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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zwangsvorstellungen - Zweibrücken (Herzogtum)
bewegliche Tacho oder ein bewohntes Schiff heraus-
zugeben oder zu räumen, fo wird er durch den
Gerichtsvollzieher aus dem Besitz gesetzt und der
Gläubiger in den Besitz eingewiesen. Befindet fick
die herauszugebende ^ache im Gewabrfam eines
Dritten, so musi der Gläubiger sich den Anspruch
seines Schuldners auf Herausgabe überweisen
lassen. Soll der Schuldner eine Handlung vor-
nehmen, die ein Tritter leisten kann, so ist auf An-
trag der Gläubiger zu ermächtigen, die Handlung
auf Kosten des Schuldners vornehmen zu lassen,
und der ^ckuldner znr Vorauszahlung der dosten
zu verurteilen. Wenn die Handlnng durch einen
Dritten nicht vorgenommen werden kann, jedocb
ausschließlich vom Willen des Schuldners abbängt,
so ist anf Antrag zu erkennen, das. der Schuldner
zur Vornahme der Handlung durch (Geldstrafen bis
zum Gesamtbeträge von 15><><> M. oder durch Haft
anzubalten fei. Ein ^wang zur Eingebung der Ebe
findet jedoch nickt statt. Handelt der Schuldner der
Verpflichtung zuwider, eine Handlnng zu unterlaffen
oder zu dulden, fo ist er anf Antrag wegen jeder
Zuwiderbandlung, nach vorgängiger Strafandro-
dung, zu Geldstrafe bis zu 15>00 M. oder zu Haft-
strafe bis zu fecbs Monaten, wobei das Masz der
Gesamtstrafe aber niemals zwei Jahre Haft über-
steigen darf, auch zur Sicherbeitsleistung wegen
Schadens aus künftiger Zuwiderhandlung zu ver-
urteilen. Übrigens kann der (^laubiger fein Interesse
(s. d.) anch im Wege der Klage geltend niachen. Ist
endlich der Schuldner zur Abgabe einer Willens-
erklärung verurteilt, fo gilt mit Nechtstraft des Ur-
teils die Erklärung als abgegeben. Auf die Ein-
gebung der Ehe bezieht sich anch dies nicht.
Während der Dauer eines im Inland eröffneten
Konkursverfahrens dürfen Arreste und Z. zu
Gunsten der Konkursgläubiger nach Dentfcber Kon-
kursordnnng H. 11 nicht stattfinden; die >vonknrs-
gläubiger müssen ihre Forderungen auf Sicker-
stellung oder Befriedigung ane" der Konkilrsniasse
anmelden und können nur den bei der Verteilung
auf sie treffenden Anteil fordern i f. Prüfnngsver-
fabren). Iin Interesse des Gemeinscbnloners gilt
dies auch für desfen sonstiges Vernlögen ls. Konkurs-
masse), ^ür Absonderungsberechtigte (f. Abgeson-
derte Befriedigung) gilt es nickt. In das im In-
land befindliche Vermögen eines Schuldners, über
dessen Vermögen im Auslande Konkurs eröffnet
ist, kann regelmäßig eineZ. stattfinden. Dabei kommt
nichts darauf an, ob der Gemeinschuldner In- oder
Ausländer ist. Auch können ausländische Gläubiger
von dieser Befugnis gleichfalls Gebrauch machen.
(S. Konkursverfahren.)
Zwangsvorstellungen, psychiatrische Bezeich-
nung für Ideen, die zwangsmäßig oft und unmoti-
viert wiederkehren und einesteils bierdnrck, andern-
teils durch den oft abfurden Inhalt sehr lästig werden
können. So lange als die Kranken fick bewußt sind,
daß ihre Z. thöricht, unsinnig sind, kann man von
einer eigentlichen Geisteskrankheit nicht sprechen,
ssällt die Vernunftkritik fort, fo ist der libergang
der Z. in Wabnideen gegeben.
Zwangswirtschaft, soviel wie/ilurzwang ss.d.).
Zwanzigguldenfuß, s. Münzfuß.
Zwanzigkreuzer oder Zwanziger, soviel
wie Kopjstüct (s. d.). Kolonie (s. d.).
Zwarte Berge (spr. sw-), Gebirge in der Kap-
Zwarte Water (spr.sw-, d.h.Schwarzes Was-
ser), Fluß in der nicdcrländ. Provinz
entsteht oberhalb Zwolle, nimnit auf der rechten
Seite oberhalb Hasselt die Vecht, dann bei Zwart-
sluis das Meppeler Diep auf und mi'mdet als
,'^wolfche Diep unterhalb Genemniden in den
^uidenVe. Von Hasselt fiibrt die kanalisierte Dedems-
vaart ostwärts nach Gramsbergen an der Vecht.
^ Zwätzen, Dorf im Verwaltungsbezirk Apolda
^ des l^roßberzogtums Weiniar, an der Saale und
der LinieGrosiberingen-Saalfeld (Station Z.-Knnitz-
burg) der Prenft. Staatsbahnen, hat (1895) 513 (5.,
! Vostagentnr, evang. Kirche und Acterbanschnle. Nabe-
! dci Dorf Kunitz mit den 'Nuinen der Kunitzburg.
I Zweck, in nächster Bedentnng die Vorstellung
i dessen, was nian init seinenl Tbün zil erreichen ge-
dentt. Ein '> tann danach in eigentlicher Bedentung
nur eincin bewußt wollenden Wesen zugeschrieben
werden. Wae. bloß gewollt wird, um etwas anderem
(einenZ.) daniit zu erreichen, beißt Mittel; worauo
das Grundgesetz des Willens folgt, daß, wer den Z.
will, auch diejenigen Mittel wollen muß, ohne die
der Z. nickt zu erreicken ist. Sofern, was unter
einein begrenzten Gesichtspunkt Z. ist, unter einem
böhern zum Mittel wird, welches einem andern,
höbern '> sich unterordnen mnsi, entsteht die Frage
nach einem letzten oder absolutenZ., d.h. einem
solcken, der nicht wieder bloß als Mittel zu eiuem
andern Z., sondern schlechthin gewollt wird. Die
Behandlung dieser Frage ist Aufgabe der (5tbit
lf. d.). Vielfach wird nun aber dem Z. außer dieser
subjektiven nock eine ohjettive Bedentung beigelegt,
^agen wir von einen: Dinge, e^ hahe einen Z. oder
diene einem Z., sofern es von einem bewußt wollen-
den Wefen zu einem Z. gebraucht werden kann, fo
meint man leicht auch ohne diese Zurückbeziehung
auf ein wollendes Subjekt sagen zu können, etwa5
habe einen Z., z. B. die Organisation llnserer Sinne
babe den Z., daß wir sollen sehen, hören u. s. w.
lönnen. Diese Objektivierung des Z. ist dem mensch-
lichen Denken bockst natürlich; sie ist in der Pbilo-
sovbie besonders dei Aristoteles mit großer Kon-
seauenz namentlich im organischen Neich durchge-
fnbrt. (5in jedeo, was ein ^ehen oder eine dem Leben
analog dauernde, sich selhst erhaltende Existenz hat,
gilt nach dieser Betrachtnng^art als ein Natur-
zweck, als ein von der Natur gleichsam Gewelltes,
da seine innere Einrichtung auf feine Erhaltung wie
abgezweckt erscheint. Notwendig tritt dann diefe
Auffassung in Konflikt mit der Kausalität, indem
der Z. unversehens die Stelle der Ursache einnimmt,
nnd den Anspruch erbebt, auf die Frage Warum'^
eine ebenfo zulängliche Antwort zu geben wie die
Angabe der Nrfache. Die Wissenschaft der Neuzeit
erklärte, ganz befonders feit Descartes, Hobbes und
Spinoza, diefer teleologifchen Naturauffassung (s.
Teleologie" den Krieg. Kant, der im zweiten Teil
der "Kritik der Urteilskraft" diese Probleme behan-
delt, verwirft den Z. als wabres und objektives Er-
Närnngsprincip, läßt ihn jedoch gelten als heuristi-
! scbes Princip, d. h. als einen zwar subjektiven Ge-
! sicbtspunit der Auffassung, der aber dock geeignet
sei, auf tiefer liegende taufale Zusammenhänge, die
uns vielleicht sonst entgeben würden, hinzuführen.
Zwecken, foviel wie Tapeziernägel (f. Nägel).
Zwecken, Pflanze, s. ^rop^ruin.
Zweckstrafe, s. Kriminalpolitik Md. 17).
Zweibrücken (frz. Doux-I'onts), ehemaliges
Herzogtum im bayr. Reg.-Vez. Pfalz, war früher
eine reicksunmittelbare Grafschaft und fiel nach dem
Ailssterben der Grasen von Z. 1">^N an die Pfalz.