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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kaninchenfelle; Kanister; Kanthariden

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Kaninchenfelle - Kanthariden

Kaninchen nutzt durch Haare, besonders wertvoll von Seiden- und Silberkaninchen - 1 kg 20-24 Mk. - pro Stück 200-250 g als Ertrag; durch die Bälge (s. Kaninchenfelle), den Dünger (für Gärten beliebt) und als Fleisch- oder Schlachtware, welche bei der starken Vermehrung der Tiere, jährlich 40-80 Junge, bis zu und über 100 kg von einem Weibchen ergeben kann. - In der Neuzeit hat man das Hauptaugenmerk auf große und vorteilhafte Rassen gerichtet und bezahlt vorzügliche Zuchttiere bis zu 150 Mk. pro Stück. Dahin gehören : die (afrikanischen) Widderkaninchen (Bulldoggk.) aus Algier, mit Gewichten bis zu 8 und selbst 10 kg (Amerika), die besseren französischen K., meist Kreuzungsprodukte, besonders Normandiner, Gascogner etc. Gehegekaninchen, 4-6 kg, die chinesischen und die damit gekreuzten engl. K., die wegen ihrer Haare geschätzten Silber-, Seiden- und Angorakaninchen, ferner die Bastarde aus Feldhasen und K., die sog. Leporiden, am schwersten wiegend und am besten im Fleisch. Die gewöhnlichen deutschen K. sind weniger wertvoll (1-2 kg). Nur die veredelten Kreuzungsprodukte können für den Großhandel in Betracht kommen. Als durchschnittliche Preise für Schlachtware gelten in Berlin 2-4, in Frankreich 4-6, in Belgien bis 8.4, in England 5-6 Mk.; 1 kg Fleisch gilt 0.8 bis 1.6 Mk., je nach Rasse, Mastzustand und Marktort. - Die Mast der K. kann mit billigeren Futtermitteln als für anderes Schlachtvieh bewirkt werden, doch gehört gute Auswahl und öftere Abwechslung dazu. Die leichten Erkrankungen beeinträchtigen bei nicht sorgsamer Pflege den Ertrag, welcher im Durchschnitt mit 160 Mk. Reingewinn pro Weibchen angenommen wird. Man braucht viel und gute Einstreu, bis 1 m. Ztr., und 2-3 Ztr. Futter pro Stück und Jahr. Auf einen Bock rechnet man bis 8 Zibben. Im Deutschen Reich hatte nach 1870/71 die Zucht einen bedeutenden Aufschwung genommen, ist aber von 1880 ab wieder zurückgegangen; das Vorurteil gegen das Kaninchenfleisch ist noch nicht überwunden, andererseits aber auch die Zucht nicht so einfach und leicht, wie Enthusiasten sie geschildert haben. Es gibt besondre Zuchtvereine, durch welche Auskunft und Anleitung über die Zucht und den Handel zu erhalten ist. Berühmte Züchtereien sind die von W. Ganzel jun. in Meißen (Sachsen), J. Steinböck in Wien, A. Rasso und J. L. Petrachino, Großregensdorf bei Wien (8000 Mütter), und in Klosterneuburg bei Wien. In England sind die berühmtesten. Zuchten in York, Cambridge, Lincoln, in Frankreich (Verbrauch 70 Millionen Stück, Ausfuhr wöchentlich 1-2 Mill. Stück) besonders im Norden, Medon und bei Lyon.

Kaninchenfelle und -Haare. Das Kaninchen, der nahe Verwandte des Hasen, hat in der gemäßigten Zone Europas und Asiens dieselbe weite Verbreitung wie dieser und kommt teils als ganz freies, teils als gehegtes Wild und teils in gezähmtem Zustande vor. Das wilde Kaninchen hat als ziemlich konstante Naturfarbe graurötlich, da der Pelz aus schwarzen, weißen und roten Haaren gemischt ist, während die zahmen Tiere in mancherlei Farben, weiß, schwarz, braun, grau, bläulich, gelblich etc., sowie einfarbig und gescheckt vorkommen und im allgemeinen größer sind als jene. Am meisten geschätzt sind die ganz weißen, schwarzen und blauen. In Frankreich (nebst Belgien) wird ein besonders großer, pelzreicher Schlag gehegt und kommen ein paar Millionen Felle teils naturell, teils gefärbt in den Handel; eine viel größere Menge davon aber wird in der Hutmacherei verbraucht. Das Schönste, was in dieser Branche vorkommt, sind die wilden schwarzen, mit weißen Haarspitzen (silberige); sie werden in Wildgärten besonders gehegt und ihre Felle geben ein in Rußland sehr beliebtes Pelzwerk. Außerdem hat England noch sehr viele graue wilde und auch große zahme Kaninchen. In Polen zieht man eine eigene kleine, kaum die halbe Größe der gewöhnlichen erreichende Abart, die fast lauter weiße Tiere gibt. Von den Fellchen derselben werden über ½ Million jährlich von den Kürschnern zu Fraustadt und Lissa zu Pelzwerk verarbeitet, das ein wohlfeileres Hermelin vorstellen kann. Kaninchenfelle werden überhaupt zu mancherlei Verwendungen als billiges Pelzwerk verbraucht. Sie sind als Rohware für den Handel wie die der Hasen sortiert in Winter- und Sommerfelle, fehlerlose und beschädigte. Bei der feinsten Ware kann sich der Einzelpreis eines Stücks auf 2-3 Mk. stellen, der bei den geringsten Fellen nur ein paar Groschen ist. - Die Kaninchenhaare sind ein wichtiger Artikel für die Hutmacherei. Sie werden entweder von den Fellen abgeschoren oder abgebeizt. Hauptsächlich der Haare halber werden die weißen angorischen Kaninchen oder Seidenhasen gehalten, von welchen jeder 12-16 Lot reine Haare im Jahre liefern kann. Diese werden den Tieren im Sommer allmonatlich zweimal, im Winter nur einmal ausgekämmt oder gerupft und bilden ein außerordentlich elastisches und wärmendes Material, das entweder für sich oder in Vermischung mit Wolle oder Baumwolle kardätscht und versponnen und zu allerlei hübschen Artikeln verwebt wird. - Zoll: s. Hasenfelle.

Kanister sind Blechflaschen oder -Dosen zur Versendung von Ölen u. dgl.

Kanthariden (spanische Fliegen, Blasenkäfer, Pflasterkäfer, Cantharides). Diese in ihrer Verwendung als blasenziehendes Mittel allgemein bekannten Tiere (Lytta vesicatoria), schlanke, metallisch grün glänzende Käfer von 2-2,5 cm Länge, kommen im südlichen Europa und Deutschland häufig, in Mitteldeutschland nur strichweise und als herübergekommene Schwärme vor, obschon sie in einigen, günstig situierten Lokalitäten auch feste Standquartiere haben mögen, nach ihrem regelmäßigen jährlichen Auftreten zu schließen. Im ganzen ist ihr Erscheinen bei uns in der neuern Zeit viel seltener geworden. Die Bezugsländer sind namentlich das südliche Rußland, Rumänien, Ungarn, Österreich, von woher sich auch Nordamerika und zum größern Teil Frankreich und England versorgen müssen. Auf den Messen zu Pultawa und Nischnij Nowgorod bilden die K. einen Hauptartikel. Der bevorzugte Futterbaum der Tiere ist die Esche;