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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kupferchlorid

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Kupfer - Kupferchlorid

die Blöcke zu Platten, Blechen und Schalen verarbeitet; letzteres sind roh vorgeformte Kessel, welche die Kesselschmiede dann fertig arbeiten, und zu ihrer Darstellung ist natürlich ein Maschinenhammer erforderlich. - Außer diesen alten Kupferhüttenprozessen hat sich in neurer Zeit in zunehmendem Maße auch eine nasse Gewinnung etabliert, welche mit Säure arbeitet (Schwefelsäure), und damit das Metall in Form einer blauen Kupfersalzlösung auszieht. In diese wird metallisches Eisen eingelegt, welches die Flüssigkeit zersetzt und sich in der Schwefelsäure auflöst, indes das K. metallisch abgeschieden wird. Die vom K. erschöpfte Flüssigkeit ist dann eine Lösung von Eisenvitriol. Das auf diesem Wege erhaltene K. heißt Zementkupfer, und seine Gewinnung aus Grubenwässern alter Bergwerke, in welchen sich auf natürlichem Wege erzeugter Kupfervitriol gelöst hat, ist schon ein alter Betrieb. Auch auf dem Wege des Röstens von Kupferkiesen wird unter Umständen mit Vorteil direkt Kupfervitriol gewonnen; denn wenn der Schwefel und das K. beiderseits im Röstprozesse Sauerstoff aufnehmen, also sich in Schwefelsäure und Kupferoxyd verwandeln, so ist damit das Salz schon gebildet und braucht nur ausgelaugt zu werden. - In Europa wird in den meisten Ländern mehr oder weniger K. gewonnen; bei der heutigen Gestaltung aber sind es weit entlegene Länder, Amerika und Australien, welche den hiesigen Markt beeinflussen und die Preise mehr und mehr zum Sinken bringen. Die reichsten und am meisten ausgebeuteten Kupfergruben Europas befinden sich in England, in den Distrikten Cornwall und Devonshire. Der Betrieb der Engländer mit eigenen Erzen hat aber in der letzten Zeit sehr abgenommen, weil der Bergbau immer mehr in die Tiefe geht und dadurch kostspieliger wird; man bezieht daher jetzt meist Erze aus dem Auslande, die namentlich in den riesigen Hüttenwerken von Swansea zugute gemacht werden. Aber nicht bloß in England, sondern auch in Deutschland wird jetzt viel K. aus Kupferkiesen gewonnen, die von Chili, Bolivia und andern Ländern eingeführt werden. Die gesamte Produktion von K. auf der Erde wird jetzt zu 2200000 Ztr. angegeben, hiervon entfallen auf:

^[Liste]

Großbritannien 400000 Ztr.

Chili 850000 Ztr.

Vereinigte Staaten 340000 Ztr.

Deutschland 120000 Ztr.

Rußland 150000 Ztr.

Cuba 40000 Ztr.

Österreich-Ungarn 60000 Ztr.

Spanien 40000 Ztr.

Bolivia und Peru 30000 Ztr.

Belgien 20000 Ztr.

Frankreich 40000 Ztr.

Schweden und Norwegen 50000 Ztr.

Die australischen Zufuhren von Kupfererzen waren bis zur Entdeckung der dortigen Goldlager sehr beträchtlich und nahmen infolge dieses Ereignisses stark ab, da viele Kupfergruben liegen blieben; in den letzten Jahren indes haben die Sendungen wieder ziemlich die frühere Höhe erreicht und werden ohne Zweifel noch weitersteigen, da immer noch reiche Erzlager erschlossen werden. Von den oben nicht genannten Ländern ist Japan bei weitem das reichste und sein K. ist das schönste. Es kommt nur ausnahmsweise in kleinen Barren in den europäischen Handel; dagegen wird es von Holländern und Chinesen massenhaft über ganz Ostasien verbreitet, bildet einen regelmäßigen Posten in den Marktberichten von Kalkutta, Canton, Singapore und ist stets höher notiert, als das K. von andrer Herkunft. Es kommt nämlich nicht nur japanisches, sondern auch persisches und südamerikanisches K. an den indischen Markt und dabei haben auch die Engländer dort noch großartigen Absatz, da auf Schiffswerften, zu Küchengeschirr, zu Messing immerfort ungeheure Mengen verbraucht werden. - Die Verwendungen des K. sind äußerst mannigfaltig. Das Rosetten- und Blockkupfer des Handels dient zum Wiedereinschmelzen, zur Darstellung des Messings, der Bronzen, des Rotgusses oder Tombaks, des Argentans (s. d. Artikel), also zu Legierungen; die Platten und Bleche (s. d.) zu den Arbeiten des Kupferschmieds und zu vielerlei kleinern Kupfer- und Plattierwaren, Drähte (s. d.) zu Drahtwaren, Stiften und Nägeln, hauptsächlich zu telegraphischen Leitungen und allen Apparaten, in welchen elektrische Ströme arbeiten. Als Metallgeld dient K. nicht nur in Gestalt von Kupfermünzen, sondern auch in allen Silber- und Goldmünzen, wie in allen Geschirren und Schmuckwaren aus diesen Edelmetallen ist ein bestimmter Anteil K. enthalten, sodaß auch diese sämtlichen Erzeugnisse zu den Legierungen gehören. Im Schiffbau, von Holzschiffen nämlich, ist das K. in Form von Bolzen und Nägeln von Bedeutung, weil Eisen in Berührung mit Holz einer raschen Zerstörung unterliegt, wichtiger aber noch als Beschlag des ganzen Schiffskörpers, so weit er im Wasser geht. Während sich ohne diese Vorkehrung das Schiff an der Unterseite mit der Zeit so dick mit Schaltieren und Seegewächsen bedeckt, daß seine Laufgeschwindigkeit stark verringert wird, bleiben gekupferte Schiffe von all solchem Anhange frei, weil das giftige Kupfer keinen Anhalt für tierisches und pflanzliches Leben gewährt. Das kupferne Kleid nutzt sich aber im Gebrauche so ab, daß es nicht länger als 5-6 Jahre ganz bleibt. - Kupfererze und das Metall in rohem Zustande zollfrei.

Kupferchlorid (Chlorkupfer, salzsaures Kupferoxyd, Cuprum chloratum); eine grüne zerfließliche Salzmasse wird erhalten durch Lösen des Oxyds oder des kohlensauren Salzes in Salzsäure, oder des Metalls in Königswasser, auch durch Zersetzen von blauem Vitriol mit Chlorcalcium, wobei Gips abfällt. Wasserfrei besteht es nur aus Kupfer und Chlor im Verhältnis von 47,23 zu 52,77. Es findet Verwendung in der Färberei und Druckerei, indem es das wohlfeilste Kupfersalz ist, und wird dazu gewöhnlich als Flüssigkeit verkauft. In der Feuerwerkerei dient es für blaue Feuer, in verdünnter Lösung als Goldprobe, indem es unechte Goldsachen schwarz färbt. Bei Cholera und Viehseuchen hat oder hatte das Salz eine starke Empfehlung