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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Globeöl; Glycerin

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Glimmer - Glycerin

Schüppchen vorhanden ist. Die Fälle, in welchen derselbe auf Gängen im Granit für sich in Blättern und Platten kristallisiert vorkommt und einen gebrauchfähigen Stoff bildet, sind weniger häufig. Das Mineral ist ein Doppelsilicat von Kieselsäure, Alkalien und Thonerde, enthält aber häufig noch einen oder mehrere andre Stoffe, welche je nach den Varietäten Manganoxyd, Talkerde, Eisen, Kalk etc. sein können. Im allgemeinen unterscheidet man Kali-, Natron-, Talkerde- und Lithionglimmer; alles Folgende gilt nur von dem Kaliglimmer, auch Muscovit genannt. Begreiflich hat die An- oder Abwesenheit und das verschiedne Mengenverhältniß einzelner Bestandteile einen entscheidenden Einfluß auf die Färbung des Minerals, die denn auch sehr mannigfaltig ist, silberweiß, goldgelb, grau, violett, braun bis schwarz, in selteneren Fällen rosen-, pfirsich-, blut- oder purpurrot. Sein Ansehen ist meist perlmutterartig oder metallisch glänzend und man mag ihm früher oft einen edlern Gehalt zugetraut haben, wie die Namen Katzengold für die goldgelben, Katzensilber für die silberweißen Varietäten vermuten lassen. Die besondre Eigentümlichkeit des tafelförmigen G. ist seine fast unbegrenzte Spaltbarkeit in immer dünnere Blätter und Blättchen. Weißlicher und sonst hellfarbiger G. ist in dünnen Spaltblättern fast farblos, wenigstens so transparent, daß er das Glas vertreten kann, gegen welches er noch den Vorteil hat, biegsam und elastischer zu sein. Da Glimmertafeln in Rußland (Sibirien) bis zu bedeutender Größe gefunden werden, so benutzte man früher den Stoff häufig zur Verglasung von Fenstern und Laternen und nannte ihn Moskauer Glas. Es ist dasselbe etwas teurer als gewöhnliches. Der G. darf nicht mit dem Frauenglas (s. d.) verwechselt werden; er ist ein besseres Material wie jenes, welches zerbrechlicher ist, auch durch Luft und Nässe leidet, die dem G. nichts anhaben, der außerdem auch ziemlich hohe Hitzegrade aushält. Der G. ist vermöge seiner Eigenschaften vielseitiger Anwendung fähig und man wendet ihm auch in neurer Zeit wieder mehr Aufmerksamkeit zu. In England benutzt man ihn für die Fenster von Maschinenwerkstätten, weil Glasscheiben zu häufig von Metallstückchen, die beim Meißeln abfliegen, zertrümmert wurden. Man bezieht ihn dort aus Ostindien, wo er wie in China vielfach für allerlei Galanteriesachen benutzt wird. Das indische Produkt ist sehr rein und wird jetzt auch bei uns verwendet. Auf Kriegsschiffen kommen Glimmerfenster in Gebrauch, da die Erschütterungen durch die Artillerie die Glasscheiben zu leicht schädigen. Häufig benutzt man solche Tafeln zum Einsetzen in die Thüren oder Wände von Schmelz- und andern Öfen, um eine bequemere Einsicht zu haben. Außerdem fertigt man jetzt daraus Rauchfänge über Gasflammen, Lampenschirme und unzerspringbare Cylinder, Taschenlaternen etc. Die jüngste Verwendung ist die zu Schutzbrillen für allerlei Arbeiter in Eisen, Stein, Glas, vor starkem Feuer etc. gegen das Einfliegen von Splittern ins Auge und gegen strahlende Hitze, für Eisenbahner u. dgl. Diese Brillen, die sehr wohlfeil zu haben sind, werden in Breslau von Max Raphael fabriziert, von welchem auch G. in jeder Quantität zu beziehen ist. Der Artikel scheint in der Arbeiterwelt mit großem Beifall aufgenommen zu werden. Die Anwendung des G. in Schüppchenform zur Verzierung von Galanterie- und Spielsachen ist zwar nicht neu, wird aber in jüngster Zeit in neue und größere Aufnahme zu bringen gesucht. Es haben sich Fabriken aufgethan, welche G. zu diesem Zwecke präparieren und unter dem Namen Glimmerbrokate in den Handel bringen, dieselbe kommt auch gefärbt vor (mit Anilinfarben). Diese Pulver, auf einen klebrigen Grund gerieben oder gepudert, allenfalls mit einem Lack überzogen, geben sehr hübsche Effekte und passen für allerhand Galanterieartikel, Buntpapiere, Siegellack etc. ebenso gut wie die metallenen Brokate, vor denen sie noch den Vorzug haben nicht so leicht unscheinbar zu werden, namentlich von schwefligen Dünsten nicht angreifbar zu sein. - G. ist zollfrei. Glimmerwaren werden gem. Tarif im Anh. Nr. 33 d 1 bezw. Nr. 33 d 2 verzollt; Schutzbrillen gem. Nr. 20 c 2.

Globeöl (Vulkanöl, Phönyxöl). Im Westen Virginiens, weit ab von den petroleumreichen Distrikten Nordamerikas, ist ebenfalls eine Erdöl führende Region erschlossen worden, deren Produkt aber so eigentümlich beschaffen ist, daß es zu Beleuchtungszwecken ganz untauglich ist, dagegen als Schmiermittel für Maschinen und Fuhrwerke vor allen andren Fettarten den Vorzug behauptet. Globe, Vulkan etc. heißen die Aktiengesellschaften, welche den virginischen Öldistrikt ausbeuten. Das Vulkanöl war zuerst am europäischen Markte, scheint aber vom G. verdrängt zu werden, das von besserer Qualität, weil besser gereinigt ist. Das rohe Erdöl, wie es aus den Brunnen gepumpt wird, enthält Wasser, Schlamm und erdige Teile, von denen es erst gereinigt werden muß. Diese Reinigung kann natürlich oberflächlicher oder gründlicher geschehen. Während es auf einer Seite heißt, das Öl brauche bloß filtriert zu werden, sagen die Agenten des Globe, es gehöre dazu außer einem besondren Reinigungsverfahren auch ein monatelanges Ablagern, wobei das Öl immer besser und reiner werde. Das westvirginische Schmieröl bildet bei uns schon einen bedeutenden Einfuhrartikel, da es in der That, wenn von guter Qualität, alles leistet, was von ihm gerühmt wird. Es ist säurefrei, trocknet und harzt nicht, bleibt vielmehr stets flüssig, erstarrt selbst bei sehr starkem Froste nicht und setzt auch nach wochenlangem Stillstande der Maschinen keine trocknen Massen ab. Ersparnis gegen Rüböl soll 30-40% sein; spez. Gewicht 0,885. Schlechter Ware, die wohl vorkommt, fehlt es entweder an gehöriger Reinigung, oder sie ist geradezu mit Petroleumrückständen gefälscht. - Zollfrei gem. Tarif Nr. 29 Anm. 1.

Glycerin (Glycerylalkohol, Glyceryloxydhydrat, Ölsüß, Scheele'sches Süß). Dasselbe ist ein Spaltungsprodukt der Fette, bildet sich aber auch in geringer Menge bei der geistigen Gärung zuckerhaltiger Flüssigkeiten. Das G., obwohl schon 1779 von Scheele entdeckt, war bis vor wenig Jahren nur den Männern der Wissen-^[folgende Seite]