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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italienische Eisenbahnen - Italienische Litteratur
sehen zu werden. Als ihm diese Forderung zugestanden wurde, schloß er 26. Okt. 1896 mit dem ital. Bevollmächtigten Major Nerazzini zu Addis Abeba Frieden ab, wodurch der Vertrag von Uccialli, auf den I. seine Protektoratsansprüche gründete, aufgehoben und Abessiniens Unabhängigkeit anerkannt wurde. Außerdem wurde bis zur genauen Feststellung der Grenze, die innerhalb Jahresfrist durch eine Sonderkommission beider Länder erfolgen soll, die Mareb-Belesa-Linie als solche bestimmt. Sodann verpflichtete sich Menilek zur Freilassung der ital. Kriegsgefangenen gegen eine von I. selbst festzusetzende Entschädigungssumme für deren Unterhalt.
Die bundesfreundliche Haltung Deutschlands und Österreich-Ungarns hatte sich auch im Unglück bewährt, und als Kaiser Wilhelm II. in Begleitung seiner Gemahlin und seiner beiden ältesten Söhne 11. bis 13. April dem ital. Königspaar in Venedig einen Besuch abgestattet hatte, war er mit größerm Jubel als je zuvor begrüßt worden. Bald darauf erfolgte die Erneuerung des Dreibundes. Im Innern bemühte sich die neue Regierung zunächst, die Zustände in Sicilien zu bessern, und ernannte zu dem Zweck 5. April den Grafen Codrinchi zum Civilkommissar daselbst, der in Palermo residieren sollte und selbständige polit. und verwaltungsrechtliche Befugnisse erhielt, die sonst den Ministern des Innern, der öffentlichen Arbeiten und des Ackerbaus zustehen. Schon nach einem viermonatigen Bestehen des Kabinetts führte indes eine Militärvorlage zu einer Krisis. Da die Majorität des Ministerrats 10. Juli beschloß, eine von dem Kriegsminister aus Ersparnisrücksichten geplante Verminderung der Friedenspräsenzstärke den Kammern erst im Herbst zur Beratung vorzulegen, erklärte Ricotti seinen Rücktritt, worauf das ganze Kabinett seine Demission einreichte. Zwar wurde Rudini sofort mit der Neubildung betraut, doch lehnten außer Ricotti noch mehrere andere Minister den Wiedereintritt ab. In dem rekonstruierten Ministerium, das 20. Juli zu stände kam, nachdem der Marchese Visconti-Venosta (s. d., Bd. 16) sich zur Führung der auswärtigen Geschäfte bereit erklärt hatte, wurde General Pelloux Kriegsminister, während Luzzatti das Schatzamt, Sineo die Posten und Telegraphen und Prinetti die öffentlichen Arbeiten übernahm.
Seitdem die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten in den Händen Visconti-Venostas lag, machte sich allmählich unverkennbar eine Besserung des Verhältnisses zu Rußland und Frankreich geltend, wozu nicht wenig die 24. Okt. vollzogene Vermählung des Thronfolgers, Prinzen von Neapel, mit der Prinzessin Helene von Montenegro, einer Tochter des "Freundes Rußlands", des Fürsten Nikola I., beitrug. Als eine Frucht dieser verbesserten Beziehungen zu Frankreich ist der 30. Sept. auf neun Jahre abgeschlossene ital.-tunes. Handelsvertrag anzusehen, der namentlich deshalb in I. mit Genugthuung begrüßt wurde, weil man darin den Beginn einer Beseitigung der zwischen I. und Frankreich herrschenden handelspolit. Differenzen sah.
^Italienische Eisenbahnen. Die Eisenbahnen umfaßten 1. Jan. 1895: 14626 km, d. i. 5,1 km auf je 100 qkm Flächeninhalt und 4,? Km auf je 10000 E. Außerdem gab es 2851,73 km Trambahnen, davon 12,25 km elektrische. Von deren Gleisen lagen 131,47 km auf Staats-, 1850,56 km auf Provinz-, 508TTTTT90 km auf Gemeindestraßen und 360,80 km auf eigenem Bahnkörper.
5)ie I. E. im Vetriebsjahre 1895/96:
Bezeichnung der Bahnen
Mitt-lereBe-triebs-länge
Noheinnahme

im ganzen
pro Kilometer
km
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Mittclmeernetz......... Adriatisches Netz........ Sicilisches Netz........ Staatsbahnen im Betriebe der Ve-netianischen Gesellschaft.... Sardinische Eisenbahnen: a. König!. Gesellschaft .... d. Gesellschaft der sardin. Nebenbahnen ......... Sonstige Bahnen........
5 709 5 602 1093
140 411
594 1827
128 346 947 103 517 224 9 865 468
1 090 600 1 667 660
786 304 12 362 367
22 569 18481 9 026
9 790
4 05?
1323
6 762
Gesamtnetz Gegen 1894/95
15 376 -4-447
258 136 570 -s-9 693 287
16788 ^-147
* Italienische Litteratur. Der erste, geachtetste Schriftsteller Italiens ist auch heute noch Giosue Carducci. Er lebt fast nur seinem wissenschaftlichen Lehrberuf und dichtet nur noch für besondere Gelegenheiten. Solchen haben die in grieck. Versmaßen abgefaßten Oden: "Piemonte", "TTTTT", "TTTTT" und "TTTTT" ihre Entstehung zu verdanken. Um Carducci hat sich aber ein Kreis junger Lyriker gebildet, unter denen Panzacchi, Eeverino Ferrari, Giovanni Pascoli, Guido Mazzoni und Cesare Nossi die bedeutendsten sind. Panzacchis Gedichte erschienen 1894 in zwei Bänden. Arturo Graf, der in Athen geborene Sohn eines Deutschen und einer Italienerin, hat Gedichte von großer Formvollendung, in denen eine düstere, pessimistische Weltanschauung zum Ausdruck kommt, in zwei Sammlungen u. d. T. "TTTTT" (Turin 1890) und "Dopo ii tramonto" (ebd. 1894) herausgegeben. In schroffem Gegensatz zu ibm steht Giovanni Marradi. Seine "Nuovi canti" (1891) und seine "TTTTT" (1895) sind heitere Landschaftsbilder und ein frohes Verhältnis der Menschenseele zur Natur ausdrückende Verse von starker musikalischer Wirkung. Ein vielversprechendes Talent ist auch der junge Manfredo Vanni ("TTTTT"). Drei Frauen, Ada Negri, die mitleidsvolle Sängerin des menschlichen Elends ("TTTTT", 1894, und "TTTTT", 1896), A. Vivanti, eine Nichte Paul Lindaus, die Carducci selbst dem ital. Lesepublikum vorstellte, und Vittoria Aganoor, deren "TTTTT", eine lyrische Vision der Geschichte Venedigs, großes Aufsehen machten, haben sich auf dem Gebiete der Lyrik weit über das Durchschnittsmaß erhoben. Der eigenartigste unter den jüngern Lyrikern Italiens bleibt aber Gabriele d' Annunzio, der in jeder neuen Poet. Schöpfung bedeutender erscheint. Seine Sprache klingt wie Musik; von der wilden Erotik seiner ersten Gedichte hat er sich befreit, seine "TTTTT" (1892), in denen er meisterhaft schildert, was vom antiken Rom noch übrig ist, und seine "Odi navali", in denen sich die vielgestaltige Majestät des Meeres spiegelt, sind die vollendetsten Schöpfungen der modernen ital. Lyrik.
Gabriele d' Annunzio ist auch der geistige Führer des Jungen Italiens auf dem Gebiete des Romans. Anfänglich unter dem Einfluß Zolas stehend, ist er in seiner letzten Schöpfung, "TTTTT", von der der erste Teil, "TTTTT" 1896 erschien, zum Symbolisten und begeisterten Anhänger der Nietzscheschen Philosophie geworden. Das zeitgenössische Leben schildern in