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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Krapp

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Krapp - Krapp

Mahlen möglichst zu entfernen, indem man die getrockneten Wurzeln unter öfterem Wenden drischt. Der hierbei entstehende Abfall wird durch Sieben von Staub befreit und bildet den aus Oberhaut und zerkleinertem Gewürzel bestehenden Mullkrapp (Mull, Korte, Krappklein), ein braunes Pulver, das nur als Zusatz beim Braun- und Schwarzfärben dient. Die solchergestalt gereinigten Wurzeln werden durch Mühlsteine oder öfter auf Stampfwerken gepulvert und geben nach Absieben des Staubes den sog. beraubten, d. h. geschälten K.; werden die Wurzeln ohne vorgängige Schälung sogleich eingestampft, so gibt dies den unberaubten oder gemeinen K. Zwischen beiden werden in Holland und Frankreich noch Mittelsorten dargestellt. Das Krapppulver ist der eigentliche K. des Handels und heißt im Französischen garance, wogegen die ganzen Wurzeln Alizari oder nach neugriechischer Aussprache Lizari genannt werden. Aus diesen Namen wurden denn auch die Benennungen einiger Krapppräparate (s. u.) gebildet. Das Krapppulver wird nur selten frisch in der Färberei verbraucht, sondern erst 2-3 Jahre in Fässern fest eingestampft und wohlverschlossen aufbewahrt, wobei sich erst das Färbevermögen des Stoffs gehörig entwickelt, da die Masse hierbei eine Art Gärung erleidet und öfter zu einem einzigen festen Block zusammenbäckt. Bei noch längerer Aufbewahrung vermindert sich der Farbstoff wieder und endlich verdirbt das Pulver gänzlich. -

Die Bestandteile der Krappwurzel und ihre chemischen Verhältnisse zu ermitteln, haben sich eine größere Anzahl ausgezeichneter Chemiker angelegen sein lassen und haben sich hierbei folgende Resultate ergeben. Die lebende und unversehrte Krappwurzel enthält nur eine gelbliche Flüssigkeit, welche erst beim Absterben und bei Verletzung der Wurzel sich umändert und mehr oder weniger gelbrot wird, daher im Handel auch von gelbem und rotem K. die Rede ist. Der rote soll in alkalihaltigem Boden gewachsen sein. Überhaupt sind Boden und Klima so einflußreich für die Krappwurzel, daß die Sorten sich je nach ihrer Herkunft sehr verschieden verhalten und jede sich durch bestimmte, in der Praxis zu beachtende Eigentümlichkeiten charakterisiert. Die Absude des K. mit Wasser, Alaunlösung etc. sehen dunkelbraun aus; sie enthalten alle Bestandteile, nämlich verschiedne Farbstoffe, Harz, Bitterstoff, Pektin, Zucker etc. Des Zuckergehalts wegen hat man in Frankreich das Dekokt nach Ausfällung der Farbstoffe auf Branntwein zu benutzen versucht; dieser Krappbranntwein behält jedoch hartnäckig einen Geruch nach K., weshalb er nur zu technischen Zwecken verwendbar ist.

Das eigentliche, färbende Prinzip der Wurzeln besteht aus zwei nahe verwandten Stoffen, die sich indes chemisch trennen lassen, dem Alizarin (Krapprot) und dem Purpurin (Krapppurpur). Gesondert färbt das letztere mehr hochrot, indes die Alizarinfärbung einen bläulichen Ton hat. Diese beiden Farbstoffe sind in der frisch gegrabenen Wurzel noch nicht enthalten, sondern bilden sich erst aus einem in gelblichen Kristallen isolierbaren Stoffe, der Ruberythrinsäure; diese ist ein Glukosid und geht durch Einwirkung von Fermenten, Alkalien oder Säuren erst in Alizarin und Purpurin über, wobei auch Zucker (Glucose) abgespalten wird. Die Farbstoffe treten aus der Farbbrühe allein an die gebeizten Zeuge, doch nur dann, wenn die Wurzeln von Natur kalkhaltig waren oder etwas Kalk zugesetzt wird. Der Kalk soll, wie man annimmt, die fremden Stoffe binden, daß sie nicht an die Faser gehen; übrigens lassen sich die mit aufgenommenen, die Farbe trübenden Stoffe durch Seifenbäder leicht wegschaffen, was man das Schönen nennt.

Der K. gibt ein besonders haltbares Rot, wenn auch nicht ganz so schön, wie das mit Kochenille erzeugte. Er wird beim Färben und Drucken baumwollener Waren sehr häufig gebraucht, mit Alaunbeize zu Rot, mit Eisenoxyd zu Lila, Violett und Schwarz, mit Eisen- und Thonbeize im Gemisch, mit oder ohne Sumach zu verschiednen Nüancen von Braun. Neben der gewöhnlichen Krappfärberei steht abgesondert das Färben von Türkischrot, wozu auch vorzugsweise türkischer Krapp verwendet wird. Es ist dies ein empirisches Verfahren, das in der That aus dem Morgenlande stammt und sich durch ein schönes Produkt, aber auch durch ungemeine Umständlichkeit auszeichnet. Eine Menge Operationen sind erforderlich, bei welchen abwechselnd Pottasche, Baumöl, Schafmist, Sumach, Alaun, Kreide, Seife, Säuren, Zinnsalz und Krapp unter öfterm Auswaschen und Trocknen in Anwendung kommen. Die Durchführung des Verfahrens nimmt fast einen Monat in Anspruch; doch ist durch Pariser Färber dargethan worden, daß sich der Prozeß in 5 Tagen beenden läßt. -

Die im Handel befindlichen Krappsorten sind folgende: Levantinischer oder Türkischer. Kommt wie bemerkt ungemahlen in den Handel als Alizari oder Lizari, hauptsächlich aus Syrien und Kleinasien und von der Insel Cypern über Smyrna, dann von Griechenland, wo die beste Sorte in dem ehemaligen Böotien gezogen wird. Die Ware kommt in Ballen oder Kisten von circa 150 kg in den Handel. Holländischer K., gewöhnlich Seeländer genannt, weil in Seeland, dem Gebiete der Scheldemündungen, gebaut, ist nach dem levantinischen der farbreichste und kommt nur grob gemahlen in den Handel. Das fettig anzufühlende Pulver hat einen starken, widerlichen Geruch, der Geschmack ist süß und bitter, die Farbe rotbraun bis dunkelorange; er muß sehr vor Feuchtigkeit gehütet werden und gewöhnlich noch 1-3 Jahre Lager bekommen. Die Ware wird in eichenen Fässern von 10-12 Ztr. versandt, welche mit dem Stempel des Ursprungsortes, Jahrzahl und Qualitätsmarke versehen sind. Zwischen geschält und ungeschält gibt es noch gemischte Nummern, wie 1/1, gleiche Teile gut und ordinär, 2/1, zwei Drittel fein und ein Drittel ordinär etc. Die holländische Ware ist nicht immer sehr solid befunden worden und es scheinen allerlei Mischkünste vorzukommen. Unter andern ist ermittelt worden, daß zuckersüß schmeckende Ware mit Zuckerrüben versetzt war. Das holländische Krappgeschäft hat an Umfang sehr eingebüßt