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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Knoppern; Kobalt

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Knochen - Kobalt

organische wie unorganische Stoffe, namentlich färbende Materien, Bitterstoffe, Kalk- und andre Salze aus Flüssigkeiten abzuscheiden und zu absorbieren. Sie bildet daher ein unentbehrliches Mittel bei vielerlei Reinigungs- und Klärungsprozessen; im größten Maßstabe geschieht dies in der Zuckerfabrikation, wo sie dazu dient, die mit Kalk geklärten braunen Zuckerlösungen gleichzeitig zu entfärben und zu entkalken. Hierüber Näheres unter Zucker. Die zum Klären bestimmte Kohle bringt man in die Form eines gröblichen Pulvers; was dabei staubförmig abfällt, bildet das Beinschwarz (auch gebranntes Elfenbein, Ebur ustum nigrum genannt), zu Wichse und schwarzen Farben, als Polierpulver für Silberarbeiter etc.

Im offenen Feuer verlieren Knochen durch Verbrennung alle ihre organischen Bestandteile und es hinterbleibt der mineralische Gehalt in geschwundenen, leichter gewordenen harten weißen Stücken übrig. Wird das Brennen in einem Schachtofen vorgenommen, so genügt ein anfängliches Holzfeuer, das die erste Füllung in Brand und den Ofen in Hitze setzt; im weitern Fortgange unterhalten dann die Knochen den Brand selbst und es können von oben immer frische nachgeworfen, gebrannte unten herausgezogen werden. Derart gebrannte Knochen bilden, nachdem sie gut gepulvert worden, die sog. Knochenasche, weißes Spodium, auch weißgebranntes Elfenbein genannt. Die Knochen dienen ferner als gewöhnliches Material zur Darstellung des Phosphors (s. d.) und phosphorsaurer Salze und die Fabrikation geht, wenn sie, wie noch oft, in hergebrachter Weise betrieben wird, von den weißgebrannten Knochen her.

Die Knorpelsubstanz ihrerseits gibt Knochenleim (s. Gelatine u. Leim). Um zur Gelatine zu gelangen ist es nötig, die mineralischen Substanzen durch verdünnte Salzsäure zu extrahieren. Die Auslaugungsflüssigkeit ist aber dabei kein wertloser Abfall, sondern sie enthält den sauren phosphorsauren Kalk in Lösung und dient entweder zur Gewinnung von Phosphor oder zur Darstellung von Düngmitteln. In zweckmäßiger Weise wird daher neuerdings auch die Gewinnung von Phosphor mit der von Knochenleim verbunden und damit die sämtlichen Knochenbestandteile, auch das Knochenöl, zugute gemacht. In allen Fällen nämlich, wo Knochen durch Salzsäure zersetzt werden sollen, ist eine vorgängige Entfettung unerläßlich, weil sonst die Säure die Knochen gar nicht angreift. Die Entfettung geschieht dann in der Regel durch Auskochen; man übergießt die Knochen in einem hölzernen Gefäß mit Wasser und erhält dieses durch einen Dampfstrom die gehörige Zeit im Sieden. Das Fett steigt an die Oberfläche und wird nach dem Erkalten abgenommen. Der Ertrag ist, wenn die Knochen frisch waren, bis 2%. Die weißgebrannten gemahlenen Knochen können natürlich ebenso wie das Mehl von ungebrannten mit Schwefelsäure behandelt werden und geben dann auch ein Superphosphat, das für sich oder in Vermischung mit stickstoffhaltigen Substanzen als künstlicher Dünger dient. - Zoll: Knochen, Knochenmehl, Knochenkohle zollfrei. Knochenleim gem. Tarif im Anhang Nr. 5 e. Knochenplatten Nr. 13 d, Knochenwaren Nr. 13 g.

Knoppern; ein Artikel des Droguenhandels, sind ihrem Wesen und Ursprunge nach dasselbe wie die orientalischen Ackerdoppen (s. d.) oder Valonen, nämlich Auswüchse, welche durch den Stich einer Gallwespe (Cynips calicis) in die Kelche junger Eicheln entstehen und die Nester für die junge Brut des Insekts abgeben. Der Unterschied besteht nur darin, daß jene auf orientalischen Eichen, diese auf den auch bei uns vorkommenden entstehen und zwar besonders in Ungarn, Dalmatien, der Bukowina und Slavonien gefunden und gesammelt werden. Die Kelche wachsen durch die tierische Einwirkung zu unregelmäßigen, stark gefurchten, eckigen und stacheligen Gebilden aus, die gewöhnlich den verkümmerten Eichelkern noch einschließen und meist braun oder gelblich gefärbt sind. Das Einsammeln der K. durch Landleute geschieht in den genannten Gegenden im September und Oktober, wo die K. von den Bäumen fallen und es gibt auch hierbei schlechte und gute Erntejahre. War die Witterung durch Wärme und Trockenheit der Bildung der K. günstig, so kann ein einziger Baum an 125 kg liefern; in Mißjahren steigen die Preise bedeutend. Das Geschäft in diesem Artikel liegt in den Händen jüdischer Kaufleute; Handels- und Versendungsplätze sind Pest, Fünfkirchen, Oedenburg, Temeswar. Von den Ländern außer Ungarn wird fast nichts in den Handel gebracht, sondern der Ertrag selbst verbraucht. Die Ware, welche reicher an Gerbstoff ist als die Eichenrinde und gegen 25% davon enthält, dient in der Färberei als Surrogat für Galläpfel und zum Gerben, besonders von Sohlleder. Es gilt dies letzte aber eigentlich nur für Österreich, wo die Gerber neben Eichenlohe viel K. verbrauchen, während die norddeutschen Gerber sich an die Eichenrinde halten und deren selbst aus Österreich beziehen. Das österreichische mit K. gegerbte Leder ist gleich an seiner vom Gewöhnlichen abweichenden Färbung erkenntlich; es ist auch sehr fest, aber nicht so zähe wie das Lohleder. Da die K. für den Gebrauch gemahlen werden müssen, so kommen auch schon gemahlene K. (Knoppermehl) in den Handel; doch ist die Ware nicht selten mit schon abgebrauchtem Mehl, Sand u. dgl. gemischt. Ferner bereitet man, namentlich in Wien und Regensburg, durch Auskochen und Eindampfen Knoppernextrakt, das eine dunkelbraune, harte und spröde Masse bildet, welche bei guter Bereitung und Unverfälschtheit sich völlig in Wasser zu einer braunen Flüssigkeit wieder löst und 45-52% Gerbstoff enthalten soll. 100 Teile K. geben 53-56% Extrakt. Knoppern, Knoppernmehl, Knoppernextrakt zollfrei.

Kobalt; ein besonderes Metall, das gediegen auf der Erde nicht gefunden wird, sondern nur in Verbindung mit andern Elementen in den Kobalterzen. Das reine metallische K. kommt für gewöhnlich nicht in den Handel, da es auf den Hütten nicht dargestellt wird, dagegen liefert es in seinen Verbindungen verschiedne Beiträge zum Sortiment der Farben, namentlich das