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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Opodeldok; Opopanax; Opossumfelle; Orangen; Orangenblüten; Orangenblütenöl

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Opodeldok - Orangenblütenöl

hier die Arbeitslöhne zu hoch. Man nimmt an, daß in Deutschland jährlich für 900000 bis 1200000 Mk. Opium eingeführt wird. -

Das O. ist bekanntlich ein stark narkotisches, tötliches Gift; doch sind die wohlthätigen Wirkungen kleiner Gaben schon seit den ältesten Zeiten bekannt und zu Heilzwecken benutzt. Es wirkt beruhigend auf das Nervensystem und einschläfernd, schmerzstillend, verstopfend, schweißtreibend, aber auch aufregend, weil es den Blutlauf beschleunigt, und kommt in sehr vielen Fällen zur Anwendung. In den Apotheken werden aus und mit O. die verschiednen Extrakte, Tinkturen und zusammengesetzteren Mittel bereitet, welche man mit dem Gesamtnamen Opiate bezeichnet.

Häufig aber werden statt des O. jetzt das Morphium und seine Salze, sowie einige der andern Alkaloide verwendet, welche fabrikmäßig dargestellt und von den größeren Droguenhäusern in den Handel gebracht werden. Diese Stoffe sind kristallinische Substanzen, wirken stärker als das rohe O. und sind daher sehr starke, nur in kleinsten Mengen verwendbare Gifte. Ein gutes O. darf beim Austrocknen dünner Scheibchen, durch Schnitte mitten durch die Brote gemacht, nicht mehr als 20% an Gewicht verlieren; der Minimalgehalt des für pharmazeutische Zwecke bestimmten O. an Morphium soll 10% betragen. - Zoll: Opium und Morphium, sowie die Opiate ohne Äther- oder Alkoholzusatz sind zollfrei. Tinkturen mit Äther- oder Alkoholzusatz gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Opodeldok (Linimentum saponato-camphoratum); ein pharmazeutisches Präparat, das zu Einreibungen verwendet wird und eine durchscheinende Gallertmasse bildet, die aus einer in starkem, warmem Alkohol bewirkten Lösung neutraler Seife, mit Kampfer und ätherischen Ölen versetzt, besteht. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Opopanax (Panaxgummi), ein Gummiharz, besteht aus dem getrockneten Milchsaft der fleischigen Wurzel einer Art Pastinake (Pastinaca Opopanax oder O. Chironiura), die in Südeuropa und Kleinasien wächst. Wie ähnliche Droguen kommt es in zwei Sorten, einer besseren in Tropfen oder Körnern von der Größe einer Erbse bis zu einer Nuß, und einer unreineren, in Massen oder Kuchen, vor. Die Ware sieht außen braun, innen gelblich aus, ist zerbrechlich, riecht wie Liebstöckelwurzel und schmeckt ebenso, dabei scharf und widrig. Sie wird zu Pflastern, doch selten noch, angewendet. Denselben Namen führt auch ein spirituöses, von England und Frankreich aus in den Handel kommendes Taschentuchparfüm. - Zollfrei. Das unter gleichem Namen eingehende Parfüm gem. Tarif im Anh. Nr. 31 e.

Opossumfelle. Das Opossum (Didelphys virginiana) ist ein zu den Beutelratten gehöriges Tier, das im südlichen Nordamerika (Virginien, Ohio, Arkansas) lebt und sich von Vögeln und anderem kleinen Getier nährt. Die australischen Säugetiere sind sämtlich Arten von Beutelratten und von einer Art derselben wird das krause, graue, dichte Haar zu Decken verarbeitet, welche gelegentlich in den Handel kommen. Das amerikanische Tier hat ein langes, schlichtes, graues Haar, mit weißlichem Flaumhaar darunter. Die Engländer verstehen die Felle sehr schön den deutschen Mardern und Iltissen ähnlich zu färben. Diese Pelze bilden eine wohlfeile Handelsware, ungefähr zum Preise von ½-3 Mk. das Stück. Man gebraucht sie zu Unterfuttern und zu allerlei Galanterieartikeln. - Zoll: s. Hamsterfelle.

Orangen. Die immergrünen Gewächse aus der Pflanzengattung Orangenbaum, Citrus L., wozu die Apfelsinen, die Pomeranzen, die Zitronen, der Pampelnußbaum, die Sauerzitrone oder der Limonenbaum u. a. gehören. Vgl. diese. - Zoll: Frische O. gem. Tarif im Anh. Nr. 25 h 1. Orangenschalen, frisch, getrocknet oder in Salzwasser eingelegt Nr. 25 p 2; kandierte Nr. 25 p 1.

Orangenblüten (Pommeranzenblüten, lat. flores aurantiorum, flores naphae, frz. fleurs d'orange). Dieselben bilden nicht nur im frischen Zustande, sondern auch getrocknet und eingesalzen (zur Darstellung von Orangenblütenwasser und -öl) einen Handelsartikel; sie behalten ihren feinen, höchst angenehmen Geruch auch nach vorsichtigem Trocknen eine Zeitlang bei. Die besten, am feinsten riechenden O. kommen nicht, wie man häufig angegeben findet, vom gewöhnlichen süßen Orangenbaum (Citrus aurantium, Risso), sondern vom bitteren Pommeranzenbaum (Citrus Bigaradia, Risso); die ersteren riechen etwas weniger fein. Man kann beide leicht durch den Bau der Blüte unterscheiden.

Die Bigaradblüte hat 30-34 Staubfäden und einen 12-14fächerigen Fruchtknoten, während die Blüten von C. aurantium nur 20 bis 22 Staubfäden und einen 9-11fächerigen Fruchtknoten besitzen. Der Kelch ist ferner bei ersterer fünfeckig, bei letzteren oval. Im frischen Zustande haben die Blüten eine fleischige, weiße Blumenkrone, die im getrockneten Zustande dünn, pergamentartig und schmutziggelb ist. Man benutzt die O. zu Parfümeriezwecken, sowie auch zu Thee. Nizza produziert 200000 kg O. jährlich, Cannes und Umgegend 425000 kg. 100 Orangenbäume im Alter von 10 Jahren verlangen 4000 Quadratmeter Land und geben während des Sommers 1000 kg O. - Zollfrei.

Orangenblütenöl (Pommeranzenblütenöl, Neroliöl, lat. oleum aurantiorum florum, oleum naphae; frz. essence Néroly), ein äußerst fein und lieblich riechendes, ätherisches Öl, das meist aus den frischen, seltener aus den eingesalzenen Blüten der Orangenbäume durch Destillation mit Wasserdampf gewonnen wird. Es ist frisch bereitet fast farblos, wird aber nach und nach bräunlichrot, es ist dünnflüssig, von 0,85-0,90 spez. Gewicht, rechtsdrehend und in starkem Weingeist klar löslich. Bei längerem Stehen scheidet sich ein weißes kristallinisches Stearopten aus (Nerolikampfer).

Das beste Öl stammt von den Blüten des bitteren Pomeranzenbaums (vgl. Orangenblüten); es ist dies das Bigaradöl; eine etwas weniger feine Sorte von denen des süßen. Je nachdem man zur Bereitung dieses feinen Öls nur die weißen Blütenblätter benutzt, oder die ganzen Blüten mit den Kelchen, unterscheidet man