Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Leinengarn

319

Leinengarn

die Masse in die Form der verkäuflichen Täfelchen bringt. - Leimgallerte ist eine von dem Fabrikanten Stalling in Pieschen bei Dresden zuerst in den Handel gebrachte, gut aufgenommene Ware, welche Knochenleim ist, der nicht getrocknet, sondern gleich nach dem Extrahieren in Tonnen gefüllt wird, worin er zu einer festen Gallerte erstarrt und so versandt wird. Diese Leimgallerte wird jetzt gewöhnlich bei der Bereitung von gedämpftem Knochenmehl als Nebenprodukt erhalten. Die Masse soll für die gewöhnlichen Zwecke, zu Holzarbeiten, Buchbinderei, Papier- und Zündholzfabriken etc. ganz wie gewöhnlicher L. dienen, ist aber nicht hellfarbig, sondern braun. Da bei der Ware die Kosten und Gefahren des Trocknens erspart, sind, so ist sie sehr wohlfeil und verrechnet sich mit 20 Mk. pro Ztr. gegenüber den gewöhnlichen Leimpreisen von 45-53 Mk. - L. aller Art s. Tarif im Anh. Nr. 5 e.

Leinengarn. Der aus der Faser des Flachses (s. d.) gesponnene Faden wird Flachsgarn, häufiger Leinengarn genannt; bei den daraus gefertigten Geweben dagegen greift die Bezeichnung Leinen ausschließlich Platz. Das Garn war früher lediglich Handgarn, auf dem Spinnrade und zum Teil auch noch mit der Spindel gesponnen, und wurde in Deutschland in solchem Umfange erzeugt, daß große Mengen teils als Faden, teils als Gewebe ausgeführt werden konnten. Durch die später eingetretene Konkurrenz der Maschinenspinnerei haben sich die Verhältnisse sehr geändert und es wird jetzt weit mehr Maschinen- als Handgarn erzeugt. Die Handspinnerei auf dem Rade wird in den Webereidistrikten zur Zeit noch gewerbsmäßig von größtenteils sehr armen Familien betrieben und die Garne werden entweder durch Aufkäufer gesammelt und den Webereien übermittelt, oder, wie namentlich in Böhmen, an bestimmten Plätzen zu Markte gebracht. Die Verspinnung des Flachses auf Maschinen hat eine lange Schule durchzumachen gehabt und ist, obgleich die darauf gerichteten Bemühungen schon im vorigen Jahrundert ^[richtig: Jahrhundert] in England ihren Anfang nahmen, doch erst seit einigen vierzig Jahren in rechten Zug gekommen. Am meisten haben die Engländer zu der Ausbildung der erforderlichen Maschinen beigetragen. Englische Maschinen sind nicht nur die Vorbilder für die Spinnereien des Kontinents gewesen, sondern sind bis in die jüngste Zeit meist - wenigstens soweit Deutschland in Frage kommt - in Originalexemplaren bezogen worden. Das Verspinnen des Flachses auf Maschinen bietet bei der Länge und härteren, ungekräuselten Beschaffenheit der Flachsfaser weit mehr Schwierigkeiten, als das Verspinnen der Baumwolle. Die erste Maschine in jeder Flachsspinnerei ist die Hechelmaschine, welche, wie schon der Name aussagt, die Flachsristen zu hecheln hat. Will man sehr feine Gespinste erzielen, so kann allerdings zur Zeit das Hecheln mit der Hand noch nicht entbehrt werden. Die durch das Hecheln gereinigten, von kurzen Fasern befreiten, verfeinerten und geordneten Risten gelangen auf das endlose Zuführtuch der Anlege, um in Bänder von 100-150 cm Breite verwandelt zu werden. Da diese Bänder gleiche Dicke an allen Stellen erhalten müssen, werden die schwächer auslaufenden Enden der Risten auf der Anlege dachziegelförmig über einander gelegt. Ein Walzenpaar zieht diese Vorlage ein und übergibt sie zusammengepreßt einem anderen, viel rascher laufenden Paare, wodurch das Material schon eine ansehnliche Streckung (Verzug) erleidet; dann werden diese Bänder durch ein folgendes System von Streckwalzen immer mehr ausgezogen und abwechselnd wieder dupliert, in gleicher Weise, wie unter „Baumwollgarn“ angegeben; die Streckung übertrifft jedoch die Duplierung, sodaß die Bänder die Strecken feiner verlassen. Die nun in Wirkung tretende Vorspinnmaschine besteht aus einem Streckwerk und Spindeln, welche letzteren der Lunte durch eine leichte Drehung mehr Zusammenhalt geben. Den Schluß macht die Feinspinnmaschine, welche bei Flachs immer eine Watermaschine ist; sie gibt dem lockeren Faden den letzten Auszug und die verlangte Drehung und windet ihn schließlich auf Holzspulen aus. Die Feinspinnmaschinen für Flachs unterscheiden sich in Trocken- und Naßspinnmaschinen. Die ersteren liefern einen gröberen, rauhen und unansehnlichen Faden, der auch nur zu gröberen Geweben verwendet werden kann. Die letzteren lassen einen viel feineren, gleichmäßigeren und glatten Faden erzielen. Bei der Naßspinnmaschine läuft der Vorgespinstfaden, bevor er in das Streckwerk eintritt, durch einen mit heißem Wasser gefüllten Trog. Dadurch wird der Pflanzenleim, durch welchen die jede lange Flachsfaser bildenden kurzen Elementarfasern zusammengeklebt sind, gelöst und der im Streckwerk auftretende Zug bewirkt gegenseitige Verschiebung derselben. Deshalb stehen auch bei der Naßspinnmaschine die Streckwalzen viel näher aneinander (100 bis 120 mm), als bei der Trockenspinnmaschine (350-500 mm). Das naß aufgewundene Garn ist sofort von den Spulen abzuweifen und in einem geheizten Räume zu trocknen. Es ist nicht so geschmeidig wie das andre, welches sich daher für das Verweben auf Maschinenstühlen besser eignet, wo jenes viel mehr Störungen verursacht. Auch das Werg oder die Hede, d. i. die bei dem Hecheln ausgekämmte wirre Fasermasse, wird bestens benutzt und Werggarne sind ein ständiger Marktartikel, heißen aber bei unsern Industriellen und Händlern durchweg nach dem Englischen Towgarne. Das Werg, als ein Gewirr kürzerer und längerer Fasern, an welchen noch Rindenteilchen sitzen, verlangt eine hiernach modifizierte Bearbeitung, und zwar treten hierbei zunächst Krempeln, eine Vor- und eine Feinkrempel, wie bei der Baumwolle, in Thätigkeit, welche die Masse entwirren, reinigen, die Fasern möglich parallel legen und zu einem Bande vereinigen. Diese Bänder gehen dann den schon angedeuteten Weg auf dem Materiale entsprechend angepaßten Maschinen. Der Prozeß vollzieht sich beim Spinnen der Hede langsamer und ist weniger ausgiebig als beim Flachs. Das Naßspinnen findet auf Werg ebenfalls Anwendung; das Garn ist