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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Harnsäure

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Hanf - Harnsäure

das Werg ist Handelsware und dient zum Kalfatern u. dgl. Der russische H. wird an den Ausfuhrplätzen von Maklern sortiert und gezeichnet, der Paßhanf mit P, der Reinhanf mit R, und die speziellen Sorten noch durch die Zahl der Hanfbänder bestimmt, mit welcher die Packe gebunden sind und die immer aus derselben Sorte von Fasern bestehen, die sie bezeichnen. Reinhanf erster Sorte hat 10 Bänder, die folgenden erhalten 8, 7, 6, das Werg 5. Einen ansehnlichen Teil seines Erzeugnisses versendet Rußland übrigens auch in Form von gesponnenem Garn. Bei dem über die preußischen Häfen gehenden H. heißt die erste Sorte Reinhanf, die folgende Schnitthanf, die geringste Schocken- oder Schuckenhanf. Die Königsberger Ware soll indes von besserer Qualität sein als die gleichbenannten Danziger und Memeler Sorten. - Das zweite nutzbare Produkt der Hanfpflanze sind die Früchte, gewöhnlich Hanfsamen (semen cannabis, richtiger fructus cannabis) genannt. Ein Teil davon gelangt zur Versendung um seiner natürlichen Bestimmung zugeführt zu werden, da die Erfahrung gelehrt hat, daß der Samenwechsel auch beim H. Vorteil bringt und namentlich ein Same aus einer rauheren Gebend, wenn er in ein wärmeres Klima versetzt wird, ein besseres Erzeugnis bringt als in der Heimat. Dies dauert jedoch nicht über die erste Ernte hinaus und die Erneuerung muß daher alljährlich geschehen. In diesem Sinne bezieht z. B. Belgien viel Samen aus Livland und Kurland. Der für diesen Zweck bestimmte Same, der Säehanf des Handels, muß natürlich von bester Beschaffenheit und darf nicht älter als ein Jahr sein, weil bei dem starken Ölgehalt des Hanfkorns leicht ein Ranzigwerden eintritt, das die Keimkraft schwächt oder ganz zerstört. Alle älter gewordenen und sonst zur Saat ungeeigneten Körner bilden die zweite Sorte, die Schlagsaat, welche in derselben Weise wie andre Ölfrüchte zur Ölgewinnung dient. Das Hanföl, das in größter Menge eben auch aus Rußland kommt, ist grünlich oder bräunlich gelb, mild und fade schmeckend und hat einen starken Hanfgeruch. Es eignet sich demnach nicht wohl zu Speiseöl, kann aber, wenn es wie Rüböl raffiniert wird, dieses als Brennöl ersetzen. Am meisten und längsten dient es zur Bereitung der grünen Schmierseife. 100 kg Körner geben etwa 21 kg Öl, oder etwas mehr; die Preßkuchen können als Viehfutter dienen. Medizinisch werden die Hanfkörner zuweilen zur Bereitung von Emulsionen verwendet, die bei entzündlichen Krankheiten als Getränk dienen. Ihre Verwendung als Vogelfutter ist bekannt; sie dienen aber hier und da auch dem Menschen als Nahrungsmittel. In der Lausitz, der Mark etc. bildet Hanfsuppe ein Leibgericht der ländlichen Dienstleute. Die Körner werden zu diesem Behuf durch Stampfen enthülst, gebrüht und gerieben und so zur Suppe verwendet. - H. ist bekanntlich das Hauptmaterial für Seile, Taue und grobe, sehr feste Gewebe. Die Schiffahrt verbraucht zu Tauen, Leinen und Segeltuch gewaltige Massen, die Fischerei zu Netzen ebenfalls nicht wenig. Schiffstaue werden zur Abhaltung der Fäulnis geteert, wodurch sie jedoch etwas an ihrer Haltbarkeit einbüßen. Die Hanfe aus verschiednen Gegenden verhalten sich in dieser Hinsicht ungleich; von der russischen Ware nimmt man an, daß sie durch den Teer am wenigsten geschwächt werde. Das Hanfgarn gibt dauerhafte, zu vielerlei Zwecken dienliche Gewebe. Hanfleinwand wird sowohl in Häuslichkeiten zum Selbstverbrauch als für den Handel gefertigt. Man hält sie für dauerhafter als flächsene; sie ist aber im Vergleich zu dieser schwer zu bleichen. Sonst dient der Hanf zu Segel- und Packtuch, Säcken, Zwillich und auch feineren gemusterten Waren. Der H. wird auch maschinenmäßig und zwar auf denselben Maschinen versponnen wie Flachs. Die so erzeugten Garne bilden jetzt an sich und noch mehr zu Zwirn (Hanfzwirn) und feinen Arten von Bindfaden verarbeitet ein vielseitiges Warensortiment von Strähnen, Knäulen, Rollen und Spulen. Die ersten vorzüglichen Hanfzwirne kommen aus Irland, wo der vielgenannte Fabrikant Marschall der Zwirnkönig ist. Jetzt werden solche fast ebensogut in Belgien und Deutschland hergestellt, namentlich in Hirschfeld bei Zittau, Neusalz a. O., Ottersberg in der Rheinpfalz u. a. Man hat sie in vielen Nummern und Farben, ebenso Garne für Schuhmacher, Sattler, und die feinen weißen und bunten Bindfaden für Apotheker- und andern Gebrauch, ebenfalls auf Zwirnmühlen hergestellt. Ob derartige Waren immer und ausschließlich aus Hanffaser bestehen, läßt sich allerdings nicht verbürgen; der Name Hanfzwirn hat aber bei den Konsumenten einen empfehlenden Klang. - Als Hanfpapier bezeichnet man gewöhnlich die Masse zu den Geldscheinen: es wird aber jetzt hierzu in der Regel Flachs benutzt, und zwar nicht in Form von Hadern, sondern als neue, also noch nicht durch den Gebrauch mürbe gewordene und ausgelaugte Faser. - Zoll: Hanf roh, gebrochen, gehechelt, gebleicht oder gefärbt, zollfrei. Hanfsaat zollfrei. Hanföl gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 4 bezw. 1. Hanfpapier Nr. 27 e. Hanfgarn, Seilerwaren und Gewebe wie Leinen, gem. Tarif Nr. 22 a bis f u. h.

Harnsäure (acidum uricum). - Eine stickstoffhaltige organische Säure, war eine Zeit lang (vor dem Aufkommen der Anilinfarben) ein ziemlich gesuchter Handelsartikel, den man zur Bereitung des Murexides benutzte. Früherhin fahndete man, um die H. zu wissenschaftlichen Zwecken zu gewinnen, da die Abscheidung aus Menschenharn sehr spärlichen Ertrag gibt, nach den Excrementen großer Schlangen aus Menagerien, die fast reines harnsaures Ammoniak sind. Der peruanische Guano bot darnach eine Quelle, welche erst eine technische Benutzung möglich machte. Durch Kochen des Guano mit Kalk und Pottasche wird die H. gelöst und durch Zumischung von Salzsäure, in welcher sie unlöslich ist, aus dem Absude gefällt. 100 kg Guano geben etwa 7 kg Säure aus; sie bildet ein bräunlich-gelbliches Pulver, ist aber in diesem Zustande noch nicht rein. Durch Wiederauflösen in Kalilauge und weitere Manipulationen erhält man sie in schneeweißen Schuppen und Säulchen, aber bis auf die Hälfte oder ein Drittel der Masse reduziert. Jetzt hat sie keine Verwendung mehr. - Zollfrei.