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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Leder

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Leder - Leder

hellblank oder weingelb aus, doch hat man auch eine weiße Sorte von nur schwach gelblichen Schein. Ein andrer sonst viel angebotner weißer Thran von Baschin hat dagegen eine abfällige Beurteilung erfahren; durch die angeblich bei ihm angewandte Entfärbung mit Knochenkohle sollen ihm die wirksamen Bestandteile gutenteils entzogen worden sein. Ein andres Entfärbungsmittel besteht in ein paar Prozent Natronlauge von 1,3 spezifisches Gewicht, welche man mit dem Thran zusammenschüttelt. Die Masse bleibt dann in verstopften Flaschen an kühlem Orte 1-2 Wochen stehen und wird schließlich filtriert. Chemische Bleichmittel veranlassen übrigens in der Regel ein rasches Verderben der Ware. Die besten Sorten weißen Medizinalthran werden von Bergen aus nur in versiegelten Flaschen versendet, bei größeren Mengen in Blechtonnen; derselbe muß vollständig klar und durchsichtig sein, und darf einen nur sehr schwachen Fischgeruch besitzen; das spezif. Gewicht ist 0,923. Der L. soll häufig mit andern Thranarten und fetten Pflanzenölen verfälscht werden und in England soll man selbst Haifischleberthran für echten ausgeben. Derartige Fälschungen sind, wenn sie sich nicht schon durch den Geruch und Geschmack verraten, schwierig aufzufinden. Gewöhnlich hält man sich an die Pettenkofer'sche Schwefelsäureprobe. Mischt man zu einigen zwanzig Tropfen Thran in einem Schälchen ein paar Tropfen konzentrierter Schwefelsäure, so entstellt eine violette Färbung, die bald in Rotbraun übergeht. Fremde Bestandteile, wenn sie in einiger Menge vorhanden sind, lassen das Violett nicht oder nicht deutlich erscheinen. Übrigens kann die Probe auch nur anzeigen, daß irgend ein L. vorliegt, nicht aber welcher. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 26 c 3.

Leder (frz. cuir, engl. leather). Diesen Namen führen die durch die Manipulationen des Gerbens in ihren Eigenschaften vorteilhaft veränderten und haltbar gemachten tierischen Häute. Dieselben sind bekanntlich im frischen, noch feuchtem Zustande weich und geschmeidig, nehmen aber beim Austrocknen eine harte, hornartige, wenig biegsame Beschaffenheit an; feucht gehalten gehen sie bald in Fäulnis über. Durch das Gerben erlangt jedoch die tierische Haut Eigenschaften, die sie befähigt, zu den verschiedensten Zwecken verwendbar zu werden: große Festigkeit neben Biegsamkeit, Geschmeidigkeit und Elasticität und vor allem bedeutende Widerstandsfähigkeit gegen den Einfluß der Feuchtigkeit und Dauerhaftigkeit sind die Eigenschaften eines guten Leders. Je nach der Methode, die man beim Gerben anwendet, unterscheidet man verschiedne Ledersorten, die man gewöhnlich in drei Gruppen zusammenfaßt, nämlich lohgares, weißgares (oder alaungares) und sämischgares L. Hieran reihen sich noch die in neuster Zeit hier und da in Aufnahme gekommenen metallgaren L., wie chromgares, eisengares und auf andre Weise erhaltenes L.

Trotz der Verschiedenheit, der bei diesen Gerbprozessen in Anwendung kommenden Materialien und Methoden beruht die Erzeugung dieser Ledersorten nach den Untersuchungen von Knapp doch im Wesentlichen nur auf physikalischen Prinzipien, da nach Knapp L. nichts andres ist, als Haut, innerhalb welcher man durch irgend ein Mittel das Zusammenkleben der Fasern beim Trocknen verhindert hat. Man erreicht dies durch Einwirkung der zum Gerben dienenden Stoffe auf die das Bindegewebe bildenden Fasern der inneren Schicht (des corium) der Haut. Diese Stoffe schlagen sich auf den Fasern des Bindegewebes nieder, hüllen sie ein und verhüten so das Zusammenkleben der Fasern beim Trocknen. Bei der Weißgerberei durch Alaun ist zwar die Haut zuerst nach dem Trocknen dicht und hornartig, der Zusammenhang der Fasern ist jedoch kein inniger und die Haut erlangt durch nachheriges Ziehen und Dehnen (Stollen) vollständig die Eigenschaften des Leders. -

Dem eigentlichen Gerbprozesse müssen einige vorbereitende Arbeiten vorangehen; diese bestehen zunächst in einem Einweichen oder Wässern der Häute und dann in der Bloßlegung der eigentlichen Lederhaut (Corium), welche allein nur zur Lederbereitung geeignet ist. Es muß demnach sowohl das Unterhautzellgewebe oder die Fetthaut, welche sich auf der innern oder Fleischseite der Häute befindet, als auch die Epidermis oder Oberhaut mit den Haaren entfernt werden; die dann zum Vorschein kommende, kleine Vertiefungen zeigende obere Seite der Haut heißt die Narbenseite. Die Reinigung der Fleischseite geschieht mittels des Schabeisens auf dem Schabebaum; hierdurch werden außer dem Unterzellgewebe auch noch anhängende Fleischteilchen, Nerven, Blutgefäße etc. entfernt. Hierauf wird zur Entfernung der Haare auf der andern Seite geschrittten ^[richtig: geschritten], was man das Abhaaren oder Enthaaren nennt. Die Haare sitzen zwar nicht in der innern Schicht der Haut, dem Corium, sondern in der äußern Epidermoidalschicht, wohl aber sind sie in Vertiefungen oder Einstülpungen dieser letztem Haut befestigt, die tief in das Corium hinabreichen; auf diese Weise entsteht die sog. Narbe. Würde man nun die Haare einfach glatt abrasieren, so würden die Haarwurzeln mit den untern Teilen, soweit sie die Einstülpungen nicht überragen, sitzen bleiben, was bei einem guten Leder nicht der Fall sein darf. Es ist daher unbedingt nötig, die ganze Oberhaut (Epidermoidalschicht) mit den Haaren zu entfernen; es geschieht dies auf verschiedne Weise, entweder durch das Schwitzen oder durch das Kalken oder endlich durch Anwendung ätzender Enthaarungsmittel (Rhusma).

Das in Deutschland bei der Sohllederbereitung vorzüglich gebräuchliche Schwitzen besteht darin, daß man die Häute in Kufen einsalzt oder auch feucht zusammenlegt, wodurch ein oberflächlicher Fäulnißprozeß eintritt, durch welchen die Oberhaut aufgelockert wird, sodaß sie samt den Haaren durch das Schabeisen auf dem Schabebock entfernt werden kann (Abpälen). Das Kalken wird besonders bei dünneren Häuten angewendet; man legt die Häute einige Tage lang in eine schwache Kalkmilch, hierdurch wird namentlich auch vorhandenes Fett verseift. Dickere Häute müssen drei bis vier Wochen