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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kochenille

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Kobalt - Kochenille

Das Kobaltgrün (Zinkgrün, Rinman's Grün) ist schon im vorigen Jahrhundert durch Glühen eines Gemenges von Zinkoxyd mit Kobaltoxydul dargestellt worden, hat aber als zu teuer und wenig schön früher fast keine Anwendung gehabt. In neurer Zeit hat man es schöner darstellen gelernt und es bringen die sächsischen Blaufarbenwerke (dem Vernehmen nach nur diese) 5 Nüancen von Kobaltgrün in den Handel zum Preise von 4-6 Mk. das Kilo. Die Farbe erscheint bei größerem Kobaltgehalt dunkel-, bei geringerem grasgrün und ist eine ganz angenehme und haltbare Farbe für Tapeten und Zimmermalerei, wenn sie auch den giftigen grünen Kupferfarben nicht gleichkommt. Die angenehmste Farbenstufe soll das Produkt haben, wenn auf 9-10 Gewichtsteile Zinkoxyd 1-1½ Teil Kobaltoxydul kommt. Die in den Lehrbüchern angegebenen Zubereitungsweisen laufen darauf hinaus, daß die Lösung eines Kobaltsalzes oder das frisch aus einer Lösung gefällte Oxydul mit Zinkweiß zu einem Brei zusammengerieben, dieser getrocknet, geglüht, gepulvert und mit Wasser ausgewaschen wird. Oder man vermischt die Kobaltlösung mit einer solchen von Zinkoxyd, fällt beide Oxyde durch ein Alkali (Soda) und verfährt mit dem ausgefällten Brei wie angegeben. Eine besser deckende Farbe von größerer Farbenintensität wird neuerdings mittels Chlorroseokobaltiak dargestellt, welches man mit Zinkoxyd zusammenglüht. In Glasflüssen erzeugt das Kobaltgrün nichts andres wie Blau, und ebenso wirkt auch das noch zu erwähnende Gelb. -

Kobaltgelb (nicht auf der sächsischen Liste) ist ein schön goldgelbes kristallinisches, für Öl- und Aquarellmalerei geeignetes Pulver und seiner Zusammensetzung nach salpetrigsaures Kobaltoxydkali. Man erhält es als Niederschlag, wenn in ein Gemisch von gelöstem Kalisalpeter und salpetersaurem Kobaltoxydul Dämpfe von salpetriger Säure eingeleitet werden. -

Die Kobaltindustrie hat von jeher und noch jetzt ihren Hauptsitz im sächsischen Erzgebirge und die dortigen königlichen Hütten in Oberschlema, Pfannenstiel, Zschopauthal nebst einem Privatwerk bilden ein Konsortium, an welches alle Kobalterze gegen bestimmte Taxen abzuliefern sind. Durch die Konkurrenz des künstlichen Ultramarins ist der sächsische Absatz auf etwa die Hälfte von dem beschränkt worden, was er vor einigen dreißig Jahren war. Es werden jährlich zwischen 6 und 7000 Ztr. Blaufarbewaren produziert und abgesetzt, im Werte von circa 800000 Mk. Kleinere Werke gibt es im ehemaligen Kurhessen zu Schwarzenfeld und Karlshafen, zu Schloß Horst an der Nahe, am Harze etc. Manche früher bestandene, namentlich bedeutende im badischen Schwarzwalde, sind bereits eingegangen. Norwegen bringt auch Smalten in den Handel, versendet aber auch Erze, namentlich nach England, das anderseits solche in Ermangelung ergiebiger Fundorte auch von Nordamerika und Chili bezieht. -

In der Chemie dienen Kobaltlösungen bei Lötrohrversuchen zur Entdeckung mehrer Oxyde, namentlich das salpetersaure Salz (Cobaltum nitricum). Nicht zu verwechseln mit dem Kobaltmetall ist das früher in Droguenhandlungen unter dem Namen Cobaltum nigrum vorkommende Produkt; es enthält dieses gar kein K., sondern ist der alte Name des metallischen Arseniks. - Kobalterz, Kobaltsalze und K.-farben (Smarte, Safflor) sind zollfrei.

Kochenille (Coccionella, frz. Cochenille, engl. Cochineal); die getödeten und getrockneten Weibchen einer Schildlaus (Coccus Cacti), die ihre Nahrung von Kaktuspflanzen (Cactus Opuntia u. a.) bezieht. Pflanze und Tier sind in Mexiko und Mittelamerika einheimisch; die Schildlaus diente schon den alten Mexikanern zum Färben und war zu diesem Zwecke Zuchttier bei ihnen. Sie nannten den Kaktus Nopal, wovon der gebräuchliche Name Nopalerien für Kochenilleplantagen stammt. Alle gute K. ist ein Produkt der Züchtung; was als wildwachsend eingesammelt wird, bildet eine geringe Handelsware. In frühern Zeiten war die K. ein Monopol der Spanier; sie konnten indes trotz strenger Verbote die Verbreitung der Zucht nach andern Weltgegenden nicht hindern. Es wird dieselbe nunmehr betrieben auf den westindischen Inseln, in Peru und Brasilien, auf den kanarischen Inseln, von welchen Teneriffa große Quantitäten liefert, auf Java und den Philippinen, im südlichen Spanien, Sicilien, seit 1831 auch in Algier. Zur Anlage einer Plantage gehört natürlich, daß Kaktus gepflanzt und ein paar Jahre alt werden, worauf man sie mit trächtigen Weibchen besetzt, deren zahlreiche Brut nach dem Auskriechen aus den Eiern die Pflanzen überzieht. Jedes Weibchen bohrt sich mit seinem Saugrüssel auf dem gewählten Platze für immer fest. Die Männchen sind viel seltener, sodaß auf etwa 300 Weibchen eins kommt, kleiner und beweglicher. Sie bekommen vor der Begattung Flügel und sterben nachher, während die Weibchen durch Bildung zahlreicher Jungen beträchtlich anschwellen und sich zur Erbsengestalt runden. In dieser Verfassung, kurz vor dem Absetzen der Brut, werden die Tiere mit Schonung so vieler als zur folgenden Zucht benötigt sind, von den Pflanzen auf untergelegte Tücher oder in Schüsseln abgestrichen, getödet und getrocknet. Der purpurrote Saft der lebenden Tiere besteht in einer farblosen Flüssigkeit, in welcher der Farbstoff in Gestalt winziger Körnchen schwimmt. Auch die Brut ist sehr reich an solchen. Die ganze Generationszeit dauert nur 6 Wochen, sodaß man besten Falls fünf Ernten im Jahre machen kann. Es finden aber gewöhnlich nur drei statt. In Algier, Spanien etc. gewinnt man überhaupt nur zwei Ernten während des Sommers, ebenso auf Teneriffa in der südlichen Hälfte, während der Norden nur einmal erntet und sich jedes Jahr neu mit Muttertieren versorgen muß. Je nach der Art der Behandlung der eingesammelten Tiere bekommt die Ware ein verschiednes Aussehen. Das Töten geschieht je nach Lokalgebrauch durch Eintauchen der in Körbe gebrachten Tiere in heißes Wasser, oder durch Einwirkung heißer Wasserdämpfe und nachheriges Trocknen in der Sonne oder in künstlicher Wärme. Auch bringt man sie in eisernen Pfannen über Feuer, wo man sie unter Um-^[folgende Seite]