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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Papiertapeten

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Papiertapeten - Papiertapeten

langen, werden dieselben nach vollständiger Trocknung mit Bimstein oder einem ähnlichen Material wiederholt fein abgeschliffen, ehe ein neuer Lacküberzug gemacht wird. Die Japaner besitzen dazu eine ganz vorzügliche Lacksorte (aus Rhus vernicifera), die sie durch feinstes Papier filtrieren, um einen erdenklich feinsten Überzug zu bewirken. Dasselbe geschieht in Europa bei der Dosen- und der feinen Papier-maché-Fabrikation, doch stehen diese den japanischen in der Lackierung bedeutend zurück. Ebenso erreicht das europäische Papier bei weitem nicht das in Japan zu diesem Zwecke verwendete. Für die eigentlich europäische Papier-maché-Fabrikation wird für die feinen Sorten, wie Dosen, nur Papiermakulatur, ohne weiteren Zusatz, benutzt, indem die Makulatur maschiert, d. i. gekaut, also in Fasermasse zerdrückt wird, wobei man zur schnelleren Zerteilung Wärme, d. h. kochendes Wasser, anwendet. Die breiige Masse wird, je nach der anzufertigenden Qualität, mit mehr oder weniger Thon oder Gips vermischt, wovon zumal die Puppenköpfe, wilden Tiere und andre Kinderspielzeuge ein mehr oder weniger abschreckendes Beispiel liefern.

Die aus der Form kommenden Gegenstände werden mit Öl- oder Leimfarben grundiert und dann bemalt. Bei den kleinen Menagerien besserer Art findet eine Nachahmung der Behaarung dadurch statt, daß feine Scherwolle, in Farbe des betreffenden Tieres, nach erfolgtem Leimüberzug leicht aufgetragen wird. Die Formen, mit denen die Papier-maché-Artikel hergestellt werden, bestehen bei feineren Sorten aus Metall, sonst aber aus feinen harten Hölzern. Die einzelnen, in Europa seit Martin in Paris (1740) in Anwendung gekommenen, Verfahren der Papier-maché-Fabrikation zu beschreiben, liegt außer dem Rahmen dieses Werkes. Im allgemeinen weichen sie wenig von dem Mitgeteilten ab und sind meist nur durch die äußere Ausstattung bedingt.

Die Hauptsitze dieses Industriezweiges befinden sich in Deutschland (Nürnberg und Thüringen), in Österreich, Frankreich und England. Der Export Deutschlands ist sehr bedeutend, zumal nach Amerika und dem Orient. Als neue Artikel dieser Branche sind die Eisenbahnräder, Fässer, Wassereimer, Waschbecken, Körbe und Teller noch zu erwähnen, welche in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in Deutschland eine außerordentlich wachsende Verbreitung finden. Ein hauptsächliches Rohmaterial dafür ist der Holzstoff und die Holzzellulose (Lignose). Man macht auch diese Gegenstände durch chemische Zusätze unverbrennlich. - Zoll: Papiermachémasse gem. Tarif im Anh. Nr. 27 b; lackierte Tafeln von Papiermachémasse, sowie lackierte wie unlackierte Waren aus P. Nr. 27 f 2. Dergleichen in Verbindung mit andern Materialien Nr. 27 f 3.

Papiertapeten (papier de tenture, papier peint; paper hanging, paper prints) sind die jetzt in Längen bis 10 m und Breiten von ½ m durch Bestreichen und dann Bedrucken mit Deckfarben in den verschiedenartigsten Mustern hergestellten Papierstreifen, welche zumeist zur Bekleidung der Stubenwände und Decken benutzt werden. Der Name stammt von tapes und tapetum, Teppich, Taffet, steppen. Aus der Kulturgeschichte ist bekannt, daß die Chinesen vor undenklichen Zeiten die Wände ihrer guten Stuben und Säle mit Teppichen aus Baumwollen- und Seidenzeugen bekleideten und solche auch auf die Fußböden legen ließen. Denselben praktischen Schönheitssinn zeigten auch schon im Altertum die Babylonier, Assyrer, Perser, Phönizier, Inder und Ägypter, obwohl die letztern überwiegend mehr die Wände bemalten. Die Griechen und Römer benutzten die Tapeten seltener, denn einesteils war das Bedürfnis der Orientalen, sich vor Hitze und starken Winden zu schützen, bei ihnen nicht so lebhaft, andernteils brauchten sie bei ihren massiven Häusern nicht verschiebbare Wände, wozu die Teppiche vornehmlich bei Jenen dienten.

Lange Zeit bestanden die Tapeten aus köstlichen Geweben, Stickereien, Purpurstoffen und aus mit golddurchwirkten Mustern gearbeiteten Seidenzeugen. Der Gebrauch des Leders in Persien und Assyrien führte dort zuerst zu der Verwendung desselben zu gemalten, gepreßten und auch mit Gold gemusterten Tapeten, wie solche noch bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts in den Schlössern Europa's in Mode waren. Als gewebte Tapeten haben sich bis heute die kostbaren Gobelin's der Gebr. Gobelin erhalten. Die Vorhänge in den Kirchen und Tempeln, Theatern und Schaubühnen, an den Thüren und Fenstern der Wohnungen, die sogenannten „spanischen Wände“ erinnern an den Ursprung der Tapete. (Die Velarien, die Uraniskos und Ptery der griechischen Tempel, die Arrazzis aus Arras, die Baldachini der Thronsessel etc.). -

Die Tapeten und Teppiche sind zumeist Vorbilder der Farbenkunst und des Volksgeschmacks und man erkennt an ihnen genau den chinesischen (japanischen), assyrischen, babylonischen, persischen, ägyptischen, phönizischen, indischen, pelasgischen, etruskischer, griechischen, byzantinischen, arabischen, romanischen, gothischen, altdeutschen, Renaissance- und Barock- und Rokokostil heraus. -

Der Ursprung auch der P. ist in China zu suchen und reicht vielleicht bis zu Anfang unserer Zeitrechnung, da das Papier schon dort 123 v. Chr. erfunden war und sich die vielseitige Verwendungsweise dieses kostbaren und doch so billigen Materials um so früher gezeigt haben muß, als das Bedürfnis nach einer leichten, farbigen Bekleidung der Wohnungswände gerade bei den Chinesen sehr bald erwacht war. -

Diese P. werden noch heute in China und Japan im umfangreichsten Maße dargestellt, indem auf schmale und lange Papierbogen mit Schablonen oder mit Holzdruckplatten die farbigen Muster aufgetragen und dann geglättet, oder mit Lack überzogen und auch vergoldet oder versilbert und gepreßt werden. Bei der allgemeinen Gewohnheit in diesen Ländern, alle Wohnungen zu tapezieren, gibt es dort Tapeten von der geringsten bis zur kostbarsten Art, und merkwürdigerweise auch solche, welche die Ledertapete täuschend nachahmen, wie das chinesische und japanische Papier ja vielfach die Stelle des Leders auch für Kartonagen und dergleichen vertritt. Solche Tapeten dienen zugleich als Teppiche für den Fußboden,