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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Schollen; Schriftmaterialien

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Schollen - Schriftmaterialien

der Schweiz und in Süddeutschland ein beliebtes Volksnahrungsmittel (Fastenspeise), welches in besondern Schneckengärten oder Schneckenbergen durch Mästen gefangener Tiere marktfähig gemacht wird und auch, in Säcken oder Fässern verpackt, einen Handelsartikel bildet; der Verkauf geschieht nach Hundert oder Schock. Genießbar sind die S. vom Spätherbst an, im ganzen Winter bis zum März, so lange sie mit Deckeln verschlossen sind; gemästet werden sie mit Salat, Gemüseabfall, Kleie etc.

Das Gehäuse der Weinbergsschnecke ist gelb, graubraun gestreift, etwas durchscheinend, bis 9 cm im Durchmesser und etwa 9 cm lang; zum Verspeisen wird der Deckel geöffnet, die Schnecke herausgezogen, von der schwarzen Haut, den harten Teilen an Kopf und Schwanz und allen schleimigen Teilen befreit, mit Salz eingerieben, gut gewaschen und entweder gebacken, gebraten oder gekocht, oder zu Schneckensalat verarbeitet oder als Zuthat zu Suppen (Kraftsuppe gegen Lungen- und Auszehrungskrankheiten) oder zu Schneckenmilch, anderweitig auch zu Schneckendekokt (Decoctum helicum).

Der Handel ist ein ziemlich bedeutender und besonders für die Großstädte, in welchen oder in deren Nähe auch die Mastanstalten sind. Außer der Weinbergsschnecke verwendet man noch zur Speise hier und da die Kreiselschnecke, den Goldmund, das Midasohr und auf den ostindischen und australischen Inseln große, bis ½ kg schwere Seeschnecken, welche auch als Handelsartikel nach China in Betracht kommen. Die Chinesen essen S. in großer Menge, besonders mit Essig und Zitronensaft. Seeschnecken bilden, eingemacht in Gläsern, Büchsen oder Flaschen, oder frisch in Blechbüchsen verlötet, einen auch weiterhin versendeten Handelsartikel. - Zoll: Landschnecken sind zollfrei. Seeschnecken Nr. 25 r; in hermetisch verschlossenen Blechbüchsen etc. eingehende frische, marinierte oder eingesalzene Nr. 25 p 1.

Schollen (Seeschollen, Flach-, Plattfisch, Seitenschwimmer, Pleuronectoides Flem., Weichflosser), Raubfische mit trefflichem Fleisch, stark zusammengedrücktem, sehr hohem, fast scheibenartigem Körper, unsymmetrischem Kopfe und Augen nur auf einer Seite, obere Körperseite wie der Meeresboden gefärbt, dunkel schmutzig, untere oder Bauchseite farblos, zuweilen gefleckt, Rücken- und Bauchflosse sehr lang, ungeteilt. Meist liegen die S. gesellig im schlammigen, flachen Meeresgrund, mit Sand bedeckt, auf einer Seite oder schwimmen mit der Augenseite nach oben; ihre Färbung verändert sich, der Umgebung entsprechend; seltner finden sie sich in den Flußmündungen und flußaufwärts. Meist gehören sie den gemäßigten Zonen an.

Dahin gehören: die Flunder oder Flunker, auch Teerbutt genannt (Pleuronectus flessus L.), von der französischen Küste bis Irland und in der Ostsee und in den größern Flüssen von Deutschland bis nach England, 30 cm lang, bis 3 kg schwer, graubraun mit dunklen Flecken (vgl. Flunder);

die gemeine Scholle, der Goldbutt oder das Platteisen (P. platessa L.), 50 cm lang, 9 kg schwer, braun, grau, gemarmelt, gelb gefleckt, gelb- und grünlich weiß auf der Blindseite, von Frankreich bis Irland und in der Ostsee, rautenförmig, in großen Mengen frisch und geräuchert versendet und verbraucht;

die Heilbutte (Hippoglossus Cuv.), mit schmälerm gestreckterm Leib, der Heiligbutt, Riesenscholle (H. vulgaris Flem.), bis 2 m lang und 5 Ztr. schwer, im hohen Norden, wichtig für die Nordländer; die Butte (Rhombus Gthr.), mit dem breitesten Körper.

Der Steinbutt, Turbot (R. maximus), bis 1,25 m lang, bis 35 kg schwer, Augenseite höckrig, braun, marmoriert und heller gefleckt, sehr geschätzt, lebt in der Nord- und Ostsee und Mittelländischem Meer;

der Glattbutt (R. laevis Cuv.), 40 cm lang, bis 4 kg schwer, braun, dunkelbraun marmoriert, perlenartig hell gefleckt, in der Nord- und Ostsee bis Atlantischem Ozean;

ebenso die Zungenscholle, Soolen oder Sole (Solea Gthr.), länglich, Augen rechts, Afterflosse sehr groß;

die Zunge, Seezunge (Solea vulgaris Quensel), bis 64 cm lang, 3-4 kg schwer, Augenseite schwarz, Blindseite bräunlich, an den Westküsten Europas bis zum Eismeer und in der Ostsee, sehr geschätzt, wird in Mengen, besonders in England, verbraucht.

Butten und Zungen gedeihen auch im Süßwasser, in Teichen und Aquarien. -

Alle zur Gattung S. gehörenden Fische werden sowohl frisch verspeist, als auch eingesalzen und getrocknet, zum Teil auch geräuchert. Über den Handel und die Bereitungsarten vgl. Flunder. - Zoll s. Flundern.

Schriftmaterialien oder Schriftmittel benennen wir alle von der ältesten bis zur neuesten Zeit für Merk- oder Denkmale und zur Schrift benutzten Gegenstände, zum Unterschiede von Schreibmaterialien, als welche alle zum Schreiben dienenden Materialien und Hilfsmittel bezeichnet werden. Die Schrift, im weiten Sinne des Worts, bedeutet der in bleibend sichtbare Form gebrachte Gedanke.

Erdhügel, Baumpflanzungen, Steinhaufen, Felswände, Pfähle und Kreuze waren solche erste Schriftzeichen, welche andeuteten, daß der Tote ruhe, dort große Thaten geschehen sind oder welcher Weg von hier zur nächsten Ansiedlung führt. Bei diesen Merk- und Denkmalen gab die mündliche Überlieferung (Tradition) die weitere Erklärung; als aber die Ereignisse sich mehrten, da fügte man bezeichnende Figuren hinzu, zur Unterscheidung und Unterstützung des Gedächtnisses.

Schon vor der großen Flut (Sintflut) drückte man mit Stäbchen die Schrift als Figuren und Keile, wie die Funde im alten Akkad (Chaldäa) jetzt zeigen, in Thonplatten, welche nach der Schrift an der Sonne gebacken wurden. Ebenso that man in Niniveh, Babylon und Sipphara (Stadt der Bücher) vor Noahs Zeit, in den Städten zwischen dem Tigris und Euphrat. In der Flut gingen mit den thönernen Häusern auch die meisten thönernen Bibliotheken verloren, deshalb brannte man später die Thonmassen nach der Schrift, wie man denn auch die für Bauten geformten Backsteine zu Ziegeln (sigillae) brannte. In thonlosen Ländern suchte man zuerst die zum Eingraben von Schrift geeignetsten Steinarten zu verwenden, welche zugleich eine ewige Dauer