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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Opium

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Opium - Opium

das aber nicht so wertvoll als das türkische und gewöhnlich auch noch verfälscht ist, daher bei uns ebenfalls nicht angewendet wird. Ebenso hat auch die starke Produktion Ostindiens für Europa wenig Bedeutung, da dieselbe teils für lokalen Verbrauch dient, hauptsächlich aber nach China geht und dort verbraucht, genauer gesagt, verraucht wird, und zwar neun Zehntel des ganzen indischen Erzeugnisses.

Die Opiumkultur ist überall ein gewagtes Geschäft; der Mohn ist eine empfindliche Pflanze, die leicht durch Insekten, Wind oder unzeitigen Regen Schaden nimmt. Der Opiumertrag ist daher selten ein durchschnittlicher, sondern bewegt sich gewöhnlich in Extremen zwischen sehr reichen und Mißernten. Natürlich machen dann auch die Marktpreise diese Schwankungen mit und steigen zuweilen übermäßig hoch. -

Die Einsammlung des Mohnsaftes ist im wesentlichen überall dieselbe. Man macht einige Tage nach dem Abfallen der Blütenblätter, in der Türkei dann, wenn die graublaue Farbe der Kapseln anfängt in Gelb überzugehen, mit feinen, mehrklingigen Schröpfmessern Einschnitte, entweder senkrechte oder ringsum gehende, und zwar so, daß die Schale nur geritzt, nicht durchschnitten wird. In Gegenden, wo die Witterung beständig ist, macht man die Arbeit abends und nimmt den über Nacht ausgetretenen und verdickten Milchsaft des Morgens ab; wo dagegen häufiger Regen und starker Thau fällt, ritzt man des Morgens und sammelt mittags. Um die Pflanzen werden Mohnblätter gelegt, um etwa herabfallende Tropfen aufzufangen. Die also benutzten Mohnköpfe wachsen übrigens weiter und bringen unbeschadet reifen, zu Öl und Aussaat brauchbaren, Samen.

Das gesammelte weiche O. wird durch Kneten zu kleinen Kuchen (in Persien formt man daraus walzenförmige Stangen, die man mit Papier umwickelt) vereinigt, bei feuchtem Wetter geerntetes, salbenähnliches erst so weit getrocknet, bis es knetbar wird. Auch soll man den Ertrag dadurch vermehren, daß man von den ganzen Pflanzen Abkochungen macht, diese eindickt und das Extrakt zu dem Übrigen mischt. Die verschieden großen rundlichen Kuchen werden noch feucht in Mohnblätter gewickelt oder mit den Samen und Blüten einer Ampferart bestreut, um das Zusammenkleben zu verhüten.

Das frisch in den Handel kommende O. ist äußerlich abgetrocknet und braun, während es innerlich noch längere Zeit weich bleibt und hellfarbiger ist. Mit der Zeit wird es fester und dunkler und nach völligem Austrocknen ist es spröde, zerspringt beim Daraufschlagen in Stücke mit wachsglänzendem Bruch und läßt sich zu Pulver stoßen, das lichtbraun aussieht. Durch längeres Kneten wird das O. wieder biegsam und weich. Es riecht widerlich und betäubend, hat einen ekelhaften, bitteren, lange anhaltenden, hinterher scharfen und beißenden Geschmack. In Wasser löst es sich, wenn von guter Qualität, so weit, daß ¼-⅓ des Gewichts im Rückstand bleibt, ähnlich in Alkohol.

In chemischer Hinsicht ist das O. ein sehr zusammengesetzter Körper; man hat schon eine große Zahl von Stoffen daraus abgeschieden, welche mehr oder weniger an der Opiumwirkung teilhaben sollen, außerdem noch indifferente, von harziger, schleimiger Natur u. a. Die wirksamen Stoffe sind sog. Pflanzenbasen oder Alkaloide, mit Pflanzensäuren, der Meconsäure und der Thebolaktinsäure, zum Teil auch mineralischen Säuren zu Salzen verbunden. Den Hauptstoff bildet immer das Morphium, das also der Wertmesser jedes O. ist.

Nächst diesem sind die wichtigsten und werden bei Darstellung des Morphiums aus O. mit gewonnen: Codeïn, Narceïn und Narkotin. Die übrigen Bestandteile haben nur chemisches Interesse; es sind dies die Alkaloide: Papaverin, Thebain, Opianin, Kryptopin, Rhöadin, Pseudomorphin und Oxynarkotin; ferner zwei indifferente Stoffe, das Meconin und Porphyroxin. Zu bemerken ist jedoch, daß einige dieser Stoffe nur in ganz bestimmten Opiumsorten angetroffen werden, so fehlen z. B. in dem in Frankreich gewonnenen O. das Narkotin und Thebain, dagegen ist ersteres in dem indischen O. in sehr reichlicher Menge enthalten; auch Pseudomorphin findet man nur in einzelnen Opiumsorten.

Diese Bestandteile schwanken in ihren Mengenverhältnissen in den verschiednen Opiumsorten bedeutend; Morphium macht in den besseren und besten Sorten 8-15% aus, Narkotin 5-9%, Codeïn kaum 1%. Im ägyptischen O. finden sich in den besten Sorten nur 6-8%, in den geringeren 3-4½, im persischen selten mehr als 1% Morphium. Das ostindische O., das nur selten nach London gelangt, hat auch höchstens 10-11, gewöhnlich nur 3-5% Morphium und ist daher ebenfalls bei uns vom medizinischen Gebrauch ausgeschlossen.

Die englische Regierung zieht aus dem Opiumbau in Ostindien durch den Absatz nach China große Revenüen und hat bekanntlich auch einen Krieg mit jenem Lande geführt, um hierin nicht gestört zu werden. Alles indische O. muß gegen bestimmte Preise an die Regierungsdepots abgeliefert werden und wird von dort um das Doppelte weiter verkauft. Den Pflanzern wird der Anbau durch Vorschüsse ermöglicht. Der indische Opiumbau ist besonders stark in Bengalen, namentlich in den Provinzen Benares und Behar, dessen Produkt im Handel als Patnaware geht. Die jährlich in Bengalen produzierte Menge O. beläuft sich auf über 12 Mill. engl. Pfd. und trägt der Regierung über 12 Mill. Pfd. Sterl. Gewinn ein. Der Export der türkischen Ware beträgt etwa 200000 kg. Ein Teil davon gelangt ebenfalls nach China. -

Europäisches O. ist zuerst von Frankreich aus in den Handel gebracht worden. Die dort von einigen Unternehmern im großen betriebene Kultur soll in Zunahme begriffen sein. In Deutschland ist man erst bis zu Versuchen gekommen, die aber ganz ermutigend ausgefallen sind. Man hat im Jahre 1866 an mehreren Orten bei Berlin wie auch im Württembergischen eine ganz zufriedenstellende Qualität O. gewonnen, in letzter Gegend angeblich mit 13% Morphiumgehalt, und zwar hat der blau blühende Mohn die besseren Resultate gegeben, während man im Orient den weißen bevorzugt; wie schon erwähnt, sind aber