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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rauchwaren

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Rauchwaren - Rauchwaren

verwendet werden. Es sind dies die Felle von Biber (nur selten noch), Bisam, Fischotter, Nutria, Hasen und Kaninchen. Die Behaarung der Tiere wird im Jahreslaufe fortwährend verändert; im Sommer sind die Pelzfelle in der Regel wertlos und die Preise beziehen sich immer auf Winterware. Die besten und teuersten Pelzfelle kommen immer aus dem kalten Norden der Alten und Neuen Welt. Rußland und England sind demnach die Lieferanten der größten Menge von Pelzwerk; die Russen bringen es aus dem Norden ihrer europäischen und mehr noch ihrer asiatischen Besitzungen, die Engländer aus Kanada und den ungeheuren noch nördlicher gelegenen Waldländern, in denen die Hudsonsbai-Gesellschaft das Monopol hatte, jetzt aber den Handel in freier Konkurrenz betreibt. Ein Teil des nordamerikanischen Pelzwerks kommt auch aus den Vereinigten Staaten.

Die beiden größten Pelzländer der Erde sind eigentlich nur dieses Artikels wegen von Europäern besetzt, ja sogar entdeckt worden. Die Russen drangen in Sibirien weiter und weiter östlich bis ans Meer vor, um immer mehr eingeborene Stämme zu unterwerfen und ihnen Tribute an Pelzen aufzulegen; sie setzten sich schließlich selbst in dem gegenüberliegenden Nordamerika fest. In Nordamerika kamen des Pelzwerks wegen Franzosen und Engländer und die Handelskompanien derselben in Kampf mit einander; der von den Franzosen zuerst gegründete Pelzhandel kam in die Hände der Engländer und zum Teil an die neu entstandenden ^[richtig: entstandenen] Vereinigten Staaten. Auch hier trieb dieser Handel die Europäer immer vorwärts nach Westen, sodaß endlich die zwei verschiednen Handelsrichtungen in den Ländern der nordamerikanischen Westküste auf einander stoßen mußten. Durch den vor einigen Jahren erfolgten Verkauf der von Rußland in Anspruch genommenen Landstrecken an die Vereinigten Staaten haben sich die Dinge vereinfacht und es können jetzt nur noch nordamerikanische und englisch-amerikanische Unternehmungen im fernen Westen in Kollision geraten, was oft genug der Fall ist.

Die Hudsonsbai-Kompagnie, mit dem Sitz in London, besitzt im amerikanischen Norden ein Handelsgebiet, das größer als Europa ist. Die Eingebornen, mehr als 50 Stämme, bringen ihre Beute nach befestigten Handelsstationen, die über das Land zerstreut sind, und werden nur mit Waren bezahlt, die sie brauchen können. Ein feststehender Tarif benennt alle Werte, welche die verschiednen Waren und Pelzarten gegen einander haben sollen. Die Verkaufskontore der Kompanie sind Montreal in Kanada für die Büffelhäute und London für das eigentliche Pelzwerk. Es kostet 1-1½ Jahr Zeit, ehe die Ware an den Londoner Markt kommt. Hier werden jährlich drei große Pelzauktionen gehalten, im Januar, März und September, neuerdings im Juli. -

In Kanada ist, wie in den Vereinigten Staaten, der Verkehr mit Pelzwerk frei und bares Geld das Einkaufsmittel. Es bestehen da neben zahlreichen kleinern Kaufleuten mehrere Pelzkompanien und große Handelshäuser; die Waren dieser Länder kommen entweder direkt nach London oder Leipzig, oder gehen erst nach New York und von da aus zweiter Hand ebenfalls nach diesen europäischen Hauptplätzen. In neurer Zeit wird Leipzig von den Amerikanern vor London sehr bevorzugt, weil hier der Absatz bequemer ist.

Der Verkehr mit Pelzwerk hat das Eigentümliche, daß die meisten Nationen, welche etwas dergleichen an den Markt zu bringen haben, dafür auch von den Erzeugnissen andrer Länder wieder kaufen und die fremde Ware höher als die eigene schätzen. So entnehmen auch die Vereinigten Staaten große Quantitäten russischen und deutschen Pelzwerks. Man will dort in Luxus und Moden den Europäern nicht nachstehen und ebenfalls sibirisches Feh, Hermelin und die in Europa gefärbten Modesachen tragen. Man verbraucht außerdem in Amerika viel polnische und französische Kaninchenfelle, die in Deutschland zubereitet sind, und gute russische Zobel. -

Von amerikanischem Pelzwerk bringt auch Dänemark einen gewissen kleinen Anteil aus seinen Besitzungen in Grönland (weniger von Island), hauptsächlich Fuchs- und Robbenfelle und einige Eisbären. Die Waren werden jährlich zweimal, im November und Mai, in Kopenhagen verauktioniert. Südamerika beteiligt sich am Handel nur durch Chinchilla-, Viscache- und Koipufelle; seine Jaguar- und Kuguarfelle sind im Handel nur etwas Nebensächliches. Von Schweden und Norwegen kommen, außer solchen Fellen, die auch anderwärts häufiger sind, wie Füchse, Marder, Iltisse, Dachse, Ottern und Katzen, schöne Felle von Luchsen, Vielfraßen, Silber- und Kreuzfüchsen, meistens auf die Leipziger Messen; das Beste davon geht weiter nach Rußland. Dieses Land selbst ist unbedingt das bedeutendste für Erzeugung, Verbrauch und Handel in R.

Ein bedeutender Teil des russischen Handels, der gar nicht in unserem Gesichtskreise liegt, ist der mit dem großen, viel verbrauchenden Nachbarlande China, der sich in der russischen Grenzstadt Kiachta vollzieht. Derselbe Fall ist es mit dem Warenquantum, das über Astrachan in den persischen Handel geht. Sonst sind die Hauptmeßplätze Irbit in Sibirien und Nischney Nowgorod. Der letztere ist der eigentliche internationale Tauschplatz; es werden zu der dortigen, im Juli und August stattfindenden Messe, außer den russischen und asiatischen Pelzprodukten, auch armenische, amerikanische, skandinavische, deutsche in Menge herbeigeführt und fast jeder Besuchende ist Ver- und Einkäufer zugleich. Außer diesen periodischen Meßplätzen sind Petersburg und Moskau als permanente zu betrachten und Warschau ist in dieser Branche ein kleines Moskau. -

Der deutsche Rauchwarenhandel befindet sich in seinen letzten Verzweigungen in sehr vielen Händen, da sich eine Menge kleiner Händler und alle Kürschner beim Einkauf beteiligen. Größere Kaufleute konzentrieren dann die Waren noch weiter und führen sie den eigentlichen Handelsplätzen zu. Von den Jägern werden die sog. Wildwaren gekauft, Füchse, Edel- und Steinmarder, Iltisse, Dachse, Ottern, vom Landmann Lamm- und Ziegenfelle, in den Städten Kaninchen und Katzen. Die Menge der in Deutschland zusammengebrachten