinen spätern Werken (Mariabildcrn) ist das
Helldunkel mebr gemildert, sind die Formen idealer.
Zürbelkiefer, Nadclholzbanm, s. Kiefer.
Zurechnung llat. impnttuio), dieZurückführung
einer Handlung, welche sich nach ihrer äußern Er-
scheinung als unsittlich oder als Unrecht darstellt,
auf eine Scbuld ihres Urhebers. Wird die Z. im
einzelnen Falle bejaht, so ist die regelmäßige Folge,
wenn die äußere Tbat sich als privatrechtliches De-
likt (s. d.) charakterisiert, Verpflichtung zum Schaden-
ersatz, wenn sie sich als strafbare Handlung darstellt,
Strafe' wird sie verneint, so tritt Straflosigkeit und
keine Haftung des Tbäters ein. Der Grund dcr
mangelnden Z. kann Mangel der objektiven Nechts-
widrigkcit sein (Ausübung einer Amtspflicht, Aus-
führuug eines gesetzmäßigen Befehls, Ausübung
eines Züchtigungsrecbts, Notwehr). Es kann aber
auck sein, daß Schuld und damit Strafe wegfallen,
weil die freie Willensbestimmnng desjenigen, der
sich äußerlich als Thäter darstellt, ausgeschlossen war,
er ist nicht zurechnungsfähig. Hierlier gehört die
Geisteskrantdeit. Das Deutsche Reicbsstrafgesek-