Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Nikotin; Niobeöl; Nitrate; Nitroglycerin

378

Nikotin - Nitroglycerin

zoma veratri, radix hellebori albi) ist der Wurzelstock von Veratrum album, einer zu den Colchicaceen oder Giftlilien gehörenden, 9-12 dm hohen Pflanze mit grünlichweißen oder grünen Blüten, im Volksmunde weißer Germer genannt, zum Unterschied vom schwarzen, einer andern Art mit dunkelbraunroten Blüten. Dies Gewächs ist auf hohen Gebirgen heimisch, Riesengebirge, Karpathen, Alpen etc., und wird die Wurzel meist aus den letztern bezogen. Der Wurzelstock ist konisch geformt, 7-10 cm lang, oben bis 3½ cm im Durchmesser, öfter mehrköpfig, außen aschgrau, im Durchschnitt weißlich, mit einer braunen geschlängelten Linie zwischen Kern und Rinde. Der Wurzelstock treibt eine Menge dünner Fasern aus, die man vor dem Trocknen abschneidet. Die beschnittenen Wurzeln zeigen daher helle Schnittnarben. Der Geschmack dieser Wurzel ist brennend scharf und bitter; ihr Staub erregt ebenfalls heftiges, anhaltendes Niesen und das Pulvern muß unter besonderen Vorsichtsmaßregeln geschehen. Innerlich wirkt sie brechenerregend und stark giftig. Das Pulver wird besonders in der Tierheilkunde äußerlich gegen Räude und andre Hautübel verwendet und bildet einen Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks und ähnlicher Niesepulver. Die wirksamen Bestandteile sind in der weißen N. zwei Alkaloide, das Veratrin (s. d.) und das Jervin, von denen das erstere auch medizinische Verwendung hat; in der schwarzen N. findet sich ein scharfes Glukosid, das Helleboreïn, während in der grünen außer diesem auch noch ein andres Glukosid, das Helleborin, enthalten ist. - Die weiße Nieswurz ist im Droguenhandel der bedeutendere Artikel, der auch Abzug nach Amerika hat. - N., auch gepulvert, zollfrei.

Nikotin (Nicotinum); das in dem Tabak enthaltene, sehr giftige Alkaloid; es ist frisch bereitet eine farblose, ölige Flüssigkeit von 1,033 spezifischem Gewicht, wird aber durch Einwirkung von Luft und Licht sehr bald gelblich und schließlich braun; es besitzt einen unangenehmen, betäubenden Tabaksgeruch, der heftige Kopfschmerzen verursacht; ein Tropfen von diesem Gift genügt, um eine Taube, zwei Tropfen, um einen Hund zu töten. Das N. ist sowohl in Wasser, als auch in Alkohol und in Äther leicht löslich. Man muß es in gut verschlossenen, vollgefüllten Fläschchen an dunkeln Orten aufbewahren. Vgl. ferner Tabak. - Zollfrei.

Niobeöl (Essence de Niobe); eine wohlriechende ölige Flüssigkeit für Parfümeriezwecke; soll nach Einigen aus Benzoesäuremethyläther bestehen. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Nitrate (Ableitung von nitrum, Salpeter) heißen die salpetersauren Salze. Die nähere Bestimmung wird gegeben durch die Mitbenennung der Salzbasis, z. B. Kalinitrat, ist salpetersaures Kali, gewöhnlicher Salpeter; oder das Nähere ergibt sich aus Zusammenhang oder Umständen, wie z. B. Nitrat unter den Exportartikeln der Westküste von Südamerika nur das Natronnitrat, der Chilisalpeter sein kann. Nitrite sind dagegen salpetrigsaure Salze. - Zollfrei.

Nitroglycerin (Glonoin, Sprengöl, Trinitroglycerin, Nitroleum, Salpetersäuretriglycerid, Salpetersäureglycerinester). Nachdem durch die Erfindung der Schießbaumwolle die Aufmerksamkeit der Chemiker einmal auf die Nitroverbindungen als Sprengstoffe gelenkt war, mußte man bald auch auf das Nitroprodukt des Glycerin kommen. Dies geschah zugleich in Europa und Amerika, wo man dem Präparat den Namen Glonoin beilegte. Dasselbe bildet eine farblose oder blaßgelbliche, ölige Flüssigkeit mit Wasser nicht mischbar, schwerer als dieses; es ist sehr giftig, seine Dämpfe bringen anhaltende Kopfschmerzen hervor; beim Erhitzen auf 257° C. tritt heftige Explosion ein, ebenso durch Schlag. Bei +2° bildet das N. eine weiße, feste, kristallinische Masse (gefrornes N.). Im reinem Zustande ist das N. keiner freiwilligen Zersetzung unterworfen, wohl aber im unreinem. Nachdem das N., außer daß die Homöopathen damit operierten, längere Zeit nur ein rein chemisches Interesse gehabt, wurde es seit 1864 von dem Schweden Nobel zuerst im großen dargestellt und als einer der mächtigsten explodierbaren Stoffe in die Praxis eingeführt, hieß nun Sprengöl und fand in Bergwerken und Steinbrüchen vielfach Verwendung anstatt des gewöhnlichen schwarzen Sprengpulvers, das es an Wirksamkeit bei weitem, nämlich etwa um das 10-13fache bei gleichen Gewichtsmengen übertrifft; denn die Flüssigkeit, wenn sie durch den elektrischen Funken, durch den Stoß einer vorgesetzten Pulverzündung oder ein Zündhütchen zur Explosion gebracht wird, löst sich plötzlich in lauter Gase auf, die, durch die dabei freiwerdende Hitze ausgedehnt, im Augenblick das 10400fache des Raumes vom Sprengöl einnehmen. Die mächtigen Wirkungen, die durch solche Kraft bei Sprengarbeiten zu erzielen waren, machten das Mittel rasch beliebt, um so mehr als man dabei mit viel engern Bohrlöchern arbeiten konnte, dasselbe auch in klüftigem Gestein seine Wirkung nicht versagt, wo das Pulver mit seiner viel langsamern Verbrennung nichts leistet, und seine Verwendung zu Sprengungen unter Wasser sehr einfach und bequem ist. Es ergaben sich aber doch bei dem vielfachen Gebrauch und Transport des Sprengöls immer mehr Unglücksfälle, darunter sehr bedeutende mit dem Verluste vieler Menschenleben, und man mußte erkennen, daß der Stoff doch weit gefährlicher sei, als man ihn sich vorgestellt hatte. Das Sprengöl kam nun natürlich in Mißkredit, mehrere Regierungen wie Schweden, England und Belgien schritten mit Verboten ein und die Transportanstalten verweigerten die Annahme, wurden es aber doch nicht sofort los. indem es nun unter seinem weniger bekannten Namen Glonoin versandt wurde. Gegenwärtig ist das flüssige Öl wohl wenig mehr in Gebrauch, da Nobel den Ausweg gefunden hat, es von einem trockenen pulverförmigen Körper aufsaugen zu lassen und in dieser Form unter dem neuen Namen Dynamit als ein bequemes transportabeles Sprengmittel ins Publikum zu bringen. Als Versetz- und Bindemittel dient die Kieselgur oder Infusorienerde (vgl. Dynamit). Über die einfachen Prozeduren bei fabrikmäßiger Her-^[folgende Seite]