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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Nadeln

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Nadeln - Nadeln

einer mit Steinkästen beschwerten Tafel, die, durch Maschinenkraft getrieben, dieselben 12 bis 18 Stunden hin- und herrollt. Dann wird der Inhalt herausgenommen und mit Sägespänen in Lauftrommeln gethan, wobei die N. sich schon ziemlich absondern und dann noch auf einem Blaswerk von allen Anhängseln befreit werden. Diese nämliche Operation des Einpackens, Rollens und Abfegens wiederholt sich noch öfter und zwar im ganzen zehnmal, siebenmal mit immer feinerem Schleifpulver, wie Eisenrot, Zinnasche, worauf schließlich zur Entfettung eine Wäsche mit Seifenwasser und Abtrocknung in der Lauftrommel mit Kleie oder Sägespänen folgt. Der Scheuerprozeß mit derselben Quantität N. dauert sonach mindestens acht Tage, und nach dieser allgemeinen Behandlung treten noch mehr oder weniger weitere Bearbeitungen ein, je nachdem geringere oder bessere Sorten herzustellen sind.

Jedenfalls sind die N. wieder anzuspitzen, was auf kleinen, rasch umlaufenden Walzen aus quarzigem Glimmerschiefer geschieht. Dann werden bei guten Sorten die Spitzen auf Lederscheiben mit Öl und Schmirgel noch weiter verfeinert, beziehentlich der N. überhaupt auf Lederwalzen mit pulverigen Poliermitteln noch eine feine Politur gegeben. Glatte Ausrundung des Auges, um dem Zerschneiden des Fadens vorzubeugen, ist bei einer guten N. ebenfalls Bedingung. Hierzu dient die subtile Handarbeit des Drillens. Der Arbeiter hält ein paar Dutzend N. auf einem dünnen Kupferblech und läßt in jedes einzelne Auge die Spitze eines rasch laufenden Stahlbohrers eintreten; es geht dies so rasch, daß der Zuschauer kaum zu folgen vermag. Bei Ausarbeitung länglicher Augen muß ein andres Mittel eintreten, das übrigens auch für runde zu brauchen ist. Man reiht dabei die N. auf rauh gemachte Stahldrähte und hängt diese Serien in einen Apparat ein, der sich wie ein Rad dreht, nur daß er mit der Richtung seiner Drehung beständig abwechselt. Dies veranlaßt die N. an ihren Drähten zu einer Menge von Schwingungen, deren Folge das allseitige Glattreiben der Nadelöhre ist.

Vor der Verpackung der N. werden sie einzeln mit feinen Läppchen oder weichem Leder abgewischt und auf eine geschickte Weise mit den Spitzen nach einer Richtung gebracht. Die N. werden nicht abgezählt, sondern die ganzen, halben oder Viertelhunderte gewöhnlich auf einer feinen Wage gegen ein in der andern Schale liegendes gezähltes Hundert etc. abgewogen.

Je nach Größe, Gestalt und Feinheit gibt es bekanntlich vielerlei Sorten von N.; manche Sorten sind für bestimmte Arbeiten eingerichtet, wie Stopfnadeln, Heftnadeln mit dreischneidiger Spitze, zweischneidige für Hutmacher und Lederarbeiter; Tapeten-, Strumpfwirkernadeln, Tambouriernadeln, welche kein Öhr und statt der Spitze ein kleines Häkchen haben. Die jüngste Klasse sind die N. für Nähmaschinen, welche je nach ihrer Bestimmung ziemlich verschieden an Größe und Form sind. Für starke Lederarbeiten sind dieselben ebenfalls zweischneidig. Diese Maschinennadeln haben das Öhr dicht hinter der Spitze. Die für Hobelmaschinen bestimmten sind nach dem Bogen gekrümmt, welchen sie bei dem Auf- und Niedergange beschreiben. Die Maschinennadeln werden als besondere Erzeugnisse von einzelnen Fabriken hergestellt, beanspruchen besondre Rücksichten bei Auswahl des Materials und bei der Ausführung; sie sind im Vergleich zu andern N. sehr teuer. -

Stecknadeln. Die Herstellung derselben gestaltet sich weit einfacher wie bei Nähnadeln und zerfällt in Anfertigung des Schaftes, des Kopfes und Vereinigung beider. Die Fabrikation ist nicht auf einzelne Gegenden konzentriert, wird öfter noch als Kleingewerbe und so betrieben, wie sie sich seit etwa 200 Jahren in Nürnberg gestaltet hat. Das Material zu Stecknadeln ist mit Ausnahme einiger besonderer Fälle immer Messingdraht. Der wenn nötig erst noch hart gezogene und dadurch gesteifte Messingdraht wird gerichtet, d. h. gerade gestreckt und in gleicher Art wie der zu Nähnadeln, auf einer Stockschere bündelweise in Stücke von der doppelten Nadellange zerschnitten und diese an beiden Enden angespitzt. Das hierzu dienende Schleifwerk hat keinen Stein, sondern den Spitzring, eine Stahlscheibe von 125-150 mm Durchmesser, die auf ihrer Umfläche wie eine Feile aufgehauen ist. Das Geschäft des Zuspitzens ist durch den dabei entstehenden feinen Messingstaub wenigstens ebenso ungesund wie das Nähnadelspitzen. Nachdem die beiderseits gespitzten Schafte auf der Stockschere mitten durchgeschnitten und somit die Nadelkörper hergestellt sind, werden sie mit Köpfen versehen. Die Köpfe bestehen aus ein paar fest anliegenden Umwindungen von dünnem Draht, die infolge einer Prägung eine annähernd kugelige Form zeigen.

Den zur Kopfbildung zu benutzenden Draht glüht man aus, damit er recht weich wird, und spinnt ihn dann auf einer einfachen Vorrichtung, bei welcher ein Schwungrad durch Schnurlauf eine kleine horizontal liegende Spindel in raschen Umlauf setzt, zu dünnen Spiralen auf. Die Spindel hat als Verlängerung ein Stück Draht von derselben Dicke wie die in Arbeit stehende Nadelnummer; auf diesen mit umlaufenden Teil legt sich der Kopfdraht, von der Hand des Spinners geleitet, in dicht aneinander stoßenden Gewinden an. Ist der Draht voll, so wird die Spirale abgezogen und eine folgende gesponnen. Die dünnen biegsamen Spiralröhrchen zerschneidet man auf einer kleineren Stockschere in der Anzahl von zehn oder mehr auf einmal wie Häcksel in kurze Stückchen und zwar so genau, daß jedes derselben nur aus zwei Windungen besteht. Diese Schnitzel werden gewöhnlich in einer eisernen Kelle über Kohlenfeuer noch einmal erhitzt, um sie recht weich zu erhalten, dann noch heiß in stark verdünnte Schwefelsäure geworfen, welche sie rein beizt, hierauf gewaschen und getrocknet.

Zum Anköpfen dient ein kleines, diesem Gewerbszweige eigentümliches Prägwerk, die Wippe. Bei derselben wirken zwei kleine Stahlwürfel zusammen, deren einer auf dem Arbeitstischchen als Unterstempel festsitzt, indes der andre darauf passende den untern Teil eines Fallwerks bildet, dessen Stange in Führungen gleitend, durch einen Tritthebel etwa 15 mm gehoben und dann fallen gelassen wird. Dieser bewegliche Teil besteht aus