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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kobalt

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Kobalt - Kobalt

heisst Streublau; in einem zweiten Bottich, auf welchen die Trübe sogleich übergeschafft wird, setzt sich die tiefste Nüance des Blau, die Farbe oder Kouleur ab; im folgenden Gefäß erhält man noch eine hellere Farbe von feinerer Zerteilung, den Eschel, und dann gelangt die Flüssigkeit, wie alle andern, welche bei nochmaligem Auswaschen der Sorten abfallen, in ein großes Reservoir, wo sich die letzten trübenden Teilchen sehr langsam absetzen. Sie bilden den Sumpfeschel, der entweder als geringstes und hellstes Blau verkauft oder bei folgenden Glassätzen wieder zugesetzt wird. In gleicher Weise wird das Streublau entweder als blauer Streusand verkauft oder wieder zur Masse geschlagen. In der Praxis macht man aber nicht nur diese wenigen, sondern durch Zerteilung der Schlemmarbeit in kürzere Perioden eine ganze Reihe Sorten. Die Smalte hat nicht die scharfe Beschaffenheit eines Glaspulvers, sondern fühlt sich mild und mehlig an. Das kommt von dem Überschuß an Kali, welches reichlicher verwendet wird als es zu hartem Glas erforderlich wäre; der glasige Träger des Blau ist also eher dem Wasserglas (s. d.) vergleichbar und in der That läßt sich durch bloßes Ausziehen mit Wasser die Nüance einer Smalte immer noch etwas ändern. Die Pottasche läßt sich bei dieser Smaltebereitung nicht durch Soda ersetzen, da letztere kein reines Blau liefert. Das schöne Blau der Smalte besitzt eine Dauerhaftigkeit wie wenig andre Farben, und namentlich das künstliche Ultramarin, das ihr jetzt allerdings viel Konkurrenz macht, kann sich hierin nicht mit ihr messen. Sie dient deshalb vorzüglich zur Fresko- und Zimmermalerei, zu Anstrichen für dem Wetter ausgesetzte Gegenstände, z. B. Handelsfirmen. Als Einbrennfarbe kann die eigentliche Smalte (nicht die Eschel) auch dienen, doch benutzt man hierfür gewöhnlicher zu feinern Arbeiten, auf Porzellan und Glas, die reinern Oxyde, für geringere, wie Töpferglasuren und Dekorationen von Steingut etc. den Zaffer.

Dieser, auch Saflor genannt, ist das direkteste Hüttenprodukt und wird einfach erhalten, indem man reine und reiche Kobalterze abröstet. Man erhält somit Kobaltoxyd, allerdings mit fremden Oxyden gemengt und deshalb ein weniger schönes Blau gebend. Diese Masse wird zerkleinert und mit bestimmten Mengen von Quarzsand zusammengemahlen. Je nach der Menge des zugesetzten Quarzes erhält man verschiedne Sorten von Zaffer, deren quarzreichste natürlich das hellste Blau gibt. Bei dem Gebrauch als Töpferfarbe muß ihm erst Pottasche als Flußmittel zugesetzt werden. Außerdem ist der Zaffer das Material für Glasfabriken zu blauen Gläsern.

Auf der Preisliste der königl. sächsischen Blaufarbenwerke sind 3 Sorten Zaffer à 150, 129 und 90 Mk. per Zentner verzeichnet. Die Namen Smalte und Eschel kommen auf derselben nicht mehr vor, sondern sie heißen zusammen Blaufarben und bilden ein sehr zahlreiches Sortiment, dessen Sorten durch Zusammenstellungen von römischen Buchstaben und zum Teil Ziffern markiert sind. Man hat erstlich die E-Sorten (Eschel), dienlich zum Bläuen von Weißzeug, Papier und Stärke, 24 an der Zahl, abgestuft im Preise von 174-24 Mk. per Zentner; C-Sorten (Kouleuren), als feuerbeständige Schmelzfarben dienend, 13 verschiedne von 174-24 Mk.; dann Kobaltblau (Ultramarin), zu Öl- und Wasserfarben, zum Buntdruck und als Färbmaterial für künstliche Blumen, 7 Sorten von 66-10 Mk. das Kilo. Blausand in 2 Sorten à 29 und 27 Mk. per Zentner. Kobaltoxyde für die Porzellan- und Steingutfabrikate in 9 Sorten von 36-9 Mk. pro Kilo. Dies sind die Preise des Leipziger Blaufarbenlagers; auf dem zu Schneeberg sind sie etwas niedriger.

Die Eschel unterscheiden sich in ihrer innern Beschaffenheit von den Smaltesorten dadurch, daß sie den Charakter des Glases nicht mehr in dem Grade wie diese besitzen, denn durch Einwirkung der großen Menge Wasser hat sich ihre Glasmasse zum Teil zersetzt und flockige Kieselerde ausgeschieden. Oxyde gibt es chemisch genommen zwei, das Oxydul und das eigentliche Oxyd. In dem Zaffer sind beide im Gemisch enthalten. Es sind unscheinbare graue bis schwarze Pulver, deren Farbenpracht sich erst entwickelt, wenn sie in einen Glasfluß eingehen. Das sächsische Sortiment enthält als Sorten das Oxydul, das reine Oxyd und das Oxydhydrat, dazu noch ein paar Kobaltsalze, nämlich arsensaures und phosphorsaures Kobaltoxyd, welche in Wasser unlösliche Pulver bilden. Die löslichen und kristallisierbaren Salze, durch Auflösen der Oxyde in Salpeter-, Salzsäure etc. zu erhalten, zeigen rosen- bis granatrote Farben. Aus ihren Lösungen werden auf Zusatz eines arsen- oder phosphorsauren Salzes jene unlöslichen Salze ausgefällt.

Das Kobaltultramarin (Thenards Blau) ist eine Komposition, welche aus Kobaltoxydul und Thonerde besteht, also von der Smalte wesentlich verschieden ist. Sie kann erhalten werden, wenn man reinen weißen Thon mit der Lösung eines Kobaltsalzes tränkt, trocknet und glüht, schöner aber in der Art, daß man zu der Lösung von 100 Tln. Alaun 5-10 Tle. (je nach der verlangten Nüance) schwefelsaures Kobaltoxydul mischt, die Mischung zur Trockne eindampft und die Masse 6-8 Stunden in heller Rotglut hält. Es bleiben dann nur noch die Basen der Salze übrig, zu einem blauen Körper verbunden, der mit Wasser fein gemahlen wird. Diese Farbe ist als ein Kobaltoxydulaluminat zu betrachten. Das Blau hat nicht ganz das Feuer und die Deckkraft der künstlichen Ultramarine, erscheint auch bei Lampenlicht unrein violett, ein Fehler übrigens, der allen Kobaltblaufarben eigen ist. Die sächsischen Blaufarbenwerke haben bis jetzt die Fabrikation dieser Ware fortgesetzt, obschon sie neben dem eigentlichen Ultramarin kaum bestehen zu können scheint. -

Eine hübsche auch bei Lampenlicht rein himmelblaue Farbe, gut deckend und dauerhaft, ist endlich das Coelin (Coeruleum), bestehend aus Kobaltoxydul und Zinnsäure mit einem starken Zusatz (30-50%) Gips. Der sächsische Preiskurant enthält nur eine Sorte im Preise von 10 Mk. das Kilo. Das K. vermag aber nicht bloß blaue, sondern in gewissen Verbindungen auch andre Farben zu liefern, namentlich Grün und Gelb.