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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Möhren; Moirés

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Mohn - Moirés

auf Tüchern oder erst später gedroschen. Bei feuchtem Wetter wächst er leicht aus, bei starkem Wind fällt viel Samen aus. Manche schneiden deshalb auch auf dem Felde die Köpfe ab. Die Samenzüchter verkaufen den Zentner blauen geschlossenen M. mit 37-60, weißen mit 45 bis 70 Mk. und grauen bis 70 Mk. -

Zur Opiumgewinnung werden die noch grünen Kapseln horizontal geritzt, der ausquellende weißliche Saft wird an der Luft bräunlich und teigartig und täglich früh abgeschabt und gesammelt. Das beste Opium kommt aus Kleinasien und zwar von dunkelsamigen Sorten, P. nigrum DC.; in Deutschland ist die Gewinnung unbedeutend, die Qualität den andern Ländern zwar nicht viel nachstehend, aber der Ertrag zu gering - höchstens 10800 g pro ha, Riesenmohn bis 8 kg, meist nur 1-2 kg à 60 Mk.; Arbeitslohn 240 Mk. und mehr. Der durchschnittliche Preis des M. ist jetzt 50-59 Mk., selten, in kleinen Quantitäten zu offizinellen Zwecken, 80-110 Mk. für 100 kg.

Der weiße M. blüht weiß, bringt weißlichen Samen und ist zum pharmazeutischen Gebrauch vorgeschrieben. Der schwarze M. blüht rosa und hat schwärzliche oder blaugraue Samen. Im Ölgehalt sind beide Sorten nicht verschieden; sie haben dessen bis zu 60%. Beim kalten Pressen erhält man davon etwa 40%, von mildem und angenehmem Geschmack, als Speiseöl dienlich; warmes Pressen bringt noch etwa weitere 10% aus, aber dieses Produkt hat einen ranzigen Beigeschmack und ist nur zu Firnissen und zum Seifekochen dienlich. Auch das Speiseöl nimmt leicht von fremden Stoffen Beigeschmack an, daher beim Auspressen strenge Reinlichkeit zu beobachten ist. Das Öl ist blaßgelb, dünnflüssig und gehört zu den trocknenden Ölen, wird daher auch zu Malereien und feineren Anstrichen verwendet, besonders zum Verreiben mit helleren Farben, die es weniger verändert als das dunklere Leinöl. Es trocknet langsamer als dieses, wird aber durch längeres Lagern trocknender und zugleich heller. Kochen mit Bleiglätte bewirkt dieselbe Änderung sogleich. Als Speiseöl kommt Mohnöl erster Sorte dem Baumöl sehr nahe und steht wenigstens gleich mit Sesamöl, Nußöl u. dgl. Es vertreten sich daher auch diese Öle häufig, je nachdem es die Preisverhältnisse mit sich bringen. Wenn die Mohnbauern knappe Ernten haben und mit dem Preise aufschlagen, so kommen sie denen des Baumöls nahe und übersteigen die des Sesamöls, und es wird dann, wo Mohnöl nicht unbedingt nötig ist, statt dessen das des Sesams verwendet. Im Ölhandel wird Mohnöl gewöhnlich mit 63-69 Mk. der Zentner notiert.

In der Pharmazie dient reines Mohnöl zur Bereitung von Emulsionen, ebenso die weißen Samen, welche mit Wasser klar gerieben und durchgeseiht die kühlende und beruhigende Mohnmilch geben. Außerdem werden auch die unreifen Mohnköpfe, wenn sie die Größe von Wallnüssen haben, zum Apothekengebrauch abgenommen und getrocknet. Man benutzt sie äußerlich zu schmerzstillenden Umschlägen, einen wässerig-weingeistigen Auszug daraus, mit Zucker versetzt und eingedickt, als Syrupus Diacodii innerlich als narkotisches Mittel. - Zollfrei. Mohnöl Nr. 26 a 1 bzw. 2 des Tarifs. Mohnsyrup Nr. 25 p 1.

Möhren, Mohrrüben, Daucus Tourn., und zwar gemeine M. oder Karotte (Esels-, Garten-, Gelbmöhre, gelbe Rübe, Mörle, Maure, Müre, Mürten Vogelnest, D. Carota L., engl. Common Carrot, frz. carotte ecrumune, holl. geele wortel, peen, ital. navone, rapa gialla, Pflanzen aus der Gruppe der Dauceae, Familie der Doldengewächse oder Umbelliferae, bekanntes und beliebtes Gemüse, in Feld- und Gartenkultur gezogen und zu mancherlei andern Zwecken verwendet. Man baut die M. in verschiednen Sorten, für welche das Saatgut, die gelbe, orangenrote und violette Frucht, einen wichtigen Handelsartikel bildet (weiße, Riesenmöhre, grünköpfig, bis 4 kg schwer, blaßgelbe, bes. flandrische, lange rote M.), rote lange grünköpfige (Altringham, Saalfelder, Frankfurter, Braunschweiger M. und französische, holländische, Horn'sche Duwicker etc.), Treibkarotte, frühe und spätere.

1 Ztr. Saatgut Riesenmöhre, weiß, grünköpfig 50, rot 100 Mk., Saalfelder und Erfurter gelbe 120 Mk., Treibkarotten bis 160 Mk., gewöhnliche Karotte bis 115 Mk. etc. Zahl der Früchtchen pro kg 264000 Stück. Aussaat frühzeitig, in gutes Ackerfeld, in Gartenland und in Treibbeete, Pflege wie bei Rübengewächsen überhaupt, Saatgut pro ha 5-7 kg, Hauptsaatgutzucht in Quedlinburg, Braunschweig, Wolffenbüttel, Prag und in Frankreich. Ertrag von 100 kg Samenwurzeln 1 kg. Als frisches Gemüse liebt man die jungen dünnen, zarten M., zur Überwinterung gut ausgewachsene, dicke und lange Wurzeln, im Keller in Spitzhaufen aufgeschichtet oder in Sand gebettet. Ertrag 800 bis 1400 Ztr. Anbau im Deutschen Reich auf Feldern 36556 ha mit 12,3 Mill. Ztr. Ertrag. Verwendet werden die M. außer zu menschlicher Speise noch zur Fütterung (bes. für Pferde), zur Bereitung von Möhrensaft, auch Möhrenessig, Möhrenbranntwein und Möhrenzucker, als Kaffeesurrogat, zum Färben der Butter, zu Bonbons und Kuchen. Sie enthalten bis 2% Zucker. - Frische und gedarrte M. sind zollfrei. Geröstete M. als Kaffeesurrogat gem. Tarif im Anh. Nr. 25 m 1. Möhrensaft oder Mus ohne Zucker oder Gewürzzusatz Nr. 25 p 2, mit solchem Zusatz Nr. 25 p 1.

Moirés, gewässerte Zeuge, sind Gewebe verschiedner Art aus Seide oder Wolle, welche über ihre ganze Fläche, oder wenn sie eingewebte Figuren haben, auf dem Grunde dazwischen eine sog. Wässerung, einen wellenartigen Schimmer zeigen, der nicht durch die Weberei bewirkt, sondern erst nachträglich durch Pressen hervorgebracht wird. Das eigentliche Moirieren, abgesehen davon, daß ähnliche, weniger schöne Effekte durch gravierte Walzen auch auf Baumwolle und Papier erzeugt werden, besteht darin, daß man zwei Stück Zeug, mit den rechten Seiten aufeinander gelegt, noch feucht zwischen zwei heißen, scharf pressenden, glättenden Walzen langsam hindurchgehen läßt. Bei Stoffen mit Damastfiguren kann nur ein Stück, zusammen mit einem Drucktuch, auf ein-^[folgende Seite]