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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Fourniere; Fraueneis; Frauenhaar

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Fourniere - Frauenhaar

natürlich einen mannigfachen Wechsel der Druckdessins zeigen, auch streifig, karriert, einfarbig etc. vorkommen. Sie werden in französischen, englischen und deutschen Seidenmanufakturen angefertigt. Verzollung: Zolltarif Nr. 30 e.

Fourniere sind bekanntlich sehr dünne aus Klötzern feinerer Nutzhölzer geschnittene Platten, welche in der Tischlerei zur Überkleidung der aus geringerem Holz (Blindholz) gearbeiteten Möbel dienen. Solche Stücke haben dann, bei viel größerer Wohlfeilheit und Leichtigkeit, das Ansehen als wären sie ganz aus der edlern Holzart gefertigt. Neben dem schönern Äußern besteht aber auch noch der Vorteil, daß die Fournierung dem Verwerfen entgegenwirkt. Bei dem ganz allgemeinen Gebrauch fournierter Möbel ist natürlich der Konsum solcher Holztafeln ein ganz bedeutender, und in den meisten größeren gewerbreichen Städten wie Hamburg, Leipzig, Berlin, Wien etc. bestehen Anstalten, welche solche mittels besondrer, von Wasser oder Dampf getriebener Sägemaschinen fabrizieren. Die gewöhnlichen Fournierhölzer sind Mahagoni, Jaccaranda, Nußbaum, Kirschbaum, Esche etc. Die Fournierschneidemaschinen sind die feinsten Sägewerke, denn man hat die Verdünnung der Tafeln von ihrer ehemaligen Stärke von ½ cm, auf die sie mühsam mit Handsägen geschnitten worden, allmälig so weit treiben gelernt, daß jetzt ½ mm etwas Gewöhnliches ist. Hierzu können natürlich nur sehr dünne, feinzähnige, wenig oder gar nicht geschränkte Sägeblätter dienen, die ohne alle Schwankung immer in einer und derselben mathematischen Ebene arbeiten. Dies ist am sichersten zu erreichen durch gut gespannte Sägeblätter, welche bei uns gewöhnlich die schneidenden Organe der Fournierschneidemaschinen sind. Sie arbeiten so schnell, daß sie in der Minute circa 300 mal hin- und hergehen. Wie bei den neueren Sägewerken überhaupt, ist der Gang der Sägen nicht ein auf- und absteigender, sondern ein horizontal gerichteter, und welche Sicherheit und Sanftheit derselbe haben muß, ergibt sich schon daraus, daß häufig und gern gemasertes Holz, also solches mit unregelmäßigem, verworrenem Faserverlauf geschnitten wird, das bei seiner Geneigtheit zum Zerbröckeln besonders schwierig zu behandeln ist. Wenn die dünnsten F. ½ mm Stärke haben, so ist auf das, was die Säge dazwischen weggenommen hat, auch ½ mm zu rechnen, sodaß also bei aller Menge der Blätter und der Quadratmeter gewonnener Oberfläche doch die volle Hälfte des Blockes in den Abfall gegangen ist. In Frankreich hat man außer den Sägemaschinen auch Stoßwerke, welche gar keinen Abfall machen, indem ein großes Messer nach Art eines Hobels mit 12-16 Pferdekraft den ganzen Block sehr rasch in Blätter zerteilt. Das Holz muß hierzu in geschlossenen Behältern erst durch und durch gedämpft und zäh gemacht werden. Solche F. sind viel wohlfeiler als gesägte, verlangen aber bei bei ihrer Verwendung besondre Aufmerksamkeit, da sie leicht den Leim durchdringen lassen. In England und Amerika haben die Fournierschneiden größtenteils Kreissägen, die in der Menge zwar bedeutend mehr liefern als die Langsägen, aber auch den meisten Abfall bewirken, da die Stahlscheiben, welche auf ihrem Rande die Schneidezähne tragen, bei jeder Größe natürlich auch die entsprechende Dicke haben müssen, welche Schwankungen verhütet. Es gibt endlich in Frankreich und Amerika, wohl nur ausnahmsweise, Maschinen, welche so zu sagen endlose F. schneiden, sog. Rollenfourniere, indem die Säge oder das sägeartig wirkende Messer den vorher richtig cylindrisch geformten Holzblock so faßt, daß sie eine Haut abschält, welche, während der Block sich beständig langsam dreht und entsprechend hebt, sich fort und fort verlängert, bis endlich das ganze Arbeitsstück in dieser Weise abgewickelt ist. F. werden nicht immer aus ausländischen teuren Hölzern, sondern auch aus inländischen geschnitten und dienen dann teils zur Anwendung auf geringere Möbel, hauptsächlich aber zu Unterfournieren, so daß die erste Lage aus dem wohlfeilem Holz besteht, auf welche erst, querüberlaufend, die edlere Holzart geleimt ist. Solche Doppelfournierungen geben eine besondre Sicherheit gegen das Verwerfen. Sonst werden auch noch für andre Zwecke aus verschiednen Hölzern Blätter und, namentlich für Parketfußböden, dünne Platten geschnitten. Man verwendet sie in passenden Stärken besonders zum Klavierbau, zu Geigen, Harmonikas, Guitarren etc. Mit Nußbaumfournieren macht Paris bedeutende auswärtige Geschäfte. Von der aus fremden Hölzern bei uns erzeugten Ware geht auch vieles wieder außer Landes und zum Teil wieder dahin, wo die Hölzer hergekommen waren. Zoll: Rohe s. Tarif im Anh. Nr. 13 c; gefärbte Nr. 13 f; auf einer Seite mit Papier oder Zeugstoff beklebte Nr. 13 g.

Fraueneis (Frauen- oder Marienglas, Gipsspat) ist großkristallisierter wasserhaltiger schwefelsaurer Kalk, also Gips, welcher in Lagern körnigen Gipses schmale Gänge bildet. Er erscheint im reinen Zustande in farblosen wie Glas oder Eis durchsichtigen Tafeln oder Platten, die die Eigenschaft haben, sich ihrer Breite nach in eine Menge sehr dünner Blätter spalten zu lassen. Vor langer Zeit diente der Stoff besonders zur Überglasung kleiner in Klöstern gefertigter Heiligenbilder, daher der Name Marienglas. Nicht zu verwechseln ist das F. mit den glasartigen Blättern von Glimmer (s. d.), welche neuerdings mehr Verwendung haben und auch da gebraucht werden, wo sie der Einwirkung von Hitze zu widerstehen haben, während die Gipsblätter schon in gelinder Hitze durch Verlust des Kristallwassers undurchsichtig werden und zerbröckeln. Als feinster Gips findet das Frauenglas im gebrannten Zustande zu Stukkaturarbeiten mehrerlei Verwendung. In Deutschland bezieht man dasselbe von Rudolstadt, vom Harz, aus Erfurt etc. Zollfrei.

Frauenhaar; so heißt seiner glänzend schwarzbraunen haarförmigen Stiele wegen ein im südlichen Europa und Süddeutschland an Felsen und feuchten Mauern wachsendes feingefiedertes Farnkraut, das Adiantum Capillus Veneris, das ehedem als ein wichtiges Arzneimittel galt. Das Kraut (herba capilli veneris) hat einen süßlichen