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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kamillen; Kamillenöl; Kammfett; Kampfer

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Kamillen - Kampfer

Kamillen. - Man unterscheidet im Droguenhandel folgende zwei Arten von K. : 1) Feldkamillen (Hermelchen, deutsche K., lat. flores Chamomillae vulgaris); die getrockneten Blütenköpfchen der bei uns auf Feldern und unbebauten Plätzen vorkommenden Matricaria Chamomilla; sie sind leicht an ihrem starken, aromatischen Geruch zu erkennen, sowie an dem kegelförmigen, nackten, innen hohlen Fruchtboden und den nach abwärts gerichteten, weißen Randblütchen. Der Verbrauch dieser Blüten zu medizinischen Zwecken als Thee ist ein bedeutender, ebenso der Export. 2) Römische K. (Edle K., flores Chamomillae romanae); es sind dies die getrockneten Blütenköpfchen einer gefüllten Varietät von Anthemis nobilis, einer in Südeuropa heimischen Composite, die aber in Belgien, Thüringen und Sachsen (zwischen Kieritzsch und Altenburg) auf Feldern stark angebaut wird. Die Blütenköpfchen sind größer und haben einen andern Geruch, als die der gemeinen K., auch fehlen die gelben Scheibenblüten; der Blütenboden ist gewölbt, jedoch nicht hohl und mit Spreublättchen besetzt. Diese Blüten werden im Auslande mehr gebraucht, als im Inlande, es findet daher bedeutender Export statt. Im Großhandel unterscheidet man sächsische und belgische, erstere haben den Vorzug; ihr Preis schwankt meistens zwischen 80 Pf. und 1 Mk. pro kg. - Die wirksamen Bestandteile beider Sorten bilden das ätherische Öl und ein Bitterstoff. - Zollfrei.

Kamillenöl; das ätherische Öl der Kamillen (s. d.); man unterscheidet: 1) Deutsches K. (Oleum chamomillae vulgaris); dasselbe ist dickflüssig, dunkelblau, wird aber bei längerem Aufbewahren braun; es hat wegen geringer Ausbeute einen sehr hohen Preis, ca. 350 Mk. pro kg; eine geringere, mit Citronenöl zusammendestillierte Sorte kostet nur 120 Mk. (Oleum Chamomillae citratum). - 2) Das römische K. (Ol. Chamom. romanae) ist ebenfalls blau, zuweilen auch grünlich, aber dünnflüssig; es wird im Alter auch braun. Das kg wird mit 115 Mk. bezahlt. Man verwendet diese Öle medizinisch, das römische auch als Zusatz bei der Bereitung gewisser aromatischer Liköre. - Verzollung gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Kammfett; ursprünglich das aus dem Oberhalse (Kamm) der Pferde auf Scharfrichtereien ausgeschmolzene Fett, das von jeher zu Leder- und Maschinenschmiere, zu Salben für Tierärzte etc. benutzt wurde. Heutzutage gibt es Anstalten (namentlich eine in Leipzig), wo die ganzen Pferdekadaver in geschlossenen Cylindern mit Dampf behandelt werden, wie dies unter dem Worte Bonefize näher angegeben ist. Die hier als oberste Schicht erhaltene Flüssigkeit, die in der Kälte butterartig wird, ist ein reines, helles, und weil nicht in trockner Hitze erschmolzen ganz geruchfreies Fett, das ebenfalls unter dem Namen K. verkauft wird, in Leipzig der Zentner zu circa 42 Mk. Bei der massenhaften Gewinnung ist der Artikel nun eine wirkliche Handelsware geworden und wird besonders als Maschinenschmiere, zum Einfetten der Wolle so wie zur Darstellung einer sog. Elain- oder Schmierseife (einer ganz weichen Kaliseife) für die Tuchfabrikation verwendet. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 26 c 4.

Kampfer (Kampher, Camphora), auch chinesischer, japanesischer und gewöhnlicher K. genannt. Dieser, als beliebtes Hausmittel hinreichend bekannte, den ätherischen Ölen verwandte Stoff mit seinem eigentümlichen Geruch und brennendkühlenden Geschmack ist ein Pflanzenprodukt, das in vielerlei, auch einheimischen Gewächsen, wie Rosmarin, Lavendel, Dosten etc., besonders aber in Stamm, Zweigen und Blättern verschiedner Lorbeerarten vorkommt und in Japan, China und auf der chinesischen Insel Formosa vorzugsweise aus den genannten Teilen des Kampferlorbeerbaums (Laurus Camphora) gewonnen wird, indem man dieselben, das Holz nach Ausscheidung der zum Schiffbau dienlichen Stücke, in eisernen Kesseln, worauf andre dergleichen gestülpt sind, mit Wasser kocht, wobei der ausgetriebene K. sich in den Aufsätzen ansammelt und abgekratzt wird. Die Masse läßt beim Stehen eine Quantität sehr stark riechendes Öl, das echte Kampferöl, austropfen, das an Ort und Stelle selbst gegen Rheumatismus gebraucht und konsumiert wird. Im Innern der Stämme findet sich der K. zuweilen schon krystallinisch ausgeschieden vor. Sowohl die chinesische als die japanische Ware kommt roh nach Europa und wird hier erst durch nochmalige Sublimation gereinigt. Der K. schmilzt bei 175° C. zu einer dünnen Flüssigkeit, wird bei 200° flüchtig und geht in dicken, weißen Dämpfen fort, die sich an kühlern Gegenständen verdichten. Sonach geschieht die Raffination dergestalt, daß man die Rohmasse in eigenen gläsernen Gefäßen schmilzt und dann unter Zusatz von Kalk bis zum Sieden erhitzt. In einem obern Aufsatze verdichten sich die Dämpfe zu einem, dem Hohlraum desselben entsprechenden 0,5-1,5 kg schweren Kuchen, in welcher Form der K. Handelsware ist. Derselbe löst sich leicht in Alkohol, Äther, Essigsäure, ätherischen Ölen, im Wasser jedoch nur bis etwa zu 1/1000 was indes hinreicht, demselben einen ausgesprochenen Geruch und Geschmack nach K. zu erteilen. Der hier gemeinte gewöhnliche K. ist leichter als Wasser; kleine, auf demselben schwimmende Stückchen geraten in eine lebhaft rotierende Bewegung, die als ein Zeichen der Reinheit gilt, denn wenn dem K. eine fremde fettige Substanz beigemischt ist, so bleibt die Bewegung aus. Trotz seines hohen Schmelzpunktes ist der K. so flüchtig, daß er mit der Zeit an der Luft völlig verschwindet, also unter gutem Verschluß in Gläsern zu halten ist. Zu Pulver reiben läßt er sich nur, nachdem er vorher mit Alkohol befeuchtet wurde. - Der japanische K. wird meistens nach Holland exportiert, daher man ihn auch holländischen nennt. Er ist in sog. Tubben verpackt, Strohgeflechte, die mit Bast und Rohr umwickelt sind und etwa 50 kg Inhalt haben. Der chinesische und Formosa-Rohkampfer kommt nach England in viereckigen, mit Blei ausgelegten Kisten. Der K. wird in mancherlei Form meist nur äußerlich verwendet, sehr selten innerlich, größere Dosen wirken gif-^[folgende Seite]