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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Schrot

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Schriftmaterialien - Schrot

erwarten ließen, denn diese war bei der Wahl maßgebend. Schiefer, Marmor, Gips, Porphyr (das alte Purpur) und Kalksteine waren das S. der steinernen Bibliotheken der Chinesen, Arier, Iranier und Ägypter; an Stelle der Stäbchen waren Meißel, Keil und Schlägel getreten. Bis 6000 v. Chr. mag die Schrift nur dem Kultus und der Astronomie gedient haben, worauf mit der Bildung staatlicher Gemeinschaft (China, Chaldäa, Assyrien, Ägypten) Gesetze verfaßt, große Thaten niedergeschrieben und Grabstätten mit Nachricht über den Toten (Lypogäen, Pyramiden) errichtet wurden.

Die Hieroglyphe in der Kolossalgestalt verkleinerte sich bei allen Völkern zur hieratischen und endlich zur demotischen (volkstümlichen) Schrift, der Handelsverkehr verlangte, wie die Wissenschaft, immer häufigere und damit gedrängtere Niederschriften, das steinerne Material mußte verlassen werden und man wandte sich ans Pflanzenreich. In China läßt sich der Gebrauch der Holztafeln ausserordentlich weit ins Altertum zurückversetzen; ein Volk folgte dem andern, bis auch die Holztafeln zu beschwerlich und umständlich wurden und man ins Tierreich überging. Ungegerbte Häute, Leder, als breite Streifen und Riemen, fanden bei den Persern, Medern, Assyrern und Ebräern Eingang. Die ungegerbten Häute wurden mit Tusche aus Ruß und Öl, die gegerbten Häute mit einer verdickten Lösung von Kupferwasser (chalcantum), beide Arten übereinstimmend mit Rohr (calamus, arab. quâlem), beschrieben, was später zu den alaunten Häuten und 183 v. Chr. den König Eumenes II. von Pergamos zu der Bereitung des danach benannten Pergaments führte.

Von Ostasien bis Indien, auf den meisten Südseeinseln und an der ostafrikanischen Küste bediente man sich der Palmblätter (von Corypha umbraculifera) und mancher andrer fleischiger Blattarten (Aloe) seit undenklichen Zeiten, während man in Vorderasien bis Griechenland auch in Blätter (Platten) geschnittene Tierknochen, Elfenbein, Muschelschalen u. dgl. benutzte und bei diesen, wie bei jenen, die Schrift mit einem spitzen Griffel einritzte und mit Ölruß schwärzte.

In Ägypten war schon lange vor Josefs, Jakobs Sohn, Zeit das künstlich aus der Papyrusstaude bereitete Papyros (ägyptisch garta, Karte) in Gebrauch, doch soll er dessen Anfertigung verbessert haben, welche Papyrart sogar in das heutige Papier übergegangen ist (Josefpapier). Der große Handelsverkehr der Ägypter seit alter Zeit und der Mangel andern geeigneten Materials hatten dieses hochkultivierte Volk zur Aufsuchung eines so feinen Schriftstoffs, wie es das quer übereinander geklebte Papyrusblatt ist, angeregt. Außerordentlich groß war die Papyrindustrie, zahlreiche und bedeutende Werkstätten waren zumal in Alexandrien, aber auch im ganzen Deltagebiete. Die Einnahmen für Papyrus reichten aus, um die ägyptische Heeresmacht zu erhalten. Alle Gebildeten schrieben bis um 100 v. Chr. nur auf Papyrus, bis dann das Pergament, welches mancherlei Vorzüge hatte und weil das Papyrus nicht immer zu erlangen war, den Vorrang erhielt.

Die Verwendung des Papyrus hörte gegen Ende des 7. Jahrhunderts, die allgemeine Verwendung des Pergaments, das erst Ende des 6. Jahrhunderts in Europa Eingang gefunden hatte, ums Ende des 13. Jahrhunderts in Europa auf, als das Baumwollenpapier aus Syrien später in Sizilien und Spanien in ausreichender Menge bereitet wurde (s. Papier). Wie auf Papyrus, so wurde auch auf Pergament mit dem Rohre aus Damaskus und mit Tusche geschrieben, was auch beim Baumwollenpapier in Asien und Ägypten beibehalten wurde; in Europa bediente man sich jedoch schon seit Anfang des 7. Jahrhunderts der Raben- und Gänsefedern in den Kanzleien und nur die Vornehmen gebrauchten Federn aus Elfenbein. Die Tinte wurde wahrscheinlich von den Rabbinern aus dem Oriente nach Europa gebracht, etwa ums 4. Jahrhundert.

Die Erfindung des Linnenpapiers aus abgetragenen Geweben hat in der ganzen Welt (außer China, Japan und Korea) alle andre Schrift- und Schreibmaterialien verschwinden gemacht; an Stelle des unbehilflichen Gänse- oder Federkiels konnte seit 1830 die Silber- und bald darauf die Stahlfeder treten (s. Tinte und Tusche). Steinerne Schriften sieht man nur noch auf den Friedhöfen, Denkmalen und Gedenktafeln. - Zoll: S. Tinte und Papier. Stahlfedern gem. Tarif Nr. 6 e 3 γ.

Schrot, Bleischrot, Hagel; frz. dragée, plomb de chasse; engl. shot. Die kleinen, das S. bildenden Bleikugeln werden ohne Anwendung einer Form gegossen. Jedes Schrotkorn ist ein erstarrter Bleitropfen. Man gießt das stark erhitzte Blei löffelweise in ein Sieb, dessen Boden mit Bleikrätze bedeckt ist, um das Blei tropfenweis durch die Sieböffnungen austreten zu lassen. Diese Tropfen durchfallen den Schrotturm in einer Höhe von 30-36 m und werden in einem Wassergefäße aufgefangen. Während des Falles ballen sich die Tropfen zu Kugeln und erstarren vor Eintritt in das Wasser.

Das angegebene Verfahren liefert das Patentschrot. Früher ließ man die Tropfen nur geringe Höhe (2-3 m) durchfallen, sodaß das völlige Erstarren erst im Wasser erfolgte, erzielte aber dabei viel Ausschuß. Um die große Höhe der Schrottürme auf die Hälfte vermindern zu können, treibt man den fallenden Tropfen einen kräftigen, durch einen Ventilator erzeugten Luftstrom entgegen. Zur Schrotfabrikation verwendet man weiches Blei, dem man 0,3%-0,6% Arsen in natura oder in Form von Schwefelarsen oder arseniger Säure zusetzt, wodurch die Tropfen vollkommener die Kugelgestalt annehmen. Antimon kann das Arsen teilweise, wohl auch ganz ersetzen. -

Das aus dem Wasserbottig genommene S. wird sogleich an der Luft oder in erwärmten eisernen Pfannen getrocknet. Hierauf folgt noch das Ausschießen aller fehlerhaften (namentlich unrunder) Körner und das Sortieren nach der Korngröße. Das Ausschießen und ein teilweises Sortieren können zweckmäßig auf folgende Weise bewirkt werden: Man läßt das S. eine schiefe Ebene, die in bestimmten Entfernungen durch Spalten von etwa 80 mm Weite unterbrochen ist, hinunterlaufen. Die unrunden Körner laufen im Bogen und fallen über die Seitenränder ab; die runden eilen in grader Richtung hinunter; die schwersten derselben über-^[folgende Seite]